Germanen
Als Germanen wird eine Gruppe ehemaliger Stämme in Mitteleuropa und im südlichen Skandinavien bezeichnet, deren Identität in der Forschung traditionell über die Sprache bestimmt wird. Kennzeichen der germanischen Sprachen sind unter anderem bestimmte Lautwandel gegenüber der rekonstruierten indogermanischen Ursprache, die als germanische oder erste Lautverschiebung zusammengefasst werden. Das von den Germanen bewohnte Siedlungsgebiet wurde von den Römern als Germania magna bezeichnet.
Ab der Zeitenwende prägte der Kontakt mit den Römern die germanische Welt, wie auch die Entwicklung des Römischen Reiches sich zunehmend mit der germanischen Welt verband. In der Spätantike kam es im Verlauf der „Völkerwanderung“ zu weitreichenden Zügen mehrerer germanischer Stämme (gentes), die teilweise größere Verbände bildeten (siehe Ethnogenese), und schließlich zu deren Einfall in das Römische Reich. Ihr Ziel war vor allem Teilhabe am Wohlstand des Imperiums, dessen Strukturen und Kultur sie keineswegs zerstören wollten. Einige dieser Gruppen gründeten Reiche nach antikem römischen Vorbild auf dem Boden des Westreiches, das um das Jahr 476 unterging. Elemente der germanischen Religion und des religiösen Brauchtums wurden unter anderem durch Akkommodation in das angenommene Christentum übertragen. In der neueren Forschung wird dabei die Sammelbezeichnung Germanen zunehmend kritisch gesehen, da die so bezeichneten Gruppen sich niemals als Einheit verstanden hätten, sondern es sich um eine reine Fremdbezeichnung handle, die Unterschiede verwische.
Dieser Artikel beschreibt die allgemeine Geschichte der germanischen Völker, beginnend vor der Zeitenwende, bis in die Spätantike bzw. das beginnende Frühmittelalter. In der Forschung wird auch die Geschichte Skandinaviens bis ins Mittelalter im germanischen Kontext gesehen. Die Geschichte einzelner Stämme, die germanische Mythologie und die germanischen Stammesrechte sind Thema weiterer Artikel.
Germanenmythos
Unter dem Stichwort Germanenmythos werden in der Wissenschaft Thesen zum Ursprung, zur vermeintlichen Überlegenheit der Germanen und Fragen der Identität europäischer Völker behandelt.
Die Römer hatten bereits 113 v. Chr. in den Alpen Schlachten gegen die Kimbern und Teutonen verloren, wodurch der Begriff Furor teutonicus geprägt wurde. Julius Caesar beschrieb in seinem Werk De bello Gallico in einem Germanenexkurs genannten Abschnitt die Völker östlich des Rheins, die dann in der Varusschlacht den Römern eine empfindliche Niederlage beigebracht haben. Ein weiteres Jahrhundert später fasste die Schrift Germania von Tacitus das römische Wissen über Germanenvölker zusammen.
Diese Schrift wurde ab Mitte des 15. Jahrhunderts in Deutschland rezipiert. Aber schon zuvor im Mittelalter begann sich ein Germanenmythos zu entwickeln. Die Romantik konnte daran anschließen. Eine besondere Rolle spielte der Germanenmythos in der aufkommenden deutschen Nationalbewegung. Im Dritten Reich wurde eine „rassische“ Überlegenheit der Germanen postuliert. In der Gegenwart ist der Germanenmythos in neuheidnischen Bewegungen und in der politischen Rechten präsent.
Germanische Mythologie
Germanische Mythologie bezeichnet im engeren Sinne die Mythologien der verschiedenen germanischen Kulturen der Eisen- und Völkerwanderungszeit, wobei die Mythen von religiösen Vorstellungen und Riten zu unterscheiden sind. Die vorchristlichen Glaubensvorstellungen der germanischen Völker gingen mit der Christianisierung in unterschiedlichem Maße in dem jeweiligen Volksglauben auf (siehe auch Synkretismus), zur Götterwelt siehe Nordische Mythologie.
Germanische Religion
Die Germanische Religion ist ein Sammelbegriff für die polytheistischen religiösen Kulte und Riten der germanischen Stämme und Völker von der jüngeren Bronzezeit bis zum ausgehenden Frühmittelalter. Die Religion ist von der germanischen Mythologie zu unterscheiden. Die Germanische Religion lässt sich geographisch in mehrere große Gebiete unterteilen. Aufgrund der zeitlichen und lokalen Zuordnung der Quellen werden Nordgermanische Religion und Südgermanische Religion unterschieden, und durch die Sonderentwicklung der Angelsachsen nach der Übersiedlung auf die britische Hauptinsel zudem die Angelsächsische Religion.
Nordgermanische Religion
Als nordgermanische Religion wird die Gesamtheit von Kulten und diesen zugrunde liegenden religiösen Vorstellungen verstanden, die in vorchristlicher Zeit im skandinavischen Raum verbreitet waren.
Germanische Gottheit
Eine germanische Gottheit kann anhand der altnordischen (an.), altenglischen (ae.) und althochdeutschen (ahd.) Überlieferung erschlossen werden und führt in eine Zeit, aus der keine schriftlichen Zeugnisse über die Germanen vorliegen. Sehr spärlich sind die altsächsischen (as.) und gotischen (got.) Zeugnisse.
Dass die Germanen bereits in der vorrömischen Eisenzeit an anthropomorphe Gottheiten glaubten, beweisen einfache menschenähnliche Astgabelidole aus den vorchristlichen Jahrhunderten, die in Dänemark und im nördlichen Deutschland gefunden wurden. Bemerkenswerterweise trugen diese germanischen Götter, Namen, die eine klare einfache Bedeutung hatten, wie Donner oder Überfluss. Wann diese germanischen Götternamen aufkamen, ist Gegenstand der Spekulation. Es muss aber in einer Periode geschehen sein, als sich die verschiedenen Dialekte noch sehr nahestanden.
Über das Wesen der damaligen Götter kann nicht viel gesagt werden. So ist anhand der vergleichenden indogermanischen Religionswissenschaft zwar plausibel, dass Wodan-Odin immer einäugig gedacht wurde, aber wann diese Idee aufkam, die auch bei Balten (Velinas), Kelten (Lug, schließt beim Zaubern ein Auge) und ansatzweise bei den Römern (Horatius Cocles) bekannt ist, kann nicht eruiert werden.
Südgermanische Gottheiten
Liste der südgermanischen Gottheiten und mythischen Helden: Balder, Donar, Fol, Folla, Fositae, Fricco, Frîja, Gaus, Hathagât, Hirmin, Iring, Saxnôte, Sinthgunt, Sunna, Wieland, Wodan/Wuotan, Wurth, Zîu. Nicht bezeugt, aber oft in der Literatur erwähnt, sind *Ôstara, *Frô. Dazu gesellen sich noch weitere Pseudogottheiten wie Cisa, Krodo oder Stuffo, die von der Forschung verworfen werden. Zu den Südgermanen zählen in der Ethnographie allgemein – von Süd nach Nord – Langobarden, Alemannen, Bajuwaren, Thüringer, Franken, Sachsen und Friesen.
Alamannen
Die Alamannen oder Alemannen waren eine antike und frühmittelalterliche Bevölkerungsgruppe, die dem westgermanischen Kulturkreis zugeordnet wird. Alamannische Bevölkerungsgruppen werden sowohl anhand archäologischer Quellen (wie Bevölkerungssitten und Trachten) als auch anhand historischer Quellen (schriftliche Zeugnisse) identifiziert. Bleibende Kernräume ihrer frühmittelalterlichen Siedlungs- und Herrschaftsgebiete, der Alamannia (Alemannia), lagen vor allem im Gebiet des heutigen Baden-Württemberg und Elsass, in Bayerisch-Schwaben, der Deutschschweiz, Liechtenstein und Vorarlberg. Diese Gebiete teilten sie sich zumeist mit gallorömischen und rätischen Bevölkerungsgruppen. Zwischen dem 6. und dem 9. Jahrhundert ging die Alemannia politisch und kulturell im Ostfrankenreich auf und wurde zwischen dem 10. und zum 13. Jahrhundert politisch nochmals vom staufischen Herzogtum Schwaben zusammengefasst. Die neuzeitliche Dialektologie griff bei ihrer Einteilung der deutschen Dialekte auf die Alamannen zurück und nannte die westoberdeutschen Mundarten „alemannische Dialekte“.
Alemania
Alamannien, auch Alemanien genannt (english: Alemania), war das Königreich der Alemannen, eines germanischen Stammesbundes, der 213 den römischen Limes durchbrochen hatte. Die Alemannen breiteten sich im 3. Jahrhundert vom Mainbecken aus aus, plünderten römische Provinzen und siedelten sich ab dem 4. Jahrhundert am linken Rheinufer an. Im 4. und 5. Jahrhundert von unabhängigen Stammeskönigen regiert, verlor Alamannien Ende des 5. Jahrhunderts seine Unabhängigkeit und wurde im 6. Jahrhundert ein Herzogtum des Fränkischen Reiches. Mit der Entstehung des Heiligen Römischen Reiches unter König Konrad I. von Ostfranken (Regierungszeit 911–918) wurde das Gebiet Alamanniens 915 zum Herzogtum Schwaben. Im 10. bis 12. Jahrhundert verwendeten Schreiber die Begriffe Suebien und Alamannien oft synonym. Das Gebiet Alemanniens, wie es vom 7. bis 9. Jahrhundert existierte, erstreckte sich um den Bodensee und umfasste den Hochrhein, den Schwarzwald und das Elsass beidseits des Oberrheins, das obere Donaubecken bis zur Mündung des Lechs sowie eine unklare Grenze zu Burgund im Südwesten im Aarebecken (Aargau). Rätien, obwohl nicht Teil Alemanniens, wurde von alemannischen Grafen regiert und gehörte seit seiner Gründung durch Burchard I. (Herzog von Alemannien von 909 bis 911) zum Herzogtum Schwaben. Das Gebiet entspricht dem heutigen Alemannendeutschen, dem französischen Elsass, dem deutschen Baden und Schwaben, der deutschsprachigen Schweiz und dem österreichischen Vorarlberg. Im Gebiet der heutigen Schweiz dehnte sich das alemannische Territorium im Hochmittelalter mit der Walserwanderung in die Alpen, mit den Zähringern und später dem Einfluss Berns in Richtung Oberburgund und nach Graubünden aus, als das untere Rätien unter die Herrschaft der Werdenberger Grafen geriet.
Der Aachener Turn- und Sportverein Alemannia 1900 e. V., bekannt als Alemannia Aachen, ist mit 11.350 Mitgliedern (Stand: 12. März 2026) der größte Sportverein in der Stadt Aachen und einer der größeren Sportvereine in Deutschland. Die erste Fußballmannschaft stieg zur Saison 2024/25 in die 3. Liga auf. Von 1967 bis 1970 sowie in der Saison 2006/07 spielte sie in der Bundesliga. Neben der Fußballabteilung, die seit dem 1. Januar 2006 in eine hundertprozentige Tochter-GmbH ausgegliedert ist, betreibt der Verein die Abteilungen Leichtathletik, Tischtennis, Handball und Futsal sowie E-Sport.
Franken (Volk)
Die Franken (sinngemäß „die Mutigen, Kühnen“) sind Rhein-Weser-Germanen, die sich ab dem 3. Jahrhundert im Umfeld derjenigen Teile Germaniens, die von den Römern besetzt waren, durch Bündnisse mehrerer Kleinstämme als Gruppe formierten.
Als Rheinfranken (auch ripuarische/ribuarische Franken, Ripuarier/Ribuarier oder Ripuaren/Ribuaren, von altfränkisch rīp- ‚Ufer‘; im Raum Köln auch als Kölner Franken bezeichnet) wird in der Geschichtswissenschaft traditionell eine von zwei beziehungsweise drei Gruppen der Franken bezeichnet. Diese stiegen in der Übergangszeit zwischen Spätantike und Frühmittelalter zum mächtigsten germanischen Stamm in West- und Mitteleuropa auf. Der Teilstamm der Rheinfranken soll sich durch die Vereinigung einzelner kleinerer Volksgruppen im 4. Jahrhundert gebildet haben; sein Hauptsiedlungsgebiet habe entlang des Rheins gelegen (daher der Name). Entlang des Flusses hätten sich die Rheinfranken von Köln über Mainz bis nach Worms und Speyer ausgebreitet. Demgegenüber hat Matthias Springer allerdings die Ansicht vertreten, dass es sich bei der vermeintlichen Zwei- oder Dreiteilung der Franken und damit auch bei den Rheinfranken um ein Konstrukt der Forschung handelt, das auf einer Missdeutung der späteren mittelalterlichen Quellen beruhe.
Rheinlande ist ein Ausdruck des 19. Jahrhunderts für nicht einheitlich verstandene bzw. nicht scharf umrissene Territorien am Rhein. Dabei handelt es sich nicht um ein Synonym für das Rheinland, obwohl das Wort zunächst in gehobener literarischer Sprachvariante so klingen mag und auch reduziert auf dieses Kernland verwendet wird. Bis Ende des 18. Jahrhunderts war der Ausdruck „Rheinland“ für die Region im Bereich des Rheines nicht geläufig, und dies gilt auch für die „Rheinlande“. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wird die Bezeichnung Rheinlande, sieht man von Historikern ab, allgemein kaum noch benutzt. Der Duden gibt unter dem Eintrag Rheinland als Bedeutung die „nichtamtliche Bezeichnung für die ehemalige preußische Rheinprovinz“ an und führt unter dem Wort Rheinlande die historischen „Siedlungsgebiete der Franken beiderseits des Rheins“ an. Rheinlande ist damit ein Ausdruck für einen Territorialbereich, der ab Anfang des 19. Jahrhunderts nach Auffassung von Historikern in erster Linie auf die ehemaligen Herrschaftsgebiete im Bereich des Mittel- und Niederrheines zutrifft. Diese Rheinlande wurden überwiegend zur preußischen Rheinprovinz zusammengefasst und betreffen historische Herrschaftsgebiete, die zwischen 1822 und 1945 beiderseits des Rheins zwischen Kleve und Bingen lagen. Rheinlande ist damit ein alternativ in preußischer Zeit geprägter siedlungs- und kulturhistorischer Begriff, der, politisch motiviert, auf einen viel älteren Zeitraum zurückgreifen muss, um die Zusammengehörigkeit der Rheinregionen auf der Grundlage einer „Gefühls- und Volksgemeinschaft“ zu belegen.
Die Rheinprovinz (auch Provinz Rheinland, Rheinpreußen oder Rheinlande genannt) war eine von 1822 bis 1945 bestehende Provinz Preußens am namensgebenden Rhein. Sie entstand 1822 als Fusion der Provinzen Jülich-Kleve-Berg und Großherzogtum Niederrhein und umfasste ursprünglich das Rheinland von Kleve bis Saarbrücken, später bis Trier. Als Exklave gehörte ein Gebiet um Wetzlar und Braunfels dazu. Infolge des Ersten Weltkriegs wurden das Saargebiet abgetrennt und die damaligen Landkreise Eupen und Malmedy an Belgien abgetreten. Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel der nördliche, unter britischer Besatzung stehende Teil an das neugebildete Land Nordrhein-Westfalen und der französisch besetzte Süden an Rheinland-Pfalz. Der Landkreis Wetzlar, eine Exklave der Provinz, wurde Hessen zugeschlagen. Der Oberpräsident und die staatliche Verwaltungsbehörde der Rheinprovinz hatten ihren Sitz in Koblenz. In Düsseldorf wiederum waren der Landtag und der Provinzialverband ansässig, eine kommunale Selbstverwaltungskörperschaft für überkommunale Aufgaben. Die Hauptorgane dieses Gemeindeverbands waren der Landeshauptmann und der Provinziallandtag.
Kontinentalgermanischer Mythologie
Unter kontinentalgermanischer Mythologie ist die vorchristliche Mythologie der germanischen Stämme auf dem Gebiet der heutzutage deutschsprachigen Gebiete, Polens, Tschechiens, Nordostfrankreichs und der Beneluxländer zu verstehen. Dabei sind folgende Zeitperioden zu unterscheiden.
- Eisenzeit (800 v. Chr. bis Christi Geburt). Aus dieser Periode sind überwiegend archäologische Funde wie z. B. aus Opfermooren bekannt.
- Römische Kaiserzeit (50 v. Chr. – 450 n. Chr.). Hauptquelle ist die Germania von Tacitus und mehrere Weihesteine.
- Frühmittelalter (ab 450 bis zur Christianisierung). Verschiedene Quellen, wie Runeninschriften, Zaubersprüche, Glossen.
- Hochmittelalter und frühe Neuzeit: Verdecktes Weiterleben von einigen Numina im Volksglauben und in Sagen. Diese wurden in der folgenden Periode gesammelt. Weitere Erkenntnisse können mittels der Sprachgeographie gewonnen werden.
- In der Neuzeit sind die Glaubensvorstellungen der germanischen Mythologie weitestgehend erloschen. Mit Jacob Grimm begann ihre wissenschaftliche Erforschung. Seither gibt es auch Gruppierungen, die versuchen, die „alte Religion“ wiederzubeleben (Neopaganismus, Germanisches Neuheidentum).
Asgard (Mythologie)
Asgard (altnordisch Ásgarðr ‚Heim der Asen‘) ist sowohl nach der Edda des Snorri Sturluson als auch nach der Lieder-Edda der Wohnort des Göttergeschlechts der Asen. Asgard liegt in der Krone der Weltenesche Yggdrasil und ist über die Regenbogenbrücke Bifröst mit Midgard verbunden. Asgard wird in den Grímnismál, dem zweiten Götterlied der Lieder-Edda, als riesige Burg beschrieben. Diese besteht aus den zwölf Palästen der Götter und ist von unbezwingbaren Mauern umgeben. Die zwölf Himmelsburgen bestehen aus Gold und Edelsteinen, die Gitter der Paläste aus goldenen Speeren; Wände und Fußböden sind goldgetäfelt, an den Decken hängen die strahlenden Schilde der Helden. Als größte Säle werden Walhall und Sessrumnir genannt, in denen sich die Helden nach ihrem Tod versammeln. Von seinem Thron Hlidskialf aus kann der Hauptgott Odin alle neun Welten überblicken. Das Göttergeschlecht der Wanen lebt hingegen in Vanaheimr, was in den meisten Darstellungen zwar ebenfalls Teil des „Himmels“ ist, aber außerhalb Asgards liegt, ebenso Álfheimr, die Heimat der Alben. Selten wird Asgard auch als Teil Midgards dargestellt.
Asen (Mythologie)
Die Asen (von altnordisch áss „Ase“, Plural: æsir „Asen“), eine nordische Bezeichnung der germanischen Götter, sind nach Snorri Sturluson in der Prosa-Edda ein Göttergeschlecht der nordischen Mythologie. Dieses Geschlecht ist nach der Zahl der ihm zugehörigen Gottheiten größer als das ebenfalls nordische Göttergeschlecht der Wanen. Die Asen werden von ihrer Mentalität als kriegerische und herrschende Götter geschildert, wohingegen die Wanen als Fruchtbarkeitsgottheiten stilisiert werden. Bei Snorri findet jedoch eine stringente Trennung der Geschlechter nicht statt. Zudem wird der Begriff „Ase“ in Quellen auch als ein genereller Begriff für (heidnischer) „Gott“ gebraucht (siehe auch: Abschnitt Etymologie im germanischen Sprachraum bei Gott).
Lodur
Lodur (altnordisch Lóðurr) ist in der nordischen Mythologie der Name einer Gottheit, der so selten erwähnt wird, dass sich nichts Gewisses über sie sagen lässt. Man geht davon aus, dass es sich entweder um den Beinamen eines Gottes oder den Namen einer eigenständigen, aber sonst unbekannten Gottheit handelt.
Thor
Thor bei den nordgermanischen Völkern, oder Donar bei den kontinentalen germanischen Völkern, ist ein germanischer Gott. Er ist „der Donnerer“ (Nomen Agentis), ursprünglich als Gattungsname „der Donner“ (Appellativum) (altsächsisch Thunaer, altenglisch þunor, althochdeutsch Donar, altniederländisch Donre, altnordisch Þórr von urnordisch þunraʀ „donnern“). Daraus erschließt sich der gemeingermanische Gottesname *Þunaraz. Thor/Donar fungierte für die zur See fahrenden Völker als Gewitter- und Wettergott und war in weiterer Funktion innerhalb der bäuerlichen germanischen Gesellschaft Vegetationsgottheit. In den mythologischen Edda-Schriften hatte er die Aufgabe des Beschützers von Midgard, der Welt der Menschen, vor den Eisriesen aus Jötunheim.
Odin
Odin oder Wodan (jüngeres Futhark: ᚢᚦᛁᚾ, südgermanisch Wōdan, altisländisch Óðinn, altenglisch Wōden, altsächsisch Uuoden, altbairisch: Wûtan, altniederländisch Wuodan althochdeutsch Wuotan, langobardisch Godan oder Guodan, gemeingermanisch *Wôðanaz) ist der Hauptgott in der nordischen und kontinentalgermanischen Mythologie. In der eddischen Dichtung fungiert er als Göttervater, Kriegs– und Totengott, als ein Gott der Dichtung und Runen, der Magie und Ekstase mit deutlich schamanischen Zügen.
Niflheim
Niflheim (altnordisch Niflheimr „dunkle Welt“) ist in der nordischen Mythologie ein eisiges Gebiet im Norden, im Gegensatz zum heißen Muspellsheim, das im Süden steht. In der Schöpfungsgeschichte liegt in Niflheim die Urquelle Hvergelmir, deren Wasser die Élivágar speiste; sie ergoss ihr eisiges Wasser in den Ginnungagap, das sich durch die Hitze Muspellsheims erwärmte, woraus der Riese Ymir als erstes Wesen entstand. Eine Wurzel des Weltenbaums Yggdrasill erstreckt sich über Niflheim. Niflheim ist als Begriff ausschließlich in der Prosa-Edda Snorri Sturlusons überliefert und dürfte seine eigene Schöpfung sein. Die Vorstellung einer mythischen Eisgegend im Norden mag aber älter sein, da Snorri Niflheim zweimal, offenbar in Anlehnung an Niflhel, mit Hel gleichsetzt.
Niflhel ist ein mythologischer Ort in der nordischen Mythologie, der hinter dem Totenreich der Hel liegt. Sie wird in der 43. Strophe des Wafthrudnirliedes als Ort beschrieben, an den all jene gelangen, die in der Hel gestorben sind. Auch in Balders Träume findet sie in der 2. Strophe als der Ort Erwähnung, an dem Odin als Wegtam getarnt eine tote Seherin aufsucht, um sie wieder zum Leben zu erwecken und von ihr die Bedeutung der Träume seines Sohnes Balder zu erfahren.
Die ‘Nephilim’ aus ‘Niflheim’!? Das sumerische Epos wurde, wie alles Wissen, von den Christen übernommen. Es wäre nicht verwunderlich, wenn das Christentum auch Geschichten aus anderen Quellen entlehnt hätte.
Nephilim (Christentum)
Die Nephilim (hebräisch נְפִילִים nephilim „Riesen“, Mehrzahl von naphíl) waren in der altisraelischen Mythologie riesenhafte Mischwesen, gezeugt von göttlichen Wesen und Menschenfrauen. Die Nephilim waren größer und stärker als Menschen und laut der Bibel die berühmten Helden der Vorzeit.
Die großen und starken…Riesen…’Nordmannen‘, Wikinger, aus ‘Niflheim‘!?
Deutsche Geschichte
Die Geschichte Deutschlands oder Deutsche Geschichte beginnt nach herkömmlicher Auffassung mit der Entstehung des römisch-deutschen Königtums im 10./11. Jahrhundert, wenngleich sich damit noch lange kein „Staat der Deutschen“ entwickelte. Die deutsche Sprache ist seit dem 8. Jahrhundert als eigenständige, in eine Vielzahl von Dialekten unterteilte und sich weiterentwickelnde Sprache fassbar. Die Bewohner des Reiches waren vor allem Nachfahren von Germanen und Kelten, im Westen jedoch auch von römischen Siedlern und im Osten von westslawischen Stämmen, den sogenannten Wenden oder Elbslawen.
Deutsche Stämme
Deutsche Stämme ist ein historischer soziologisch–volkskundlicher Begriff aus dem 18., 19. und frühen 20. Jahrhundert. Demnach sei das Volk der Deutschen aus mehreren frühmittelalterlichen Großstämmen entstanden. Man unterscheidet zwischen den „Altstämmen“, die sich noch vor dem Jahr 1000 herausgebildet hatten, und den „Neustämmen“, die im Verlauf der hochmittelalterlichen Ostsiedlung nach dem Jahr 1000 entstanden seien. Dieses „Stammes“-Konzept gilt heute als historisch ungenau und wird deshalb als Forschungsproblem begriffen. Die deutschen Stämme seien in ihrer Bedeutung im Laufe des 19. und frühen 20. Jahrhunderts überschätzt worden. Der Stellenwert, der ihnen tatsächlich zukommen sollte, bedarf demnach der weiteren Untersuchung.
Deutsche
Das Ethnonym Deutsche wird in vielfältiger Weise verwendet. Für die Definition der Deutschen als Ethnie werden verschiedene subjektive und objektive Kriterien genannt, unter anderem deutsche Abstammung, deutsche Muttersprache, Pflege deutscher Kultur, das Bekenntnis zum deutschen Volkstum und zur deutschen Geschichte und der Glaube an diese Gemeinsamkeiten. Eine „völkische“ Konzeption der Deutschen sieht dabei in der gemeinsamen Abstammung das primäre Unterscheidungsmerkmal zwischen Deutschen und Nichtdeutschen. Es gibt enge Wechselbeziehungen, aber auch Konfliktpotential zwischen den verschiedenen Konzeptionen, insbesondere einerseits zwischen dem Ethnienkonzept, das die Deutschen als Nachfahren des die deutsche Sprache sprechenden Bevölkerungsteils des Ostfrankenreiches betrachtet, aber später nationalistisch umgedeutet wurde, sowie andererseits den Bestimmungen über die rechtliche Zugehörigkeit zu Deutschland. Im juristischen Sinne bilden alle deutschen Staatsbürger das deutsche Staatsvolk. Bei der Zugehörigkeit dazu werden seit 1949 ethnische und kulturelle Kriterien nicht mehr berücksichtigt. Einzige Ausnahme sind die Statusdeutschen, also den Staatsangehörigen gleichgestellte Personen als Deutsche im Sinne des Grundgesetzes. Diese Rechtsstellung wird heute nur noch Spätaussiedlern in der Zeit zwischen ihrer Aufnahme im Bundesgebiet und der Bescheinigung ihres Status als Spätaussiedler gewährt.
Volksdeutsche
Volksdeutsche war seit etwa 1900, vor allem aber in der Zeit des Nationalsozialismus eine Bezeichnung für außerhalb des Deutschen Reichs in den Grenzen von 1937 und Österreichs lebende Personen deutscher Volkszugehörigkeit und nichtdeutscher Staatsangehörigkeit, vor allem in Ost- und Südosteuropa. Davor war es üblich, sie als „Auslandsdeutsche“ zu bezeichnen. Nach 1945 wurden das Reichsbürgergesetz von 1935 und die zugehörigen Verordnungen, die den nationalsozialistischen Begriff der Volkszugehörigkeit auf „deutsches und artverwandtes Blut“ zurückführten, außer Kraft gesetzt. Der Volksbund für das Deutschtum im Ausland, der für die SS die politischen Organisationen der „Volksdeutschen“ geführt hatte, wurde 1945 mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 2 verboten. Im Artikel 116 des Grundgesetzes wurde der Begriff der deutschen Volkszugehörigkeit neu bestimmt und die Frage der deutschen Staatsangehörigkeit geregelt.
Deutsche Staatsangehörigkeit
Die deutsche Staatsangehörigkeit ist die Zugehörigkeit einer natürlichen Person zum deutschen Staat, der Bundesrepublik Deutschland. Daraus werden – wie allgemein aus dem Bürgerrecht – für Bundesbürger spezifische Rechte und Pflichten hergeleitet. Das Bestehen der deutschen Staatsangehörigkeit wird in der Regel mit einem gültigen Pass oder Personalausweis der Bundesrepublik Deutschland hinreichend glaubhaft gemacht. Ein Staatsangehörigkeitsausweis wird daher grundsätzlich nur dann benötigt, wenn die deutsche Staatsangehörigkeit zweifelhaft und klärungsbedürftig ist oder ein urkundlicher Nachweis über deren Bestehen von einer deutschen oder ausländischen öffentlichen Stelle verlangt wird.
Religionen in Deutschland
Religionen in Deutschland. Die Zahl der Kirchenmitglieder hat sich in den letzten fünfzig Jahren von über 90 auf 45 % halbiert, während sich die Zahl der konfessionfreie von unter fünf auf fast 50 % verzehnfacht hat. In Schleswig-Holstein, Hessen, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen bestand 2024/2025 in etwa Gleichstand zwischen Christen und Nichtchristen. In den restlichen alten Bundesländern gab es, von den Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen abgesehen, mehr Christen als Nichtchristen; wobei der Westen (Saarland) mehrheitlich römisch-katholisch war.
Substitutionstheologie – Christentum
Als Substitutionstheologie (von lateinisch substituere, „ersetzen“; auch Ablösungs-, Ersatz-, Ersetzungs-, Enterbungs- oder Enteignungstheologie) bezeichnet man eine überlieferte Lehre der christlichen Theologie: Gott habe das Volk Israel seit der Kreuzigung Jesu Christi verworfen und verflucht, seine Erwählung Israels, seinen Bund mit diesem Volk und die ihm geschenkten Verheißungen aufgehoben und sie stattdessen auf die Kirche als neues Volk Gottes übertragen. Ausgangspunkt und Hauptaussage dieser Lehre war laut der Historikerin Gabriele Kammerer: „Das Volk, aus dem Jesus kam, hat ihn nicht als Messias angenommen, also gehen seine Rechte als Volk Gottes an die Kirche über.“ Diese Lehre zog sich seit etwa 130 n. Chr. in verschiedenen Varianten durch die Kirchengeschichte. Zusammen mit der These vom Gottesmord bildet sie den Kern des christlichen Antijudaismus und eine historische Wurzel des neuzeitlichen Antisemitismus, der zum Holocaust führte. Seitdem rückte die christliche Theologie allmählich von dieser Lehre ab und entdeckte die in der ganzen Bibel bewahrte Grundaussage vom „ewigen“, „unkündbaren“ und „nie gekündigten“ Bund Gottes mit Israel und dem Judentum (etwa in Jer 31,36 EU und Röm 11,29 EU) neu. Infolge des ab 1960 intensivierten jüdisch-christlichen Dialogs setzte sich dieses Verständnis in den Großkirchen durch. Als Meilensteine dieser Umkehr gelten die römisch-katholische Erklärung Nostra aetate (1965) und der evangelische Rheinische Synodalbeschluss „Zur Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden“ (1980). Drei Studien der EKD zum Thema „Christen und Juden“ spiegeln den Prozess.
Abrahamitische Religionen
Abrahamitische Religionen, abrahamische Religionen oder Abrahamsreligionen ist in manchen islamwissenschaftlichen Studien und im interreligiösen Dialog die Bezeichnung für jene monotheistischen Religionen, die sich auf Abraham, den Stammvater der Israeliten nach der Tora (Gen 12,1–3 EU), bzw. auf den Ibrahim des Koran, und seinen Gott beziehen.
Kabbala – Judentum
Die Kabbala (auch Kabbalah, hebräisch קַבָּלָה Qabbaláh), übersetzt „das Überlieferte“, ist in ihrem klassischen Verständnis eine kulturelle Ausdrucksform der mystischen Tradition des Judentums und bezeichnet sowohl bestimmte („kabbalistische“) überlieferte Lehren als auch bestimmte überlieferte Schriften. Sie steht in einer jahrhundertelangen mündlichen Überlieferung, deren Wurzeln sich in der Tora bzw. im Tanach, der Heiligen Schrift der jüdischen Religion, aber auch der frühen rabbinischen Literatur finden. Unabhängig von vielfältigen früheren Einflüssen entstand die klassische Kabbala Anfang des 13. Jahrhunderts in dem geographischen Raum der Provence und Okzitaniens mit dem Languedoc und Katalonien. Sie ist auch heute noch eine wichtige Strömung im Judentum.
Jiddisch (Eigenbezeichnung יידיש oder אידיש, wörtlich „jüdisch“), veraltet Jüdischdeutsch oder Judendeutsch genannt, ist eine annähernd tausend Jahre alte Sprache, die von aschkenasischen Juden in weiten Teilen Europas gesprochen und geschrieben wurde und von einem Teil ihrer Nachfahren bis heute gesprochen und geschrieben wird. Es ist eine aus dem Mittelhochdeutschen hervorgegangene westgermanische Sprache, die außer der hochdeutschen auch eine hebräisch–aramäische, eine romanische und eine slawische Komponente aufweist. Aus jüngerer Zeit stammen Einflüsse aus dem Neuhochdeutschen und je nach heutigem Wohnort der Sprecher auch solche aus dem Englischen, dem Iwrith und aus anderen Landessprachen. Jiddisch teilt sich in West- und Ostjiddisch. Letzteres besteht aus den Dialektverbänden Nordostjiddisch („litauisches Jiddisch“), Zentraljiddisch („polnisches Jiddisch“) und Südostjiddisch („ukrainisches Jiddisch“). Die jiddische Sprache hat sich im Mittelalter zunächst im Zuge der Ostsiedlung, später auch infolge der durch Verfolgung bedingten Migration der Juden vom deutschsprachigen Gebiet aus in Europa verbreitet, besonders nach Osteuropa, wo schließlich das Ostjiddische entstand. Mit den Auswanderungswellen von Millionen osteuropäischer Juden im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert breitete sie sich dann westwärts aus und gelangte in die neuen jüdischen Zentren in Amerika und Westeuropa, später auch nach Israel. Jiddisch war eine der drei jüdischen Sprachen der aschkenasischen Juden, neben dem weitestgehend der Schriftlichkeit vorbehaltenen Hebräisch und Aramäisch. Es wurde nicht nur als gesprochene, sondern auch als mit hebräischen Schriftzeichen geschriebene und gedruckte Alltagssprache verwendet. Eine ähnliche Rolle wie das Jiddische für die aschkenasischen Juden spielt für die sephardischen Juden das Judenspanisch. Während Westjiddisch bereits im 18. Jahrhundert auszusterben begann, blieb Ostjiddisch die Alltagssprache der Mehrheit der Juden in Osteuropa, bis im Holocaust die jüdischen Zentren Kontinentaleuropas vernichtet wurden. Heute wird Jiddisch noch von (oft betagten) Nachfahren osteuropäischer Juden, von sogenannten Jiddischisten, von Wissenschaftlern und ganz besonders von einer wachsenden Anzahl ultraorthodoxer aschkenasischer Juden gesprochen. Die Zahl der Muttersprachler wird weltweit auf 500.000 bis 670.000 geschätzt; unter Einbezug von Sekundärsprechern sind es deutlich mehr. Weil das Sprechen, Schreiben und kulturelle Schaffen auf Jiddisch seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert fast ausschließlich auf ostjiddischer Grundlage geschieht, versteht man heute unter Jiddisch faktisch Ostjiddisch, solange nicht ausdrücklich von Westjiddisch die Rede ist. In diesem Artikel steht folglich das Ostjiddische im Zentrum der Beschreibung.
Islam
Der Islam ist eine monotheistische Religion, die im frühen 7. Jahrhundert in Arabien durch den Mekkaner Mohammed gestiftet wurde. Mit über 2 Milliarden Angehörigen ist der Islam nach dem Christentum (ca. 2,5 Milliarden Angehörige) heute die Weltreligion mit der zweitgrößten Mitgliederzahl. Der Islam wird allgemein auch als abrahamitische, als prophetische Offenbarungsreligion und als Buch- oder Schriftreligion bezeichnet. Das arabische Wort Islām (islām / إسلام) ist ein Verbalsubstantiv zu dem arabischen Verb aslama („sich ergeben, sich hingeben“). Es bedeutet wörtlich das „Sich-Ergeben“ (in den Willen Gottes), „Sich-Unterwerfen“ (unter Gott), „Sich-Hingeben“ (an Gott), oft einfach mit Ergebung, Hingabe und Unterwerfung wiedergegeben. Die Bezeichnung für einen Angehörigen des Islam ist Muslim. Die Pluralform im Deutschen ist Moslems oder Muslime, Muslimas oder Musliminnen. Die zehn Länder mit dem größten Anteil an der muslimischen Weltbevölkerung sind Indonesien (12,9 %), Pakistan (11,1 %), Indien (10,3 %), Bangladesch (9,3 %), Ägypten und Nigeria (jeweils 5 %), Iran und Türkei (jeweils 4,7 %) sowie Algerien (2,2 %) und Marokko (ca. 2 %). In ihnen zusammengenommen leben mehr als zwei Drittel aller Muslime. Die wichtigste überstaatliche islamische Organisation ist die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) mit Sitz in Dschidda. Ihr gehören 56 Staaten an, in denen der Islam Staatsreligion, Religion der Bevölkerungsmehrheit oder Religion einer großen Minderheit ist. Teilweise muslimisch geprägte europäische Länder sind Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Nordmazedonien und die (geographisch nur teilweise in Europa liegende) Türkei. Viele weitere Länder haben muslimische Minderheiten. Die wichtigste textliche Grundlage des Islams ist der Koran (arabisch القرآن al-qurʾān ‚Lesung, Rezitation, Vortrag‘), der als die dem Propheten Mohammed offenbarte Rede Gottes gilt. Die zweite Grundlage bilden die Hadithe (arabisch حديث, DMG ḥadīṯ ‚Erzählung, Bericht, Mitteilung, Überlieferung‘) zur Sunna Mohammeds (Sunna, arabisch سنة ‚Brauch, gewohnte Handlungsweise, überlieferte Norm‘), der als der „Gesandte Gottes“ (Rasūl, arabisch رسول ‚Gesandter, Sendbote, Apostel‘) Vorbildcharakter für alle Muslime hat. Die sich aus diesen Texten ergebenden Normen werden in ihrer Gesamtheit als Scharia bezeichnet (شريعة / šarīʿa im Sinne von „Weg zur Tränke, Weg zur Wasserquelle, deutlicher, gebahnter Weg“; auch: „religiöses Gesetz“, „Ritus“).
Ein Muslim (arabisch مسلم muslim), früher meist (seit etwa 1990 seltener) Moslem oder umgangssprachlich veraltet Mohammedaner (eigentlich ein ‚Anhänger der Lehren Mohammeds‘), ist ein Angehöriger des Islams oder Kind muslimischer Eltern. Bei dem Wort Muslim handelt es sich um das Partizip Aktiv zum IV. Stamm von سلم salima ‚wohlbehalten sein, unversehrt sein‘ → أسلم aslama ‚sich hingeben, sich ergeben, sich unterwerfen‘: „Der sich (Gott) Ergebende“. Das im IV. Stamm ausgedrückte sich unterwerfen ist nicht im Sinne einer weltlichen Kapitulation zu verstehen, die mit dem X. Stamm ausgedrückt wird: استسلم istaslama ‚kapitulieren‘ → مستسلم mustaslim ‚der kapitulierende‘. Die explizit weibliche Form im Deutschen ist Muslimin, auch Moslemin. Seit den 1990er Jahren wird für die weibliche Form zunehmend auch das arabische Wort Muslima verwendet. Der weibliche Plural lautet Musliminnen oder Muslimas. Der Begriff Muselman, früher auch „Muselmann“ (vgl. auch persisch مسلمان, DMG mosalmān); gilt im Deutschen als historisch-literarisch bis veraltet. In mehreren anderen Sprachen, darunter auch solchen islamisch geprägter Länder, gehört er jedoch zum aktuellen Sprachgebrauch (z. B. französisch Musulman, türkisch Müslüman, persisch Mosalman).
Bonifatius
Bonifatius, Geburtsname Wynfreth (auch Wynfrith, Winfrid, Winfried; * um 673 in Crediton; † 5. Juni 754 oder 755 bei Dokkum in Friesland), war ein angelsächsischer Mönch. Er war einer der bekanntesten christlichen Missionare und der wichtigste Kirchenreformer im Frankenreich. Er war Missionserzbischof, päpstlicher Legat für Germanien, Bischof von Mainz, zuletzt Bischof von Utrecht sowie Gründer bzw. Auftraggeber mehrerer Klöster, darunter Fulda. Aufgrund seiner weitreichenden, mit fränkischer Unterstützung betriebenen Missionstätigkeit im damals noch überwiegend nicht-christlichen Germanien wird er seit dem 16. Jahrhundert von der katholischen Kirche als „Apostel der Deutschen“ verehrt. Bonifatius’ Mission und Reform in Mitteldeutschland und Bayern.
Merowinger
Die Merowinger (selten Merovinger) waren das älteste Königsgeschlecht der Franken von Mitte des 5. Jahrhunderts bis 751. Sie wurden vom Geschlecht der Karolinger abgelöst. Nach ihnen wird die historische Epoche des Übergangs von der Spätantike zum Frühmittelalter im gallisch–germanischen Raum Merowingerzeit genannt. Der fränkische Kleinkönig Childerich I. schuf die Grundlage, auf der sein Sohn und Nachfolger Chlodwig I. die erfolgreichste post-römische Reichsbildung im Westen betreiben konnte. Chlodwig gelang die Eroberung ganz Galliens, sein Übertritt zum katholischen Christentum vermied Konflikte, wie sie in den meisten anderen germanisch-romanischen Reichen der Völkerwanderungszeit zwischen den neuen germanischen Herren (die oft dem Arianismus anhingen) und der romanischen Mehrheitsbevölkerung üblich waren. Gleichzeitig bezogen die Merowinger die gallorömische Elite in ihre Herrschaft mit ein, die bis ins frühe 7. Jahrhundert noch relativ stark an spätantiken Mustern orientiert war. In der Folgezeit verfielen jedoch die entsprechenden Verwaltungsinstitutionen, ebenso sank das kulturelle Niveau. Es entwickelten sich aber auch neue Strukturen, die wegweisend für die nachfolgende Zeit waren, womit die Merowingerzeit eine entscheidende Rolle bei der Transformation West- und Mitteleuropas ins Mittelalter spielte. Unter Chlodwigs Nachfolgern kam es immer wieder zu Machtkämpfen, was die zentrale Königsgewalt empfindlich schwächte und es den adeligen Großen ermöglichte, eigene Ziele zu verfolgen. Im 7. Jahrhundert nahm so der Einfluss der Hausmeier derart zu, dass die letzten merowingischen Könige nur noch beschränkt eigenständig agieren konnten.
Karolinger
Karolinger ist der auf Karl Martell zurückgehende Hausname des Herrschergeschlechts der westgermanischen Franken, das ab 751 im Frankenreich die Königswürde innehatte. Sein berühmtester Vertreter war Karl der Große, von dem die späteren karolingischen Herrscher abstammten. Nach der Teilung des Karolingerreichs im Jahr 843 regierten die Karolinger im Ostfrankenreich bis zu ihrem dortigen Aussterben im Jahr 911, im Westfrankenreich mit zwei Unterbrechungen bis zum Dynastiewechsel von 987, der die Kapetinger an die Macht brachte. Im Herzogtum Niederlothringen herrschte noch bis ins frühe 11. Jahrhundert ein Seitenzweig der westfränkischen Karolinger. Mit diesem starb das Karolingergeschlecht im Mannesstamm aus (wenn man nur die nachfolgeberechtigten ehelichen Söhne berücksichtigt). Nicht thronfähige Nachkommen unehelicher Kinder der karolingischen Herrscher sowie Nachkommen Karls des Großen in weiblicher Linie existieren jedoch in großer Zahl.
Christentum
Das Christentum ist eine Weltreligion, die aus dem Judentum hervorging und sich ab dem 4. Jahrzehnt n. Chr. über Palästina hinaus ausbreitete. Ihre Anhänger werden Christen genannt, die Gesamtheit der Christen wird auch als die Christenheit bezeichnet. Von zentraler Bedeutung für das Christentum ist Jesus von Nazaret, ein jüdischer Wanderprediger, der etwa in den Jahren 28–30 n. Chr. auftrat und in Jerusalem hingerichtet wurde. Seine Jünger erkannten gemäß christlicher Vorstellung in ihm nach seiner Kreuzigung und Auferstehung den Sohn Gottes und den vom Judentum erwarteten Messias. In ihren Bekenntnissen nennen sie ihn Jesus Christus. Der Glaube an ihn ist in den Schriften des Neuen Testaments grundgelegt. Die weitaus meisten Christen glauben an einen Gott (Monotheismus) als eine Trinität, das heißt eine Wesenseinheit aus Vater, Sohn und Heiligem Geist. Daneben existieren innerhalb des Christentums kleinere antitrinitarische Gruppierungen. Die zahlreichen Konfessionen bzw. Kirchen innerhalb des Christentums lassen sich in fünf Hauptgruppen zusammenfassen: die römisch-katholische Kirche, die orthodoxen Kirchen, die protestantischen Kirchen, die anglikanischen Kirchen und die Pfingstbewegung. Mit rund 2,5 Milliarden (2022) Mitgliedern ist das Christentum vor dem Islam (2 Milliarden) und dem Hinduismus (1,2 Milliarden) die weltweit am weitesten verbreitete Religion.
Ordensgemeinschaft
Eine Ordensgemeinschaft (auch Orden, von lateinisch ordo ‚Ordnung, Stand‘) ist eine durch eine Ordensregel verfasste Lebensgemeinschaft von Männern oder Frauen (Ordensleuten), die sich durch die Profess (Gelübde) an ihre Lebensform binden und ein geistliches Leben in Gemeinschaft führen, zumeist in einem Kloster.
Ritterorden
Ein Ritterorden ist eine durch Ordensregeln verfasste Gemeinschaft von Rittern mit dem Hauptzweck einer ideellen oder karitativen Aufgabe. Das ursprüngliche Ideal lag im monachus et miles (Mönch und Ritter), der sich im Orden (lateinisch ordo ‚Ordnung, Stand‘) einem christlichen Zweck widmet. Die ersten Ritterorden waren geistliche Ordensgemeinschaften, die zum Schutz und Geleit der Pilger ins Heilige Land gegründet wurden. Ausgehend von diesen im Hochmittelalter gegründeten geistlichen Ritterorden entstanden im Spätmittelalter auf fürstliche Initiative hin weltliche Ritterorden wie zum Beispiel der burgundische Orden vom Goldenen Vlies. Diese waren mit der Dynastie verbunden, sollten deren Machtbasis verstärken beziehungsweise politisch vernetzen und bildeten einen Kern des sich entwickelnden Hofadels. Später wurden viele geistliche Ritterorden zu Trägern sozialer Einrichtungen, weltliche Ritterorden zu Verdienstorden.
Templerorden
Der Templerorden war ein geistlicher Ritterorden, der von 1118 bis 1312 bestand. Seine Mitglieder werden als Templer, Tempelritter oder Tempelherren bezeichnet. Sein voller Name lautete Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem (lateinisch: Pauperes commilitones Christi templique Salomonici Hierosolymitanis). Der Ritterorden wurde 1118 im Königreich Jerusalem gegründet. Er war der erste Orden, der die Ideale des adligen Rittertums mit denen des Mönchtums vereinte, zweier Stände, die bis dahin streng getrennt waren. In diesem Sinne war er der erste Ritterorden und während der Kreuzzüge eine militärische Eliteeinheit. Er unterstand direkt dem Papst. Auf Druck des französischen Königs Philipp IV. wurde der Orden nach einem langwierigen, aufsehenerregenden Prozess von Papst Clemens V. am 22. März 1312 aufgelöst; das beträchtliche Vermögen der Templer ging an die Johanniter. In der Folge gab es mehrere Organisationen, die sich entweder aus ehemaligen Templern rekrutierten (wie den Christusorden in Portugal) oder die sich auf das Erbe des Templerordens bezogen und teilweise noch aktiv sind.
Tempelgesellschaft
Die Tempelgesellschaft ist eine um 1850 im Königreich Württemberg entstandene christlich–chiliastische Religionsgemeinschaft. Ihre Siedlungen im heutigen Israel galten historisch in der Zeit ihres Bestehens als ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in der Region. Steinerne Zeugen sind bis heute unter anderem in den „Deutschen Siedlungen“ (German Colony) in Haifa, Tel Aviv und Jerusalem erhalten. Es gibt noch organisierte Templergemeinden in Deutschland und Australien.
Teutonic Knights – Teutonic Order
Die Teutonic Knights (auch Teutonic Order) ist eine katholische religiöse Institution, die um 1190 in Akkon, Königreich Jerusalem, als militärische Gesellschaft gegründet wurde. Der Orden der Brüder vom Deutschen Haus St. Marien in Jerusalem wurde gegründet, um Christen auf ihren Pilgerreisen ins Heilige Land zu unterstützen und Hospitäler zu errichten. Seine Mitglieder sind allgemein als Deutsche Ritter bekannt, da sie historisch als Kreuzritterorden dienten und die katholische Herrschaft im Heiligen Land und bei den Nordischen Kreuzzügen im Mittelalter unterstützten sowie Katholiken in Osteuropa militärischen Schutz gewährten. Seit 1810 ist der Deutsche Orden rein religiös, verleiht aber weiterhin in begrenztem Umfang Ehrenritterwürden. Die Vogtei Utrecht des Deutschen Ordens, ein protestantischer Ritterorden, geht auf denselben mittelalterlichen Militärorden zurück und verleiht ebenfalls weiterhin Ritterwürden und leistet karitative Arbeit.
Deutscher Orden
Der Deutsche Orden, auch Deutschherrenorden, Deutschritterorden oder Deutschorden (lateinisch Ordo Teutonicus) genannt, ist eine römisch-katholische Ordensgemeinschaft. Mit dem Malteserorden steht er in der (Rechts-)Nachfolge der Ritterorden aus der Zeit der Kreuzzüge. Die Mitglieder des Ordens sind seit der Reform der Ordensregel 1929 regulierte Chorherren. Der Orden hat rund 1100 Mitglieder, darunter 75 Priester und etwa 62 Ordensschwestern, die sich vorwiegend karitativen Aufgaben widmen. Der Hauptsitz befindet sich heute in Wien. Der vollständige Name lautet Orden der Brüder vom Deutschen Hospital Sankt Mariens in Jerusalem, lateinisch Ordo fratrum domus hospitalis Sanctae Mariae Teutonicorum Ierosolimitanorum. Aus der lateinischen Kurzbezeichnung Ordo Theutonicorum bzw. Ordo Teutonicus leitet sich das Ordenskürzel OT ab. Die Ursprünge des Ordens liegen in einem Feldhospital bremischer und lübischer Kaufleute während des Dritten Kreuzzuges um 1190 im Heiligen Land bei der Belagerung von Akkon. Papst Innozenz III. bestätigte am 19. Februar 1199 die Umwandlung der Spitalgemeinschaft in einen Ritterorden und die Verleihung der Johanniter- und Templerregel für die Brüder vom Deutschen Haus St. Mariens in Jerusalem. Nach der Erhebung der Spitalgemeinschaft zum geistlichen Ritterorden engagierten sich die Mitglieder der ursprünglich karitativen Gemeinschaft im Heiligen Römischen Reich während des 13. Jahrhunderts im Heiligen Land, dem Mittelmeerraum sowie in Siebenbürgen. Sie beteiligten sich auch an der deutschen Ostkolonisation und gründetem einige Niederlassungen mit mehr oder weniger langem Bestehen. Eine zentrale Rolle spielte ab dem Ende des 13. Jahrhunderts der im Baltikum begründete Deutschordensstaat. Er umfasste am Ende des 14. Jahrhunderts ein Gebiet von rund 200.000 Quadratkilometern. Die Unterwerfung der Prußen ging über in die Kriege gegen die Litauer (einschließlich Schamaiten). Solange dort Heiden regierten, galten die Litauerkriege des Deutschen Ordens als heilige Kriege, und der Orden erhielt Unterstützung durch Kriegsfreiwillige und materielle Zuwendungen aus dem Heiligen Römischen Reich und anderen Ländern Europas. Nach der Konversion der litauischen Oberschicht zum Katholizismus seit 1386 brach diese Legitimation zusammen, und die Unterstützung versiegte. In der schweren militärischen Niederlage bei Tannenberg im Sommer 1410 gegen die Polnisch-Litauische Union und dem langwierigen Konflikt mit den preußischen Ständen in der Mitte des 15. Jahrhunderts manifestierte sich der um 1400 einsetzende Niedergang sowohl des Ordens als auch seines Staatswesens. Infolge der Säkularisation des verbliebenen Ordensstaates im Zuge der Reformation im Jahre 1525 und seiner Umwandlung in ein weltliches Herzogtum übte der Orden in Preußen und nach 1561 in Livland keinen nennenswerten Einfluss mehr aus. Er bestand jedoch im Heiligen Römischen Reich mit erheblichem Grundbesitz fort, vor allem in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz. Nach linksrheinischen Gebietsverlusten im späten 18. Jahrhundert infolge der Koalitionskriege und nach der Säkularisation in den Rheinbundstaaten zu Beginn des 19. Jahrhunderts blieben nur noch die Besitzungen im Kaisertum Österreich. Mit dem Zerfall der Habsburgermonarchie und dem österreichischen Adelsaufhebungsgesetz nach dem Ersten Weltkrieg vom April 1919 ging neben dem Verlust erheblicher Besitztümer auch die ritterliche Komponente in der Ordensstruktur verloren. Seit 1929 wird der Orden von Ordenspriestern geleitet und somit nach kanonischem Recht in der Form eines klerikalen Ordens geführt. Die geschichtswissenschaftliche Rezeption befasste sich im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zumeist nur mit der Präsenz des damaligen Ritterordens im Baltikum – der Deutschordensstaat wurde mit dem Orden selbst gleichgesetzt. Erforschung und Interpretation der Ordensgeschichte waren dabei in Deutschland, Polen und Russland extrem unterschiedlich, stark national oder sogar nationalistisch geprägt. Eine methodische Aufarbeitung von Geschichte und Strukturen des Ordens setzte international erst nach 1945 ein.
Deutschordensstaat
Der Deutschordensstaat oder Staat des Deutschen Ordens war das Territorium des Deutschen Ordens in der Zeit von 1230 bis 1561. Der Staat umfasste im Kern etwa das Gebiet Alt-Preußens (das spätere Ostpreußen einschließlich dem späteren Regierungsbezirk Westpreußen) und das Kulmerland zwischen Weichsel und Memel, 1308–1466 auch das Gebiet Pommerellens westlich der Weichsel, sowie 1237–1561 als eigenständiges Meistertum Livland im Baltikum etwa das heutige Estland und Lettland. Auch die Balleien im Heiligen Römischen Reich, die dem Hochmeister direkt unterstellt waren, können dem Ordensstaat zugerechnet werden. Im Gegensatz zu den gescheiterten Versuchen der anderen großen Ritterorden, dauerhaft und staatstragend oder staatsbildend im Heiligen Land Fuß zu fassen, schlug der relativ spät gegründete Deutsche Orden einen anderen Weg ein. In seinen Intentionen und Handlungen zunächst vollständig in der Tradition der Templer und Johanniter stehend, begann sein eigentlicher Aufstieg erst mit dem Niedergang der Kreuzfahrerstaaten. Durch frühzeitige Verlagerung seines Handlungsschwerpunktes nach Nordosteuropa wuchs dem Orden bei der Christianisierung und Kolonisierung dieses Raumes eine Hauptrolle zu. Unter Führung des Ordens wurde ein aus heutiger Sicht im Vergleich zu zeitgenössischen Territorialstaatsbildungen modern anmutendes Staatswesen errichtet.[1] Dessen kulturelle und zivilisatorische Errungenschaften wirkten sich mittelbar bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts aus und bildeten eine der Grundlagen des späteren Staates Preußen. Der Ordensstaat selbst stellte keine vollständig neuartige staatliche Struktur dar, sondern ähnelte in seiner Organisation einer klösterlichen Gemeinschaft größeren Ausmaßes. Ergänzt wurde dies durch die Erfahrungen des in Syrien und Palästina ausgeprägten Beamtenapparates. Hinzu kam die Nutzung administrativer Erfahrungen aus dem normannischen Königreich Sizilien.
Campo Santo Teutonico
Campo Santo Teutonico (offiziell Campo Santo dei Teutonici e dei Fiamminghi – Friedhof der Deutschen und der Flamen, auch Camposanto Teutonico geschrieben) heißen der „deutsche Friedhof“ und die zugehörigen Gebäude in Rom. Obwohl der Friedhof der einzige innerhalb der Mauern der Vatikanstadt ist und direkt neben dem Petersdom liegt, gehört er nicht zum vatikanischen, sondern zum italienischen Staatsgebiet. Der Zugang ist jedoch nur über vatikanisches Territorium möglich. Durch die Lateranverträge von 1929 wurde das Gelände ein exterritoriales Gebiet des Heiligen Stuhls. Neben dem vollständig von Mauern umschlossenen Gräberfeld befinden sich auf dem Gelände die Kirche Santa Maria della Pietà, Sitz der Erzbruderschaft zur schmerzenhaften Muttergottes (Mater Dolorosa) der Deutschen und Flamen, die Eigentümerin des Campo Santo Teutonico ist, sowie das deutschsprachige Priesterkolleg Päpstliches Deutsches Priesterkolleg beim Campo Santo Teutonico und das Römische Institut der Görres-Gesellschaft. Wegen seiner historischen Wurzeln schließt der Begriff „Teutonico“ nicht nur die heutigen Deutschen (italienisch tedeschi, Singular tedesco) ein, sondern alle, die im historischen deutschsprachigen Kulturraum leben, also auch Österreicher, Südtiroler, Elsässer, Deutschschweizer, Liechtensteiner, Luxemburger und deutschsprachige Belgier; „Fiamminghi“ umfasst die Flamen und Niederländer.
Der Deutsche Friedhof (english: Teutonic Cemetery) ist eine Begräbnisstätte in Rom, unweit des Petersdoms. Die Bestattung ist Mitgliedern der Bruderschaft Unserer Lieben Frau vom Deutschen Friedhof vorbehalten, der der Friedhof gehört. Er ist ein Wallfahrtsort für viele deutschsprachige Pilger. Der Friedhof liegt vollständig außerhalb der Grenzen des Vatikans. Er ist exterritoriales Eigentum des Heiligen Stuhls gemäß den Lateranverträgen von 1929.
Orden der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem
Der Orden der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem (lateinisch Ordo Equestris Sancti Sepulcri Hierosolymitani, Ordenskürzel OESSH, auch als Grabesritter bekannt) ist neben dem Malteserorden einer der zwei Päpstlichen Ritterorden.
Kreuzzug
Die Kreuzzüge waren von der lateinischen Kirche sanktionierte, strategisch, religiös und wirtschaftlich motivierte Kriege zwischen 1095/99 und dem 13. Jahrhundert. In diesem engeren Sinne bezeichnet der Begriff die Orientkreuzzüge, die sich gegen die muslimischen Staaten im Nahen Osten richteten. Im 13. Jahrhundert wurde der Begriff für Kreuzzüge (wie peregrinatio) auch auf andere militärische Aktionen ausgeweitet, deren Ziel nicht das Heilige Land war (crux cismarina). In diesem erweiterten Sinne werden auch die Feldzüge gegen nicht christianisierte Völker wie Wenden, Finnen, Balten und Esten, gegen Ketzer wie die Albigenser, Hussiten und gegen die Ostkirche dazu gezählt. Vereinzelt haben Päpste sogar zu Kreuzzügen gegen christliche politische Gegner aufgerufen. Nachdem ein Kreuzfahrerheer 1099 Jerusalem erobert hatte, wurden in der Levante insgesamt vier Kreuzfahrerstaaten gegründet. Infolge ihrer Bedrohung durch die muslimischen Anrainerstaaten wurden weitere Kreuzzüge durchgeführt, denen meistens kaum ein Erfolg beschieden war. Das Königreich Jerusalem erlitt 1187 in der Schlacht bei Hattin eine schwere Niederlage, auch Jerusalem ging wieder verloren. Mit Akkon fiel 1291 die letzte Kreuzfahrerfestung in Outremer. Der Begriff „Kreuzzug“ geht zurück auf die Befestigung eines Kreuzzeichens an der Kleidung derer, die den Kreuzfahrereid ablegten. In den zeitgenössischen Quellen waren hingegen andere Bezeichnungen verbreitet, vor allem expeditio, iter und peregrinatio (wie sich Teilnehmer oft auch als peregrini bezeichneten und damit das Motiv einer bewaffneten Pilgerfahrt betonten). Der französische Begriff croisade stammt aus dem 15. Jahrhundert (okzitanisch crozada um 1213), die deutsche Übersetzung „Kreuzzug“ ist modern.
Kreuzfahrerstaaten
Die Kreuzfahrerstaaten im engeren Sinne sind die als Ergebnis des Ersten Kreuzzugs in Palästina und Syrien errichteten vier Staaten:
- das Königreich Jerusalem mit seinen Vasallen,
- das Fürstentum Antiochia,
- die Grafschaft Edessa und
- die Grafschaft Tripolis.
Die ständigen Kriege zwischen den islamischen Mächten ermöglichten es den Kreuzfahrern, das Küstenland an der Levante zu besetzen und für den Nachschub offen zu halten. Das Land wurde auch als Outremer (von altfranzösisch outre mer, oltre mer, jenseits des Meeres‘ bzw. ‚Übersee‘) bezeichnet. Diese Bezeichnung ist insofern passender, als schon nach kurzer Zeit nur wenige der eingewanderten Westeuropäer Kreuzfahrer im eigentlichen Sinn waren. Die in den zeitgenössischen Quellen als Franken bezeichneten Westeuropäer, die sich nach dem Ersten Kreuzzug in der Region ansiedelten, stellten dabei eine privilegierte Minderheit dar, während die Mehrheit der Bevölkerung nicht-katholische Christen, Juden und Muslime umfasste. Obwohl Syrisch, Armenisch und Griechisch in den jeweiligen Teilen der Region verbreitet war, wurde als Verkehrssprache von der einheimischen Bevölkerung Arabisch benutzt. Die „fränkischen“ Siedler sprachen weitgehend Französisch – in der Grafschaft Tripolis vorwiegend Okzitanisch. Kirchen- und Verwaltungssprache der „lateinischen“ Elite war auch oft Latein, welches spätestens seit Untergang des Weströmischen Reiches in der Region kaum mehr gesprochen worden war.
Kirche in den Kreuzfahrerstaaten
Kirche in den Kreuzfahrerstaaten. Gemeinsam mit den Kreuzfahrern kamen auch Geistliche ins Heilige Land. Bischöfe, Kanoniker, einfache Priester und Mönche begleiteten das Heer als Seelsorger. Während die Einen wieder in ihr Heimatland zurückkehrten, blieben andere im Land. Sie bildeten den Boden der lateinischen Kirche der Kreuzfahrerstaaten.
Mönchtum
Das Mönchtum ist die Gesamtheit der von Mönchen und Nonnen praktizierten geistlich geprägten Lebensformen. Das Mönchtum kann definiert werden als Absonderung von der Form der Religionsausübung, die für die Mehrheit der Mitglieder einer Glaubensgemeinschaft typisch ist, und Übernahme eines durch Askese und Gebet geprägten Lebensstils. Das Mönchtum existiert in verschiedenen Religionen, so vor allem im Buddhismus und im Christentum, ferner im Hinduismus und im Daoismus. Die Ziele eines monastischen (mönchischen) Lebens können variieren: religiöse Vollkommenheit, mystisches Streben nach der diesseitigen Vereinigung mit der Gottheit, Erreichen der vollkommenen inneren Leere mit der unmittelbaren Erfahrung einer göttlichen transzendenten Realität, die die gewöhnliche Erkenntnisfähigkeit des Menschen übersteigt.
Klosterfrau ‘Nonne‘
Als Nonne bezeichnet man ein weibliches Mitglied (eine Ordensfrau, als weibliches Mitglied klösterlicher Genossenschaft auch Klosterfrau genannt) monastischer christlicher Ordensgemeinschaften sowie eines buddhistischer Ordens.
Deutschen Christen
Die Deutschen Christen (DC) waren eine rassistische, antisemitische und am Führerprinzip orientierte Strömung im deutschen Protestantismus, die diesen von 1932 bis 1945 an die Ideologie des Nationalsozialismus angleichen wollte. Sie wurde 1931 als eigene Kirchenpartei in Thüringen gegründet und gewann 1933 die Leitung einiger Landeskirchen in der Deutschen Evangelischen Kirche (DEK). Mit ihrer Gleichschaltungspolitik und dem Versuch, durch die Übernahme des Arierparagraphen in die Kirchenverfassung Christen jüdischer Herkunft als Judenchristen auszuschließen, löste sie den Kirchenkampf mit anderen evangelischen Christen aus. Diese gründeten daraufhin im Mai 1934 die Bekennende Kirche, die die Deutschen Christen als Häretiker betrachtete und aus der Kirchengemeinschaft ausschloss.
Deutscher Orden der NSDAP. Der Deutsche Orden zählt zur Gruppe der Ehrenzeichen der NSDAP. Er war ab 1943 die höchste Auszeichnung des nationalsozialistischen Deutschen Reiches. Das Abzeichen zählt in Deutschland zu den verfassungsfeindlichen Propagandamitteln. Sein Herstellen, öffentliches Tragen oder Verbreiten ist in der Bundesrepublik verboten.
Mennoniten
Mennoniten sind eine evangelische Freikirche, die auf die Täuferbewegungen der Reformationszeit zurückgeht. Der Name leitet sich von dem aus Friesland stammenden Theologen Menno Simons (1496–1561) ab. Verfolgungen und rechtliche Beschränkungen in Europa führten vor allem zwischen etwa 1715 und 1815 zur Auswanderung von Mennoniten und anderen Täufern nach Osteuropa und Nordamerika. Trotz der Verfolgungen hat sich die Freikirche in Mitteleuropa durchgehend halten können. In den Medien gibt es immer wieder Berichte über Mennoniten in Nord- oder Südamerika, die einen sehr konservativen bis weltabgewandten Lebensstil pflegen und die in der Regel einen deutschen Hintergrund haben. Diese Gruppen stellen jedoch nur einen kleinen Ausschnitt aus dem mennonitischen Spektrum dar, in dem es auch viele modernere, angepasstere und liberalere Gemeinschaften sowie viele andere ethnische Zugehörigkeiten gibt. Mennoniten sind weltweit verbreitet, geographische Schwerpunkte liegen in bestimmten Regionen Afrikas, Nordamerikas, Lateinamerikas und Asiens. Während in Europa die Mitgliederzahlen rückläufig sind, steigen sie in den anderen Teilen der Welt.
Rosenkreuzer
Rosenkreuzer, früher Rosencreutzer, ist die Bezeichnung verschiedener spiritueller Gemeinschaften. Sie sind nach dem literarischen Charakter Christian Rosencreutz benannt.
Neutempler-Orden
Der Neutempler-Orden oder lateinisch Ordo Novi Templi (kurz ONT) war eine völkisch-religiöse Organisation. Sie wurde 1900 von Jörg Lanz von Liebenfels in Wien gegründet. Lanz nutzte diesen Orden, um seine Ideen, die er zunächst als „Theozoologie“ oder „Ario-Christentum“ und ab 1915 als „Ariosophie“ bezeichnete, zu verbreiten. Der Orden verband esoterische Frömmigkeit mit damals modernen Begriffen der Rassenkunde und der Eugenik.
Die Ariosophie ist eine gnostisch–dualistische, esoterische Ideologie auf antisemitisch–rassistischer Grundlage, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Österreich und in Deutschland Anhänger fand. Die Bezeichnung wurde 1915 von Jörg Lanz von Liebenfels geprägt, der seine Lehre bis dahin als Theozoologie verbreitet hatte. Ein weiterer wichtiger Inspirator war Guido von List, dessen Ansichten unter den Bezeichnungen Wotanismus und Armanismus bekannt wurden. Ariosophische Autoren verbanden Vorstellungen einer Überlegenheit der „arischen Rasse“ und Forderungen einer Reinerhaltung bzw. Züchtung dieser vermeintlichen Rasse mit Elementen der Astrologie, der Zahlensymbolik, der Kabbala, der Graphologie und der Handlesekunst. Die wichtigste ariosophische Organisation war der von Lanz gegründete Neutempler-Orden, der geschätzte 350 bis 400 Mitglieder hatte.
..,-