Ein unbemanntes Luftfahrzeug oder eine Drohne (englisch unmanned aerial vehicle, kurz UAV) ist ein Luftfahrzeug ohne eine an Bord befindliche Besatzung. Die Steuerung und Navigation erfolgt entweder ferngesteuert, entlang eines vorprogrammierten Flugwegs oder auch vollständig autonom. Unbemannte militärische Luftfahrzeuge sind oft Teil eines umfassenderen Systems (englisch unmanned aircraft system, UAS). Umgangssprachlich werden mitunter auch ferngesteuerte Flugmodelle und Multicopter als Drohnen bezeichnet.
Unbemannte Luftfahrt
Als unbemannte Luftfahrt bezeichnet man alle Luftfahrt-Aktivitäten, die mit unbemannten Luftfahrzeugen (im engeren Sinne ausschließlich unbemannt nutzbar) durchgeführt werden.
WW1
Kettering Bug
Der Kettering Bug war ein von 1917 bis 1920 in den USA von Charles Kettering entwickelter und erprobter unbemannter Flugkörper, der heute unter den Begriff Marschflugkörper fallen würde.
WW2
Flakzielgerät 43 ‘Argus As 292 Fernfeurer‘
Die Argus As 292 Fernfeuer war ein zu Aufklärungszwecken und als Luftzieldrohne eingesetztes ferngesteuertes Kleinflugzeug.
Flakzielgerät 76 – FZG 76– V1 – Fieseler Fi 103 Höllenhund’
Unbemannte Version der Fi 103. Die Fieseler Fi 103 war der erste militärisch eingesetzte Marschflugkörper. Sie wurde als eine der „Wunderwaffen“ in der NS-Propaganda des Zweiten Weltkriegs auch Vergeltungswaffe 1 bzw. nur kurz V1 genannt. Die Entwicklung der Gerhard-Fieseler-Werke in Kassel trug den Tarnnamen FZG 76 für Flakzielgerät 76 und war im Frühjahr 1944 einsatzbereit. Von Juni 1944 bis März 1945 wurden ca. 12.000 Fi 103 von der Wehrmacht hauptsächlich gegen Ziele in England (London) und Belgien (Hafen von Antwerpen) eingesetzt. Das im Auftrag des Reichsluftfahrtministeriums ab Mitte 1942 entwickelte „Ferngeschoß in Flugzeugform“ war mit fast einer Tonne Sprengstoff beladen und wurde daher umgangssprachlich auch „Flügelbombe“ genannt.
Bemannte Version der Fi 103. Reichenberg-Gerät war die Tarnbezeichnung für eine bemannte Fieseler-Fi-103-Version, die im Zuge dieser Entwicklung im Zweiten Weltkrieg gebaut wurde. Sie wurde auch als V4 bezeichnet und war eine als Kamikaze-Waffe modifizierte V1 (siehe auch: deutsches Militärprojekt „Selbstopfer“). Die Japaner griffen dieses Prinzip auf und stellten die Yokosuka MXY-7 her.
Leichter Ladungsträger Goliath
Der Leichte Ladungsträger (Sd.Kfz. 302 bzw. 303) Goliath ist ein deutsches gepanzertes Pioniergerät, das in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs durch Kabelsteuerung Sprengladungen in gegnerische Stellungen lenken konnte. Die gelegentlich verwendete Bezeichnung Kleinstpanzer ist irreführend, da das Gerät nicht über eine Besatzung verfügte.
Mittlere Ladungsträger (Sd.Kfz. 304) „Springer“
Der Mittlere Ladungsträger (Sd.Kfz. 304) „Springer“ war ein selbstzerstörender Sprengpanzer, der im Zweiten Weltkrieg ab 1944 für die deutsche Wehrmacht gebaut wurde. Bereits vor Beginn des Zweiten Weltkrieges hatte das Heereswaffenamt mit speziellen Fahrzeugen für die Pioniertruppe beschäftigt. Diese sollten zum einen gegen gegnerische Minenfelder und zum anderen gegen Bunker und schwere feindliche Panzerfahrzeuge eingesetzt werden. Aus diesen Projekten gingen die Minenräum-Wagen Borgward B I und Borgward B II, die leichten Ladungsträger „Goliath“ und der schwere Ladungsträger Borgward B IV hervor. Im Jahr 1944 hatte man bereits einige Erfahrungen mit diesen ferngelenkten Fahrzeugen gesammelt und entschied angesichts der Einsatzergebnisse, ein neues Fahrzeug zu entwickeln.
Schwere Ladungsträger (Sd.Kfz. 301) Borgward B IV
Der Schwere Ladungsträger (Sd.Kfz. 301) Borgward B IV (Sd.Kfz. = Sonderkraftfahrzeug) war ein nach Beginn des Zweiten Weltkrieges bei Borgward für die Wehrmacht entwickeltes Kettenfahrzeug, welches ferngesteuert eine Sprengladung an einem Ziel absetzen konnte, die dann per Funk gezündet wurde, nachdem das Fahrzeug den Gefährdungsbereich verlassen hatte.
Fieseler Fi 157
Die Fieseler Fi 157 war ein unbemanntes Versuchsflugzeug, das eine automatische Steuerung besaß. Die Entwicklung dieser Maschine begann beim Fieseler Flugzeugbau Kassel im Juni 1936. Mit einem Trägerflugzeug brachte man die Maschine auf Höhe. Nach dem Ausklinken erfolgte der weitere Flug der Fi 157 mit dem eigenen Antrieb, einem Hirth HM 60 mit 60 PS. Gesteuert wurde das Fluggerät von einer mit Programm-Walzen ausgestatteten Automatik. Da dieses Versuchsflugzeug kein Verlustgerät war, aber weder Fahrwerk noch Kufe besaß, erfolgte die Landung wahrscheinlich mittels Fallschirm. Dieses Flugzeug war nicht für die Serienherstellung gedacht, sondern es sollte nur für die Durchführung von Prinzip-Versuchen dienen. Parallel zum Projekt der Fi 157 wurde im August 1936 mit der Entwicklung des Versuchsflugzeuges Fi 158 begonnen, das von der Formgebung her eine starke Ähnlichkeit zur Fi 157 aufwies.
Lippisch P.15 ‘Diana‘
Die Lippisch P.15 war ein geplantes deutsches Jagdflugzeug für den Zweiten Weltkrieg. Alexander Lippisch entwarf die Li P.15 nach der Inspektion der neuen Heinkel He 162, die seiner Meinung nach verbesserungsfähig war. Die überarbeitete He 162 bestand aus dem Bug der Heinkel 162, den Tragflächen und dem Leitwerk der Me 163C, einem neu konstruierten hinteren Rumpf und einem vom Bf 109 adaptierten Fahrwerk. Als Antrieb sollte ein einzelnes Heinkel HeS 011 A-Turbojet-Triebwerk im hinteren Rumpf dienen, das über zwei in den Tragflächenwurzeln verborgene Lufteinlässe versorgt wurde. Obwohl das Flugzeug nie in Originalgröße gebaut wurde, ist ein ferngesteuertes Modell erhältlich.
Nach 1945
Dornier Aerodyne
Unter der Bezeichnung Aerodyne lief bei Dornier ein unbemannter, flügelloser Senkrechtstarter, von A.M. Lippisch konzipiert und von Dornier im Auftrag des Bundesministeriums der Verteidigung entwickelt und gebaut. Lippisch gehörte dabei zum Team. Der Erstflug fand am 18. September 1972 statt. Die Entwicklung endete nach erfolgreicher Schwebeflugerprobung mit dem Fluggerät Aerodyne E1 am 30. November 1972. Zur Weiterführung dieser Experimentalstudie kam es nicht, weil sich kein Bedarfsträger in der Bundeswehr fand, bzw. man wollte die vorgesehene Aufgaben nunmehr mit bemannten Hubschraubern durchführen.
Drohnen der Bundeswehr
Die Drohnen der Bundeswehr sind unbemannte Luftfahrzeuge (Unmanned Aerial Vehicles, UAV) verschiedener Typen und Klassen, die von der Bundeswehr eingesetzt oder erprobt werden bzw. wurden. Sie tragen vor allem Aufklärungsmittel als Nutzlast oder werden zur Zieldarstellung in der Schießausbildung eingesetzt. Nach einer längeren politischen Debatte fiel 2022 unter dem Eindruck des russischen Überfalls auf die Ukraine die Entscheidung, künftig auch bewaffnete Drohnen einzusetzen. Deutschland war mit Stand 2020 eines von weltweit etwa 100 Ländern, die militärische Drohnen nutzen, darunter waren 40 Länder mit bewaffneten Drohnen. Die deutsche Luftwaffe betreibt Aufklärungsdrohnen der MALE-Klasse, während im Heer und bei der Marine kleine und mittlere Systeme eingesetzt werden.
Zieldarstellungsdrohnen
Zieldarstellungsdrohnen sind unbemannte, ferngesteuerte Luftfahrzeuge, die der realitätsnahen Ausbildung und Übung von Flugabwehrkräften dienen. Durch die Nutzung einer Zieldarstellungsdrohne können Flugabwehrkräfte sehr realitätsnah üben, ein Luftfahrzeug zu erfassen, zu verfolgen und gegebenenfalls abzuschießen, ohne dabei Menschenleben zu gefährden.
Drohne-Anti-Radar ‘DAR‘
Die Drohne-Anti-Radar (DAR) war ein Entwicklungsprojekt der Dornier GmbH für ein unbemanntes Fluggerät zum Aufspüren und Bekämpfen feindlicher Radaranlagen, insbesondere solcher zur Flugabwehr, in einem vorgegebenen Zielgebiet. Das Entwicklungsprojekt wurde 1994 beendet und kam als System in Deutschland nicht zur Einführung.
Die Shahed 136 (persisch شاهد ۱۳۶, DMG Šāhed 136, ‚Augenzeuge 136‘, in Russland auch „Geran-2“) ist ein unbemanntes Luftfahrzeug der iranischen Iran Aircraft Manufacturing Industrial Company (HESA). Es handelt sich um eine Einweg-Drohne, die aufgrund ihrer einfachen Konstruktion und geringen Kosten in großen Mengen eingesetzt wird, allerdings nach dem Start nicht mehr zurückgerufen werden kann. Sie kommt im Russisch-Ukrainischen Krieg spätestens seit 2023 zum massiven Einsatz.
Es gibt Hinweise darauf, dass die von Dornier bereits 1985 gefertigte Drohne DAR als Muster für die iranische Entwicklung gelten könnte. Optisch sehen sich beide Drohnen extrem ähnlich, zumal sich auch die Funktionsweise gleicht. Die Entwicklung von Dornier stammt aus den 1980er-Jahren und wurde nach dem Ende des Kalten Krieges nicht weitergeführt. Eine funktionell und äußerlich ähnliche Einweg-Drohne, die israelische IAI Harpy, fand in den 2000er/2010er-Jahren große Verbreitung, die Entwicklerfirma wurde später von China erworben. Danach erfolgte dort die Produktion von Drohnen, die dem Harpy-System ähnelten. Die Harpy soll schließlich von der Islamischen Republik Iran kopiert worden sein, um die Shahed 136 zu entwickeln. Sie wurde in großen Stückzahlen an Russland geliefert und dort auch unter Lizenz in hohen Stückzahlen produziert, wobei es zu einer Vielzahl von Varianten und Weiterentwicklungen (Geran 2) kam. Die USA hat ein ähnlich aussehendes Modell LUCAS (Drohne) gegen den Iran eingesetzt.
Die Gerbera (russisch Гербера) ist eine russische Mehrzweck-Flugdrohne. Sie kann als Kamikazedrohne eingesetzt werden, Aufklärungsmissionen durchführen und Signale weiterleiten, um den Kampfradius anderer Drohnen zu erweitern oder um ihre Widerstandsfähigkeit gegen elektronische Kampfführung zu erhöhen. Russland setzt die Drohne in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine in großer Zahl ein. Sie soll dabei insbesondere auch der Täuschung und Überforderung der ukrainischen Luftabwehr dienen und Shahed– bzw. Geran-2-Drohnen imitieren.
U-Space
Der U-Space ist der europäische Begriff für ein Verkehrsmanagement für unbemannte Luftfahrzeuge (Unmanned Traffic Management UTM). Er beinhaltet eine Sammlung digitaler und automatisierter Funktionen und Prozesse in einem Luftraum, die zum Ziel haben, der steigenden Zahl ziviler Drohnenoperationen einen sicheren und effizienten Zugang zum Luftraum zu gewähren. Das „U“ im Namen steht dabei für Unbemannt, Urban oder auch Universell.
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