Lehm, Ton und Feuerstein in der Niederländischen Region Limburg
Die Region Limburg in den Niederlanden ist geologisch und historisch bedeutend für ihre Vorkommen von Lehm, Ton und Feuerstein, insbesondere im Süden der Provinz. Diese Materialien haben die Landschaft und die Besiedlungsgeschichte seit Jahrtausenden geprägt. Im niederländischen Limburg, besonders bei Rijckholt, wurden bereits vor über 5000 Jahren Feuersteinbergwerke betrieben. Dieser Feuerstein war ein wichtiges Rohmaterial für bandkeramische Schuhleistenkeile. Der Boden im Süden Limburgs besteht oft aus einer Mischung aus Mergel, Ton, Schluff und Lehm.
Lehm (von mittelhochdeutsch leim, wie „Leim“, von mittelhochdeutsch līm, zu einer indogermanischen Wurzel *lei-, „schleimig, glitschiger Boden, über etwas hinstreichen“, gehörig) ist eine Mischung aus Sand (Korngröße > 63 µm), Schluff (Korngröße > 2 µm) und Ton (Korngröße < 2 µm). Er entsteht entweder durch Verwitterung aus Fest- oder Lockergesteinen oder durch die unsortierte Ablagerung der genannten Bestandteile. Unterschieden werden je nach Entstehung Berglehm, Gehängelehm, Geschiebelehm (Gletscher), Lösslehm (Löss) und Auenlehm (aus Flussablagerungen). Lehm ist weit verbreitet und leicht verfügbar, er stellt (gebrannt oder ungebrannt) einen der ältesten Baustoffe dar.
Ton (von frühneuhochdeutsch tahen, than für ‚Tonerde, Lehm‘) ist ein natürlich vorkommendes, vorwiegend anorganisches Material, das hauptsächlich aus Tonmineralen besteht, bei ausreichenden Wassergehalten generell plastisch verformbar ist und spröde wird, wenn es getrocknet oder gebrannt wird. Obwohl Ton in der Regel Schichtsilikate enthält, kann er andere Materialien enthalten, die ihm Plastizität verleihen und aushärten, wenn sie getrocknet oder gebrannt werden. Als assoziierte Phasen kann Ton Materialien enthalten, die ihm keine Plastizität verleihen, z. B. Quarz, Calcit, Dolomit, Feldspat sowie organische Stoffe. Anders als frühere Definitionen legt diese Definition der AIPEA (Association Internationale Pour L’Etude Des Argiles) und der CMS (Clay Minerals Society) keine exakte Korngröße der Tonbestandteile fest, da verschiedene Disziplinen hier eigene Festlegungen getroffen haben. Als Tonpartikel gelten in den Geowissenschaften, entsprechend der Norm EN ISO 14688, Partikel < 2 µm (teilweise auch < 4 µm) und in der Kolloidchemie < 1 µm. Nicht zu den Tonen zählen künstlich hergestellte Materialien mit Toneigenschaften sowie Materialien mit vorwiegend organischen Bestandteilen wie Torf und einige Böden, auch wenn diese ebenso wie Ton plastische Eigenschaften aufweisen und natürlichen Ursprungs sind.
Feuerstein, auch Flint oder Silex, ist ein Kieselgestein und besteht nahezu ausschließlich aus Siliciumdioxid (SiO2). Das Siliciumdioxid liegt hierbei in Form von sehr feinkörnigem (mikrokristallinem) Quarz (Chalcedon) und Mogánit oder in Form von Opal vor. Hinzu kommen akzessorische Minerale, zum Beispiel Hämatit, die dem Gestein eine bestimmte Farbe verleihen können. Bevorzugt werden solche Bildungen als „Feuerstein“ bezeichnet, die diagenetisch in feinkörnigen marinen Kalksteinen entstanden sind. Der Name „Feuerstein“ verweist auf seine historische Bedeutung für das Feuermachen. Die „Feuersteine“, die in modernen Feuerzeugen eingesetzt werden, sind allerdings aus einer Metalllegierung (Cer-Eisen, siehe Auermetall), werden Zündsteine genannt und zerspant. Daneben werden in Feuerzeugen Piezokristalle angeschlagen, um elektrische Funken zu erzeugen. Als Feuerstein im engeren Sinne gelten jedoch nur diagenetische SiO2-Aggregate, die Ablagerungen des untersten Tertiär (Danium) und der Oberkreide entstammen. Typische Fundplätze sind u. a. die Ostseeküste (Baltischer Feuerstein), die Kreidefelsen von Rügen, die Maastrichter Region und die Burgunder Region. Diagenetische SiO2-Aggregate aus älteren Ablagerungen (in Mitteleuropa insbesondere aus dem Jura, Keuper, Muschelkalk und Zechstein) werden als Hornsteine bezeichnet.
Die Region Limburg war in dieser Zeit (5.-6. Jh.) ein stark umkämpftes Gebiet zwischen abziehenden Römern, einfallenden Hunnen und nachrückenden germanischen Stämmen wie den Ripuarischen Franken ‘Rheinuferfranken‘.
Trichterbecherkultur
Die Trichterbecherkultur oder Trichterrandbecherkultur (Abkürzung: TBK, TRB); (englisch Funnelbeaker culture oder Funnelneckbeaker culture, Abkürzung FBC) ist eine archäologische Kultur der Jungsteinzeit (etwa 4200–2800 v. Chr.). Im nördlichen Mitteleuropa, im mittleren Osteuropa, in Dänemark und Südskandinavien ist sie die erste vom Ackerbau geprägte Kultur des nordischen Frühneolithikums. Sie folgt im Norden der mesolithischen Ertebølle-Kultur (5100–4100 v. Chr.), im übrigen Verbreitungsgebiet den bereits bäuerlichen Kulturen der Bandkeramik und der Rössener Kultur. Die Bezeichnung Trichterbecherkultur wurde 1910 von Gustaf Kossinna nach dem typischen Becher mit Trichterrand eingeführt. Einen ersten Gliederungsvorschlag der Trichterbecherkultur unterbreitete erstmals 1932 der polnische Archäologe Konrad Jażdżewski (1908–1985).
Kelten
Als Kelten (altgriechisch Κελτοί Keltoí oder Γαλάται Galátai, lateinisch Celtae oder Galli) bezeichnet man seit der Antike Volksgruppen der um 1000 v. Chr. einsetzenden Eisenzeit in Europa. Archäologische Funde zeugen von einer ausgeprägten Kultur und hochentwickelten sozialen Struktur dieser Volksstämme.
Die Liste keltischer Stämme ist eine Auflistung der durch die antiken Autoren, die archäologischen Funde und die neuzeitliche Keltologie namentlich bekannten Stammesgruppen der Kelten. Die Kelten waren kein einheitliches Volk, sondern eine Gruppe von in Sprache, Religion, Mythologie sowie Kunst und Kultur, nicht unbedingt aber in genetischer Hinsicht verwandten Völkerschaften. Die Haupteinteilung der keltischen Völker unterscheidet zwischen Festlandkelten und Inselkelten. Neben dieser Einteilung gab es bei den antiken Kelten zudem die Gliederung in größere Stammesgruppen oder Stammesbünde sowie in kleinere Teilstämme (Gaue) und Klientelstämme.
Ubier ‘Kölsche‘ alias ‘Krömche‘
Die Ubier (lateinisch Ubii) waren nach Cäsar, der den Rhein als Kulturgrenze zwischen Kelten und Germanen betrachtete, ein westgermanisches Volk, das Caesar als bereits zivilisiert beschrieb. Demgegenüber werden die Ubier als Bewohner der sogenannten Übergangs- oder Kontaktzone zwischen Germanen und Kelten heute auch als Mischbevölkerung betrachtet.
Eburonen ‘Öcher‘
Die Eburonen (lat. Eburones) waren ein wahrscheinlich keltischer Volksstamm, der in den Jahren 53 und 51 v. Chr. durch Cäsars Truppen weitgehend vernichtet wurde. Gaius Iulius Caesar zählt die Eburonen zwar zu den vier cisrhenanischen (linksrheinischen) Germanenstämmen, aber die Stammesbezeichnung (nach keltisch eburo „Eibe“), die überlieferten Personen- und Ortsnamen (Ambiorix, Aduatuca) sowie der archäologische Befund, der der keltischen Spätlatène-Kultur zuzurechnen ist, sprechen für die Zugehörigkeit zu den Kelten. Vielleicht waren die Eburonen eine Konföderation zweier verwandter Stammesverbände, die jeweils durch Könige repräsentiert wurden. Die Eburonen hatten einen eigenen Dialekt und eine eigene Tracht.
Sunuker ‘Völser‘
Die Sunuker oder Sunuci sind ein westgermanischer Stamm mit stark keltisierter Führungsschicht, dessen Siedlungsgebiet im 1. und 2. Jahrhundert im heutigen Rheinland zwischen Aachen und Jülich lag. Ihre Stammesgöttin ist Sunuxal. Da sich fast alle Inschriften ihrer Stammensgöttin im Gebiet der Ubier befinden, wird vermutet, dass die Ubier die Nachfolger der Sunuker oder dass die Sunuker ein abgespaltener Stamm der Ubier sind. Der römische Offizier Plinius der Ältere erwähnt in seiner “Naturalis historia” die Sunuker als Verbündete der Tungrer im Belgerland. Im Geschichtswerk Tacitus’ kommen sie kurz bei der Schilderung des Bataveraufstands 69 und 70 n. Chr. vor. Die letzte Erwähnung stammt aus der Zeit Kaiser Hadrians (117–138) als Kohorte unter dem Oberbefehl des Cantifanus, Sohn des Albanus: Coh. I. Sun(u)cor – ex pedite C(a)ntifani, Albani (filii), (Su)nuco.
Sunuxsal oder Sunucsal ist der Name einer westgermanischen Gottheit. Sie gilt als Stammesgöttin der Sunuker.
Keltischer Kopfkult
Keltischer Kopfkult, auch Schädelmystik oder Schädelfaszination, nennen die Keltologen den Kult der Kelten um die têtes coupées (französisch: „Abgeschnittene Köpfe“) bzw. severed heads (englisch), wie diese Artefakte von den Archäologen bezeichnet werden. Es handelt sich um ein Kopfjagd-Ritual, das auf mystischen Vorstellungen beruht.
Keltische Kriegführung
Keltische Kriegführung bezeichnet die Art und Weise, in welcher die Angehörigen der Volksgruppe der Kelten ihre kriegerischen Konflikte austrugen. Sie umfasst sowohl die Bewaffnung und das praktische Kriegshandwerk als auch dessen Methoden, Taktik und Strategie.
Keltologie
Die Keltologie ist eine Wissenschaft, die sich mit der Geschichte, den Sprachen und Literaturen sowie der Kultur keltischer Völker und ihrer Nachfahren von der Hallstattzeit bis zur Gegenwart beschäftigt. Dazu gehört auch das Studium der noch heute in Irland, Schottland, Wales und der Bretagne gesprochenen keltischen Sprachen. Keltistik ist ein anderer Begriff für das Fach Keltologie. Er war im 19. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum gebräuchlich, wird heute jedoch kaum noch verwendet. Als Keltikum (früher: Celticum, Plural: Celtica) bezeichnet man ein literarisches oder künstlerisches Werk mit keltischem Bezug. Der Fachbegriff Keltizität (englisch celticity) will einen keltischen Ursprung besonders hervorheben. Die Keltologen heißen auch Keltisten.
Keltomanie
Als Keltomanie, seltener Keltenideologie, wird in der Fachliteratur die Vereinnahmung keltischer Kultur und Mythologie für weltanschauliche oder politische Zwecke bezeichnet. Der Begriff wurde im 18. und 19. Jahrhundert – und hier mit dem Schwerpunkt Frankreich – im Besonderen für eine verklärende Sicht auf die Kelten geprägt. Damals und auch später fand er eine undifferenzierte Anwendung auf Theorien zur geographischen Ausdehnung des Keltengebietes, den kulturhistorischen Einfluss bis in die neueste Zeit sowie die großzügige Zuordnung archäologischer Funde an die keltische Kultur. Dies wurde als Nachweis für eine direkte keltische Tradition und Identität von der vorchristlichen Vergangenheit bis in die Gegenwart heutiger Völker und Staaten benutzt.
Hunnen
Hunnen ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe zentralasiatischer Reitervölker mit nomadischer, später halbnomadischer Lebensweise. Ihre genaue Herkunft und Ethnizität ist in der modernen Forschung umstritten. Die wenigen Sprachüberreste erlauben keine präzise Zuordnung: Einige Forscher gehen davon aus, dass die Hunnen eine Turksprache oder eine andere altaische Sprache sprachen. Andere Forscher gehen von einer heute ausgestorbenen Sprache aus bzw. bezweifeln die Möglichkeit einer exakten Zuordnung. Eine Studie aus dem Jahr 2025 favorisiert die Zugehörigkeit zu einer heute ausgestorbenen paläosibirischen Sprache. Ebenso ist unsicher, ob der Begriff Hunnen eine klar umrissene Gruppe von Stämmen bezeichnete. In der modernen Forschung wird vielmehr oft angenommen, dass es sich bei der Bezeichnung Hunnen um einen in der eurasischen Steppenregion verbreiteten Prestigenamen für ansonsten heterogen zusammengesetzte Gruppen nomadischer Reiterkrieger handelte. In diesem Sinne wurde der Begriff Hunne von einigen oströmischen Geschichtsschreibern als ethnographischer Begriff für ganz verschiedene später auftauchende Reitervölker aus dem eurasischen Steppenraum benutzt. Fest steht nur, dass die in spätantiken Quellen als „Hunnen“ bezeichneten Stämme um die Mitte des 4. Jahrhunderts im Raum zwischen den Flüssen Don und Wolga lebten und schließlich nach Westen vorstießen, wobei sie nicht unter einheitlicher Führung agierten. Sie fielen ab 375/76 mit dort unbekannter Reiterkampftechnik in Europa ein (siehe Völkerwanderung) und spielten in der spätantiken Geschichte noch bis ins späte 5. Jahrhundert eine bedeutende Rolle. Im frühen 5. Jahrhundert errichteten sie an der Donau ein Steppenreich zwischen West- und Ostrom. Unter Attila erreichte ihre Macht den Höhepunkt, wobei die Hunnen allerdings ökonomisch stets auf erzwungene römische Tributleistungen angewiesen waren. Nach Attilas Tod 453 und dem Zerfall seines Reichs zerstreuten sich die Hunnen wieder weitgehend; hunnische Hilfstruppen in oströmischen Diensten und als hunnisch bezeichnete Gruppen im nördlichen Schwarzmeerraum sind jedoch noch im 6. Jahrhundert belegt.
Hüne
Ein Hüne (Plural: Hünen) ist ein übermenschlich großes und starkes Wesen, ein Riese. Im übertragenen Sinne wird der Begriff auch oft für einen groß gewachsenen und athletischen Mann verwendet. Hüne lässt sich auf das mittelhochdeutsche hiune und das niederdeutsche hûne mit der Bedeutung Riese zurückführen. In diesem Sinne geht unter anderem auch die Bezeichnung des Hünengrabs der Megalithkulturen auf die Vorstellung zurück, es handele sich dabei um ein „Grab für Riesen“.
Hügel ‘Heuvel‘
Ein Hügel oder eine Anhöhe ist eine natürlich entstandene oder anthropogen geschaffene, wenig gegliederte Landform, die sich freistehend über ihre Umgebung erhebt und sich durch ihre geringere Höhe und Flächenausdehnung vom Berg unterscheidet. Ein Hügel ist normalerweise nicht wesentlich länger als breit, sonst wird die Erhebung als Höhenrücken bezeichnet. Solche niedrigen Erhebungen bedingen noch kein Gebirgsklima. Eine vom Umland abweichende natürliche Vegetation ist bei freistehenden Hügeln azonal (Wasserhaushalt, Böden, Untergrund) bedingt. Nur bei Vorgebirgs-Hügeln der kollinen Höhenstufe sind extrazonal klimabedingte Unterschiede vorhanden. Es gibt keine allgemeingültige Definition; die Festlegung ist vom jeweiligen Autor abhängig. Gemeinhin wird jedoch meistens ein relativer Höhenunterschied von höchstens 200 m zwischen Gipfel und Umland vorausgesetzt. Die englischsprachige Übersetzung Hill ist in der Regel auf die Form der Erhebung bezogen und weniger auf die Höhe, sodass etwa zwei amerikanische Autoren die maximale Höhe bei 2000 ft (ca. 610 m) angesetzt haben. Ein Bezug zur absoluten Meereshöhe wird nicht hergestellt. Eine größere Zahl benachbarter Hügel wird Hügelland genannt.
Erdwerk
Als Erdwerk werden in der Archäologie signifikante Bauten aus Erde bezeichnet, also Grabungen und Aufschüttungen unterschiedlicher Größe, Form und Funktion, die in der Regel zu militärischen und/oder kultischen Zwecken angelegt wurden. Insbesondere sind dies Wall–Graben-Anlagen in Europa, aber auch hügel- oder pyramidenförmige Erdanhäufungen, wie beispielsweise die Mounds in Nordamerika. Zu den Grabungen und Aufschüttungen kommen häufiger Palisaden hinzu. In der Archäologie finden die Termini Erdwerk und Grabenwerk sowie Einhegung meist synonym Verwendung. In Mitteleuropa sind Erdwerke seit der ältesten Epoche der Bandkeramik bekannt und bilden ein Phänomen, das sich in beinahe allen Abschnitten des europäischen Neolithikums wiederfindet. Erdwerke können Einbauten aus Holz oder Stein enthalten. Die größten bekannten Erdwerke sind Grenzsicherungsanlagen, wie beispielsweise der Obergermanisch-Raetische Limes. Es lassen sich neben Befestigungsanlagen aber auch Erdwerke mit einem zivilen und kultischen Zweck nachweisen. Erdwerke sind heute meistens nicht mehr an der Erdoberfläche sichtbar, so werden jungsteinzeitliche Erdwerke beispielsweise durch Luftbildarchäologie anhand von Bewuchsanomalien oder Bodenmerkmalen auf Ackerflächen entdeckt, Gräben können bei Schräglicht aus der Luft entdeckt und beobachtet werden. Im neuzeitlichen Festungsbau bezeichnet der Terminus Erdwerk eine aus Erde aufgeschüttete Befestigungsanlage.
Grabhügel
Ein Grabhügel ist Teil eines Dolmens. Der Dolmen besteht aus großen, aufrecht stehenden Steinen (den „Säulen“ oder „Stützsteinen“), auf denen Decksteine ruhen. Die Stützsteine sind in der Regel weitgehend parallel angeordnet. Zwei Stützsteine und ein Deckstein bilden zusammen ein „Joch“ oder „Trilithon“. Das Joch oder mehrere Joche werden durch Abschlusssteine verschlossen. Die Zwischenräume zwischen diesen Steinen wurden mit kleineren Steinen, den Füllsteinen, aufgefüllt. Der Eingang befindet sich oft in der Mitte der Längsseite und enthält in manchen Fällen Torsteine. Das gesamte Bauwerk war von einem Grabhügel bedeckt. Dieser bedeckte nicht immer das gesamte Bauwerk; in manchen Fällen blieben die Decksteine sichtbar. Heutzutage sind die Grabhügel vieler Dolmen verschwunden. Sie wurden aus verschiedenen Gründen abgetragen. Beispielsweise ist der Boden oft fruchtbar und wurde als Ackerland genutzt. In anderen Fällen wollten Schatzsucher Zugang zum Dolmen erlangen, oder man wollte ihn für wissenschaftliche Forschungszwecke untersuchen. Der Grabhügel wurde aus verschiedenen Materialien errichtet. So wurden beispielsweise Erde und/oder Grassoden verwendet. Häufig finden sich darin auch Findlinge, die vermutlich dazu dienten, den Hügel vor dem Wegwehen zu bewahren.
Hügelgrab
Ein Hügelgrab oder ein Grabhügel (lateinisch tumulus, Plural tumuli; griechisch τύμβος tymbos) ist eine gestreckte, runde oder ovale Erdaufschüttung. Darin befinden sich Grablegen oder andere Vorzeitmonumente. Bei den Gräbern kann es sich um Körperbestattungen (ggf. im Baumsarg), Urnengräber oder ausgestreuten Leichenbrand handeln. Die Hügel können Einbauten haben, zum Beispiel aus konzentrischen Kreisen, Gebäuden (Grabhügel von Trappendal), steinernen Grabkammern oder Steinkisten. Steinerne Hügel heißen auf Englisch Barrows, auf Französisch Tumuli de pierres und in Dänemark Gravrøser. Die prähistorischen Hügelgräber Nordamerikas werden als Mounds, die für den Osten Niedersachsens charakteristischen Hügelgräber als Buckelgräber bezeichnet.
Die als Hünengrab bekannten und in Norddeutschland, den Niederlanden, Polen und Skandinavien verbreiteten Megalithanlagen oder Großsteingräber befinden sich auch auf manchen Wappen dieser Region. Als Motiv auf dem Wappenschild ist es eine gemeine Figur und kein Heroldsbild.
Hünenbett
Ein Langbett oder Hünenbett (englisch long barrow oder long cairn, niederländisch hunebed; schwedisch långdös; dänisch langdysse) ist eine steinzeitliche Grabstätte in Form eines drei- oder rechteckigen bzw. trapezförmigen Hügels, der intakt mit einer Randsteinkette umgeben ist. Randsteine trapezoider Langbetten sind üblicherweise in der Höhe abgestuft. Der Hügel kann eine megalithische Kammer enthalten oder „(stein)kammerlos“ sein. Ausgrabungen zeigen, dass „kammerlose“ Langbetten meist eine hölzerne Kammer enthielten. Langbetten stammen aus dem späten Neolithikum West- und Mitteleuropas und Skandinaviens bzw. dem zeitgleichen Frühneolithikum der Britischen Inseln[5]. Langbetten sind neben Rundhügeln und wenigen anderen Formen im Verbreitungsgebiet der nordischen Megalitharchitektur anzutreffen. Sie sind zwischen etwa 20 und mehr als 180 Meter lang. Sie sind von Anlagen vom Typ Konens Høj oder vom Niedźwiedź-Typ abzugrenzen. Die ältesten Langhügel weisen Brandgräber auf und sind ohne Steinkammer errichtet. Spätere Dolmen haben Steinkammern. Es sind Reste eines verbrannten Bretterdaches vorhanden.
Findling
Ein Findling ist ein meist einzeln liegender sehr großer Stein, der während der Eiszeiten durch Gletscher transportiert und an seinem heutigen Standort abgelegt wurde. Als das Eis schmolz und der Gletscher sich zurückzog, blieben solche Felsblöcke als Findlinge liegen. Findlinge sind die häufigste Form der erratischen Blöcke. Die Grenze zwischen Findlingen und den kleineren Geschieben ziehen die Geowissenschaften bei einem Volumen von einem Kubikmeter.
Menhir ‘Hinkelstein‘
Menhir ist eine aus dem Bretonischen entlehnte Bezeichnung für einen vorgeschichtlichen, hochragenden Steinblock, der auch als Hinkelstein bekannt ist. In der prähistorischen Archäologie bezeichnet das Wort einen länglichen Einzelstein (bretonisch maen „Stein“ und hir „lang“), der in vorgeschichtlicher Zeit von Menschen aufrecht gestellt wurde. Die Bezeichnung stammt von Théophile Malo Corret de la Tour d’Auvergne.
Dolmen
Ein Dolmen (aus kornisch tolmen „Steintisch“ oder aus bretonisch dolmen „Steintisch“) ist in der Regel ein aus großen, unbehauenen oder behauenen Steinblöcken (Megalithen) errichteter Grabbau der Vorgeschichte. Es besteht aus drei oder mehr aufrecht stehenden Tragsteinen (Orthostaten), auf denen eine oder mehrere Deckplatten ruhen. Dolmen werden traditionell als die einfachste Form eines Megalithgrabes betrachtet. In Europa waren die meisten Dolmen ursprünglich mit Hügeln aus Steinen oder Erde bedeckt. Der Begriff wurde von Théophile Malo Corret de la Tour d’Auvergne eingeführt.
Wächtersteine
Wächtersteine ist ein archäologischer Begriff für ausschließlich paarweise verwendete große Findlinge an den Ecken von rechteckigen und trapezförmigen Hünenbetten der Trichterbecherkultur (TBK). Es handelt sich um auffallend große Blöcke, die entweder die Eckpfeiler eines Hünenbettes bilden oder antenartig aus der Phalanx hervorragen und den Schmalseiten der Einfassung ein monumentales Aussehen verleihen. Einzelne Steine, die in der Nähe belgischer, bretonischer und korsischer Megalithanlagen aufgestellt wurden, heißen dagegen „Menhir indicateur“. Wächtersteine sind für trapezförmige Hünenbetten typischer als für rechteckige und finden sich vereinzelt in Dänemark und Skandinavien, vor allem aber in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen (Salongrab), Sachsen-Anhalt (Drebenstedt, Leetze, Winterfeld) und vereinzelt in Holstein (Hünenbetten „Alter Hau“). In Deutschland finden sich die imposantesten erhaltenen Beispiele an den trapezförmigen Anlagen von Dummertevitz und Nobbin auf der Insel Rügen.
Steinsetzungen
Als Steinsetzungen werden in der Ur- und Frühgeschichte Rahmenanordnungen mehrerer größerer Steine (in der Regel Megalithen), aber auch Steinpflaster verstanden, die von der Jungsteinzeit an bis in die Eisenzeit in verschiedenen Regionen Europas als Grabmarkierung oder Grabüberbau entstanden. Steinsetzungen treten in sehr unterschiedlichen Formen auf: in geometrischen Formen (Kreise, Quadrate und Rechtecke), als U-förmige Setzungen wie Achavanich, als Treuddar (dreieckig) oder Schiffssetzungen Muster darstellend, die eigene Gattungen bilden.
Hunnen Ringwall ‘Hunnenring‘
Bei dem Ringwall handelt es sich um die Überreste einer befestigten Ortschaft („Oppidum“, lat.: Befestigung) des keltischen Stamms der Treverer. Der Dollberg bei Otzenhausen nimmt unter den spätkeltischen treverischen Befestigungen eine Sonderstellung ein. Zunächst als Fliehburg um 400 v. Chr. erbaut, riegelten zwei quer zum Bergsporn verlaufende Abschnittsmauern diesen ab. Vermutlich zwangen klimatische Veränderung zur Abwanderung der Bewohner (Keltenwanderungen) und damit auch zur Aufgabe des Hunnenrings. Einem Hiatus während des ausgehenden 4. Jh. bis zur Mitte des 2. Jh. v. Chr. folgte eine Neubesiedlung. Diese zweite Bauphase beinhaltet nun auch den Ausbau der Befestigungen mit einer allseitigen Schutzmauer hin zu einem Ringwall während des 1. Jh. v. Chr. In jener Zeit beunruhigten zunächst Germaneneinfälle, dann die römische Okkupationslust die keltischen Gebiete. Einer wohl strategischen Neuorientierung ist eine Kürzung des südlichen Teils der Ringmauer zu verdanken, sodass letztendlich drei verschiedene Bauphasen nachzuweisen sind.
Wie auch andere vor- oder frühgeschichtliche Befestigungen wurde er vom Volksmund als „Hunnenring“ bezeichnet, obwohl es keine Zusammenhänge mit den Hunnen gibt. Es wird vermutet, dass der alte Begriff ‚Hunnich‘ (für König) damit zu tun hat. Auch ein sprachlicher Zusammenhang mit ‚Hünen‘ wegen der Größe der Anlage wäre denkbar. Denkbar ist auch die häufig anzutreffende schwärmerisch-historisierende Benennungsweise des frühen 19. Jahrhunderts, als eine Gefühlsmelange aus Romantik und nationalem Impuls zu zahlreichen Wortschöpfungen ähnlicher Art in Deutschland führte. Heute wird der Ort als eine der fünf bekannten stadtähnlichen Siedlungen der Treverer geführt.
Hünenhügel ‘Megalithgrab‘
Ein Großsteingrab oder Megalithgrab, auch Hünengrab oder Hünenhügel, ist eine megalithische Grabanlage. Die meisten Großsteingräber in Norddeutschland wurden in der späten Jungsteinzeit (Spätneolithikum) angelegt. Die in Norddeutschland verbreitete volkstümliche Bezeichnung „Hünengrab“ ist abgeleitet von „Hüne“, was sich auf das mittelhochdeutsche „hiune“ und das niederdeutsche „hûne“ mit der Bedeutung „Riese“ zurückführen lässt. Noch im 17. Jahrhundert bestand auch im Schrifttum die verbreitete Ansicht, es handele sich hierbei um „Gräber für Riesen“.
Megalithik in den Niederlanden
Megalithik in den Niederlanden. Die Megalithik trat in den heutigen Niederlanden während der Jungsteinzeit vor allem im Nordosten auf. Megalithanlagen, also Bauwerke aus großen aufgerichteten Steinen, kommen in verschiedenen Formen und Funktionen vor, hauptsächlich als Grabanlagen, als Tempel oder als Menhire (einzeln oder in Formation stehende Steine). Aus den Niederlanden sind ausschließlich Grabanlagen bekannt. Diese Großsteingräber (niederländisch Hunebedden) sind zwischen 3470 und 3250 v. Chr.[1] von Angehörigen der Westgruppe der Trichterbecherkultur (TBK) errichtet und bis etwa 2760 v. Chr. genutzt worden. Eine Nachnutzung der Anlagen erfolgte nach dem Ende der Trichterbecherkultur im Spätneolithikum durch die Einzelgrabkultur und die Glockenbecherkultur, während der darauf folgenden Frühen Bronzezeit und in geringem Umfang noch bis ins Mittelalter. Von den ursprünglich wohl über 100 Großsteingräbern der Niederlande sind heute noch 54 erhalten. Von diesen liegen 52 in der Provinz Drenthe. Zwei weitere liegen in der Provinz Groningen, davon wurde eines in ein Museum umgesetzt. Hinzu kommt eine Anlage in der Provinz Utrecht, deren Einordnung als Großsteingrab unsicher ist. Zerstörte Großsteingräber sind zudem aus der Provinz Overijssel bekannt. Die Mehrzahl der erhaltenen Gräber konzentriert sich auf dem Höhenzug Hondsrug zwischen den Städten Groningen und Emmen. Die Gräber erweckten bereits früh das Interesse von Forschern. Die erste Abhandlung wurde 1547 publiziert. Große Verbreitung fand ein 1660 veröffentlichtes Buch von Johan Picardt, der die Gräber für Bauten von Riesen hielt. Titia Brongersma führte 1685 die erste bekannte Ausgrabung an einem niederländischen Großsteingrab durch. 1734 wurde ein erstes Gesetz zum Schutz der Gräber erlassen; diesem folgten im 18. und 19. Jahrhundert weitere. Leonhardt Johannes Friedrich Janssen legte 1846 erstmals ein annähernd vollständiges Verzeichnis der Gräber vor. William Collings Lukis und Henry Dryden fertigten 1878 von zahlreichen Gräbern die bis dahin genauesten Pläne an. Die moderne archäologische Erforschung der Großsteingräber wurde 1912 durch Jan Hendrik Holwerda eingeleitet, der zwei Anlagen vollständig ausgrub. Kurz darauf begann Albert Egges van Giffen mit weiteren Forschungen. Er vermaß sämtliche Anlagen, führte zahlreiche weitere Grabungen durch und ließ bis in die 1950er Jahre fast alle Gräber restaurieren. Van Giffen entwickelte für die Großsteingräber auch ein bis heute verwendetes Nummerierungssystem mit einem Großbuchstaben für die Provinz und einer von Norden nach Süden aufsteigenden Nummer (sowie einem Kleinbuchstaben bei zerstörten Anlagen). Seit 1967 gibt es in Borger ein Museum, das ausschließlich den Großsteingräbern und ihren Erbauern gewidmet ist. Die Kammern der Gräber wurden aus Granit–Findlingen erbaut, die während der Eiszeit in den Niederlanden abgelagert wurden. Die Lücken zwischen den Steinen wurden mit Trockenmauerwerk aus kleinen Steinplatten verfüllt. Anschließend wurden die Kammern mit Erde überhügelt. Einige der Hügelschüttungen weisen zudem eine steinerne Umfassung auf. Abhängig davon, ob der Zugang zur Kammer an einer Schmal- oder einer Langseite liegt, werden die Gräber als Dolmen oder Ganggräber bezeichnet. Fast alle Anlagen in den Niederlanden sind Ganggräber, nur bei einer handelt es sich um einen Dolmen. Die Gräber ähneln einander in ihrem Grundaufbau, variieren aber in ihrer Größe sehr stark. Die Kammerlänge reicht von 2,5 m bis zu 20 m. Kleine Kammern wurden in allen Errichtungsphasen gebaut, größere traten erst in späteren Phasen hinzu. Aufgrund ungünstiger Erhaltungsbedingungen konnten aus den Gräbern nur geringe Reste menschlicher Knochen geborgen werden. Hauptsächlich handelt es sich hierbei um Leichenbrand. Zum Sterbealter und zum Geschlecht der Toten sind nur sehr begrenzte Aussagen möglich. Sehr reichhaltig sind hingegen die Beigaben. In einigen Gräbern wurden tausende von Keramikscherben gefunden, die sich häufig zu hunderten Gefäßen rekonstruieren ließen. Weitere Beigaben waren Steingeräte, Schmuck in Form von Perlen und Anhängern, Tierknochen und in seltenen Fällen Gegenstände aus Bronze. Das reiche Formen- und Verzierungsspektrum der Gefäße erlaubte die Unterscheidung mehrerer typologischer Stufen, die Rückschlüsse auf die Bau- und Nutzungsgeschichte der Gräber zulassen.
Grabhügel in der Gemeinde Vaals
Der Grabhügel auf dem Vaalserberg befindet sich in Südlimburg (Niederlande), südlich des Vaals-Flusses. Er liegt auf dem Vaalserberg, etwa 300 Meter nördlich des Dreiländerecks. Es handelt sich um einen einzelnen Hügel aus der Jungsteinzeit und/oder Bronzezeit. Der Grabhügel ist ein nationales Denkmal.
Die Grabhügel des Vijlenerbos befinden sich im südöstlichen und östlichen Teil des Vijlenerbos. Sie liegen südöstlich von Vijlen und westlich von Vaals in der Gemeinde Vaals. Verlässt man den Wald, gelangt man nach Raren. Dort befindet sich ein einzelner Hügel (im Südosten) sowie eine Anlage mit mindestens sieben Grabhügeln, von denen zwei deutlich sichtbar sind (im Osten). Die Grabhügel stammen aus der Bronzezeit. Anhand der Grabhügel im Malensbosch (ebenfalls Teil des Vijlenerbos) lässt sich schließen, dass das Gebiet lange vor der Römerzeit besiedelt war. Diese runden Hügel im Wald sind vermutlich zwischen 3.500 und 5.000 Jahre alt. Die meisten dieser Grabhügel wurden in den 1920er und 1930er Jahren von der deutschen Geologin Liese ausgegraben, einige sind jedoch noch unberührt. Eines der bekanntesten Grabhügel im Malensbos, das „Kindergrab“, ist an einer Seite offen und mit einer Informationstafel versehen. Seinen Namen verdankt es den Milchzähnen, die zwischen den Brandresten gefunden wurden. Weitere Wertgegenstände waren jedoch nicht vorhanden. Da einige Scherben aus römischer Zeit entdeckt wurden, gehen Experten davon aus, dass das Grab von den Römern geplündert wurde.
Grabhügel im Vijlenerbos
( https://www.visitzuidlimburg.de/erlebe-zuid-limburg/attraktion/grafheuvels-in-het-vijlenerbos/60243/ )
Hunnenhügel oder die Hügel der Langbärte ‘Langobarden‘ alias ‘Winniler‘`?
Die Langobarden (lateinisch Longobardi, altgriechisch οἱ Λαγγοβάρδοι, auch Winniler) gehörten, wie man lange annahm, als ethnische Gruppe der Stammesgruppe der Sueben an und waren eng mit den Semnonen verwandt. Demnach waren sie ein elbgermanischer Stamm, der ursprünglich an der unteren Elbe siedelte und dann migrierte. Diese traditionelle Sicht wird heute aber eher selten vertreten. Stefano Gasparri fasste 2017 die Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte so zusammen, dass die Langobarden wie andere als gentes bezeichnete Gruppen zur Zeit der Völkerwanderung vielmehr eine politisch-militärische Ansammlung darstellten, die sich an den Rändern bzw. zum Teil innerhalb des Römischen Reiches bildeten, dessen Grenzen überaus durchlässig waren, und die unter einem erfolgreichen militärischen Anführer standen. Sie dienten sich den Römern an (Föderaten) oder versuchten aus deren Reich auf andere Weise Prestige oder materiellen Gewinn zu schlagen. Somit war Verwandtschaft nur einer der Gründe, die diese Verbände immer wieder neu entstehen ließen. Sie gaben sich im Nachhinein eine Herkunfts- und Abstammungslegende. Im 5. Jahrhundert tauchten Langobarden unter einem dieser Anführer namens Wacho in römischen Aufzeichnungen auf. Sie erschienen bald an der Donau in Pannonien. Ab 568 eroberten sie unter König Alboin große Teile Italiens, wobei sie große andere Verbände begleiteten, wie etwa Sachsen, und errichteten das Langobardenreich. Diesem zwischenzeitlich christianisierten Reich – zunächst arianisch, dann katholisch – setzte das fränkische Heer unter Führung König Karls I. mit der Eroberung der Hauptstadt Pavia im Jahr 774 ein Ende. Der Süden Italiens verblieb allerdings unter langobardischer Herrschaft. Auf die Hauptsiedlungsgebiete im Norden geht die Bezeichnung der Lombardei zurück. Dort war, vor allem gegen Ende des Langobardenreichs, die Unterscheidung zwischen Romanen und Langobarden immer weniger ausgeprägt, so dass am Ende fast alle Bewohner des Reiches Langobarden hießen. Als ebenso unhaltbar wie die Annahme einer rein verwandtschaftlichen Grundlage des Zusammenhalts und der Zusammensetzung der Langobarden („Völkerwanderung“) erwies sich die vor allem in Italien lange verbreitete Vorstellung, die Kette „barbarischer Invasionen“ hätte gleichsam nur eine Unterbrechung der kulturellen Entwicklung zwischen dem Ende des Römerreiches und dem Hochmittelalter bedeutet. Seit Juni 2011 ist eine Gruppe von wichtigen Gebäuden unter dem Titel Die Langobarden in Italien, Orte der Macht (568 bis 774 n. Chr.) in der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen worden. Die Gebäude umfassen die wichtigsten monumentalen Zeugnisse der Langobarden, die auf italienischem Boden an sieben verschiedenen Orten zu finden sind. Diese sind Cividale del Friuli, Brescia, Castelseprio Torba, Spoleto, Campello sul Clitunno, Benevento, Monte Sant’Angelo. Sie erstrecken sich vom Norden der Halbinsel bis in den Süden, wo die Herrschaftsgebiete der wichtigsten langobardischen Herzogtümer waren.
Das Königreich der Langobarden oder Langobardisches Königreich (lateinisch Regnum Langobardorum) war ein frühmittelalterliches germanisches Königreich, dessen Hauptstadt Pavia war. Die Langobarden gründeten es 568–569 (Invasion Italiens), 774 fiel es an das Frankenreich unter Karl dem Großen. Die effektive Kontrolle der beiden langobardischen Herrschaftsgebiete, der Langobardia maior in Ober- und Langobardia minor in Unteritalien, durch die Langobardenkönige variierte; anfangs besaßen die zahlreichen Fürstentümer, aus denen sich das Königreich zusammensetzte, ein hohes Maß an Autonomie, später verstärkte sich die Herrschaft durch den König, auch wenn sich der Drang einzelner Herzöge nach größerer Selbstbestimmung nie ganz verflüchtigte. Der germanisch-langobardische Charakter verlor sich über die Jahrhunderte, bis das Königreich im Königreich Italien aufging. Die Langobarden übernahmen schrittweise römische Titel, Namen und Traditionen. Teilweise konvertierten die ursprünglich arianischen Langobarden im 7. Jahrhundert auch zum Katholizismus. Zu Lebzeiten von Paulus Diaconus, dem Verfasser der Historia Langobardorum, befand sich die langobardische Sprache im Niedergang, langobardische Kleidung und Haartracht waren verschwunden.
Das Lampartenland, die Lombardei (italienisch Regione Lombardia, lombardisch Regiun Lumbardia) ist eine norditalienische Region mit einer Fläche von 23.863 km² und 10.035.481 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2024). Sie ist in die elf Provinzen Bergamo, Brescia, Como, Cremona, Lecco, Lodi, Mantua, Monza und Brianza, Pavia, Sondrio, Varese und in die Metropolitanstadt Mailand aufgeteilt. Sie liegt zwischen Lago Maggiore, Po und Gardasee. Die größte Stadt der Region ist die Hauptstadt Mailand (italienisch Milano). Die zweitgrößte Stadt ist Brescia. Die lombardische Sprache stellt eine Gruppe von verwandten Sprachvarietäten dar, die in der Lombardei, in den piemontesischen Provinzen Verbano-Cusio-Ossola und Novara, im Trentino, im Tessin und in den Südtälern Graubündens gesprochen werden. Sie zählt zu den romanischen Sprachen. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit verstand man unter „Lombardei“ nicht nur die heutige Region Lombardia, sondern den gesamten Nordwesten Italiens, insbesondere einschließlich des Piemonts und Genuas und des schweizerischen Tessins. In deutschen Sagen wie z. B. der von Wolfdietrich wird für dieses Gebiet auch die Bezeichnung Lampartenland verwendet. Im 19. Jahrhundert verengte sich der Begriff auf das österreichische Kronland Lombardei, das etwa der heutigen Region entsprach.
Als Altlombardisch bezeichnet man die Sprachstufe der lombardischen Sprache des Spätmittelalters, insbesondere des 13. und 14. Jahrhunderts. Es ist die Sprache, in der unter anderem die Mailänder Schriftsteller Bonvesin da la Riva und Pietro de Barsegapè in der zweiten Hälfte des Duecento ihre Werke verfasst haben, weshalb das Altlombardische auch für die italienische Literaturgeschichte und Dialektologie von einiger Bedeutung ist.
Die lombardische Sprache (lombardisch lumbaart, lombard) ist eine Gruppe verwandter, zu den romanischen Sprachen zählender Sprachvarietäten. Sie werden in der Lombardei, in den piemontesischen Provinzen Verbano-Cusio-Ossola und Novara, im Trentino, im Tessin, in den Südtälern Graubündens und in Brasilien (Botuverá, Santa Catarina) gesprochen. Das Lombardische wird von Ethnologue und dem Roten Buch über gefährdete Sprachen der UNESCO als eigene Sprache klassifiziert. Aufgrund der seit den 1960er Jahren einsetzenden Tendenz, die italienische Schriftsprache auch als Umgangssprache zu verwenden, ist das Lombardische stark im Rückgang begriffen und als gefährdete Sprache einzustufen.
Lombarden (Bankiers) wurden im Spätmittelalter die Geldhändler, Pfandleiher oder Bankiers aus der Lombardei in Norditalien genannt, wobei ihr Ursprung in der Toscana im Raum Siena und Florenz lag. Von dort gingen sie in die nördlichen Länder wie Deutschland, Frankreich und England. Damit standen sie als Christen in Konkurrenz zu jüdischen Geldverleihern. Anfang des 15. Jahrhunderts gelang es einheimischen Kaufleuten und Bankiers zunehmend, sich moderne Methoden des Geldgeschäfts anzueignen und größere Kapitalmengen zu akkumulieren. Parallel veränderte sich das Kreditgeschäft an Nieder- und Mittelrhein. Kurzfristige, hochverzinsliche Kredite, wie die Lombarden sie anboten, verloren gegenüber langfristigen, niedrigverzinslichen Krediten wie der Leibrente und der Erbrente an Bedeutung. Es gab keine Notwendigkeit, die Lombarden weiterhin zu dulden.
Der Lombardsatz ist ein von einer Zentralbank im Rahmen ihrer Lombardpolitik festgesetzter Zinssatz, zu dem sich Kreditinstitute durch Verpfändung von eigenen Wertpapieren bei der Zentralbank kurzfristig Liquidität im Rahmen des Lombardkredites verschaffen können. Als Preis zahlen sie dafür den Lombardsatz, der als Abschlag vom Nominalwert der verpfändeten Wertpapiere berechnet wird. Der Name leitet sich ab von der Maison de Lombard, einem Pariser Leihhaus, das von dem mit Privilegien ausgestatteten florentinischen Bankhaus Compagnia dei Bardi betrieben wurde.
Anarchist Marxist: Auf den Punkt.
Vagabund – Alternative Berichterstattung [The Anarchist Marxist – AM]
Limburgs schmutziges Erbe
Limburg, eine Region, die sich stolz als „Tor zu den Niederlanden“ präsentiert, wirbt mit idyllischen Hügellandschaften, mystischen Grabhügeln und dem Erbe „starker Völker“. Die Grabhügel im Vijlenerbos sind kein Ort der Andacht, sondern ein Freilichtmuseum der Verdrängung. Und während wir uns an den Legenden von „starken Völkern“ und „mystischen Hügeln“ berauschen, vergessen wir, dass die wahre Geschichte Limburgs eine der Ausbeutung ist – von der Steinzeit bis heute.
Wie Lehm, Feuerstein und Keltenblut zu einer Region der Ausbeutung wurden
Limburg ist reich. Nicht nur an Kultur, nicht nur an Geschichte – nein, an Lehm, Ton und Feuerstein. Materialien, die seit 5.000 Jahren aus dem Boden gerissen werden, als wäre die Erde nichts weiter als eine endlose Rohstoffmine. Es war auch ein Schauplatz der Völkerwanderung, auf dem sich Hunnen, Langobarden, Ripuarier und Franken tummelten. Die Trichterbecherkultur (4200–2800 v. Chr.) hinterließ Megalithgräber, die heute als Touristenattraktion vermarktet werden – während die wahren Erben dieser Kultur, die keltischen Eburonen, von den Römern ausgerottet wurden. Die Eburonen waren die ersten bekannten Bewohner der Region Vaals. Ein keltischer Stamm, der von Caesar als „Germanen“ klassifiziert wurde – ein kolonialer Etikettenschwindel, um die Eroberung zu rechtfertigen. Doch die Archäologie beweist: Sie waren Kelten, mit einer eigenen Sprache, Tracht und Kultur. Und was blieb von ihnen übrig? Nichts. Ausgerottet. Vernichtet. Vergessen.
Haufen von Söldnern, Abenteurern und Glücksrittern, die Langobarden
Die Langobarden waren kein ethnisch reiner Stamm. Sie waren ein Haufen von Söldnern, Abenteurern und Glücksrittern, die sich unter einem Anführer zusammenschlossen und sich im Nachhinein eine Heldengeschichte ausdachten. Stefano Gasparri hat es 2017 klar gesagt: Die Langobarden waren kein Volk, sondern ein Projekt. Und was machten sie? Sie zogen nach Italien, gründeten ein Königreich – und verschwand dann einfach. Ihre Sprache starb aus, ihre Kultur ging in der romanischen Bevölkerung auf. Was blieb? Der Name „Lombardei“ – und der Mythos der „barbarischen Invasionen“, der bis heute die Vorstellung prägt, das Mittelalter sei eine dunkle Zeit der Rückständigkeit gewesen. Die Wahrheit? Die Langobarden übernahmen römische Traditionen, konvertierten zum Christentum und wurden zu Teil der europäischen Geschichte. Doch das passt nicht ins Bild der „wilden Germanen“, die das römische Erbe zerstörten.
Die Hunnen, die nie da waren: Wie Mythen Geschichte ersetzen
Der „Hunnenring“ bei Otzenhausen hat nichts mit den Hunnen zu tun. Er war eine keltische Befestigung der Treverer. Doch der Name blieb. Warum? Weil es dramatischer klingt. Weil „Hunnen“ ein Begriff ist, der Angst und Faszination weckt – während „Kelten“ für viele nur ein vages Bild von Druiden und Baumkulten hervorruft.
Die wahren Hunnen kamen erst Jahrhunderte später in die Region – und auch das nur als durchziehende Plünderer. Doch die Legende vom „Hunnenring“ zeigt: Geschichte wird nicht erzählt, sie wird verkauft.
Sunuker ‘Völser‘
Die ersten nachweisbaren Bewohner der Region Vaals waren jungsteinzeitliche Siedler (ab ca. 5000 v. Chr.), gefolgt von den keltischen Eburonen (ab ca. 500 v. Chr.).
Die Eburonen sind damit der erste historisch belegte Stamm in Vaals – bevor die Römer und später die Germanen kamen.
„Limburgs dunkles Erbe: Wie die Hunnen, die gar keine waren, und die vergessenen Grabräuber von Vaals“ Zitat: Von Dr. Felix van der Meer – Investigativjournalist für „De Scherpe Blik“
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