Raketenpioniere
Als Raketenpionier bezeichnet man Ingenieure, experimentelle Wissenschaftler oder Autodidakten, die entscheidende Fortschritte im Bau von Feststoff- oder Flüssigkeitsraketen erzielen konnten.
Conrad Haas oder Konrad Haas (* 1509 wahrscheinlich in Dornbach bei Wien; † 1576 in Hermannstadt, Siebenbürgen) war ein Militärtechniker und Raketenpionier.
Die Bayer-Bezeichnung wird in der Astronomie zur systematischen Bezeichnung von Sternen verwendet. Sie ist nach dem deutschen Astronom Johann Bayer (1572–1625) benannt. Uranometria ist ein im Jahre 1603 erschienener Himmelsatlas, der von dem deutschen Juristen und Astronomen Johann Bayer erstellt wurde. Sie stellt die erste genaue Sternkarte dar und enthält erstmals die Sterne beider Hemisphären. Der Atlas enthält nur Sterne, die mit bloßem Auge sichtbar sind. In der Uranometria führte Bayer ein System zur Bezeichnung der Sterne mit griechischen und lateinischen Buchstaben ein, die noch heute verwendete Bayer-Bezeichnung.
Johann Hermann Ganswindt (* 12. Juni 1856 in Voigtshof bei Seeburg, Ermland; † 25. Oktober 1934 in Berlin) war ein deutscher Erfinder und Raketenpionier, dessen Apparate (lenkbares Luftschiff, Hubschrauber, Explosionsmotor) seiner Zeit voraus waren.
Hermann Julius Oberth (* 25. Juni 1894 in Hermannstadt, Königreich Ungarn, Österreich-Ungarn; † 28. Dezember 1989 in Feucht bei Nürnberg) war ein österreich-ungarisch-deutscher Physiker und Raketenpionier aus Siebenbürgen. Er gilt als einer der Begründer der wissenschaftlichen Raketentechnik und Astronautik sowie als prophetischer Initiator der Raumfahrt und der Weltraummedizin. Nach ihm sind der Oberth-Effekt (ein interplanetares Flugmanöver) sowie ein Asteroid und ein Mondkrater benannt.
Rudolf Nebel (* 21. März 1894 in Weißenburg in Bayern; † 18. September 1978 in Düsseldorf) war Raketenkonstrukteur und Begründer des weltweit ersten Raketenflugplatzes in Berlin. Nebel war von 1930 bis 1933 einer der aktivsten Raketenpioniere; er zählt aber nicht zu den „Vätern“ der Raumfahrt; dies waren der Russe Konstantin Ziolkowski (1857–1935), der Franzose Robert Esnault-Pelterie (1881–1957), der Amerikaner Robert Goddard (1882–1945) und der Deutsche Hermann Oberth (1894–1989).
Eugen Sänger (* 22. September 1905 in Preßnitz, Österreich-Ungarn; † 10. Februar 1964 in West-Berlin) war ein österreichischer Ingenieur und Pionier auf dem Gebiet der Luft- und Raumfahrt.
Julius „Uss“ Hatry (* 30. Dezember 1906 in Mannheim; † 7. November 2000 ebenda) war ein deutscher Flugzeugingenieur, Raketenpionier und Filmemacher. Er konstruierte die RAK.1, mit der Fritz von Opel am 30. September 1929 den ersten öffentlichen Flug mit Feststoffraketen durchführte.
Wernher Magnus Maximilian Freiherr von Braun (* 23. März 1912 in Wirsitz, Provinz Posen, Königreich Preußen, Deutsches Reich; † 16. Juni 1977 in Alexandria, Virginia, USA) war ein deutschamerikanischer Raketenpionier und Wegbereiter der Raketenwaffen und der Raumfahrt. Von Braun wurde als Technischer Direktor der Heeresversuchsanstalt Peenemünde durch die Entwicklung der ersten funktionstüchtigen Flüssigkeitsrakete Aggregat 4 („V2“) in der Zeit des Nationalsozialismus sowie der späteren leitenden Tätigkeit beim Bau von Trägerraketen für die NASA-Missionen berühmt. Seine Mitverantwortung für den Tod von mindestens 12.000 Zwangsarbeitern und weiterer 8.000 Menschen durch die Herstellung und den Einsatz der V2 hat im Zuge der Vergangenheitsbewältigung eine einseitig positive Würdigung von Brauns beendet.
Friedrich Adam Hermann „Fritz“ Opel (ab 1917 von Opel; * 4. Mai 1899 in Rüsselsheim; † 8. April 1971 in Samedan, Schweiz) war ein deutscher Industrieller, Raketenpionier und Motorsportler aus der Familie Opel. Sein Spitzname war „Raketen-Fritz“.
Deutsche Raumfahrt
Deutsche Raumfahrt ist der Überbegriff über die Aktivitäten des Staates Deutschland oder einzelner Personen auf dem Gebiet der Weltraumfahrt. Das können die Erarbeitung theoretischer Grundlagen, aber auch die Konstruktion und Bau von Raketen oder Raumschiffe sein. Der Begriff umfasst mehrere Zeitepochen bzw. Gebiete: Waffentechnik des Mittelalters, Deutsches Reich (bis 1945), Bundesrepublik Deutschland (bis 1990), Deutsche Demokratische Republik (bis 1990) und Deutschland (ab 1990).
Inspiriert durch Hermann Oberths Buch „Die Rakete zu den Planetenräumen“ schrieb Max Valier 1924 mit Beratung durch Hermann Oberth das allgemeinverständliche Buch Der Vorstoß in den Weltenraum. Eine wissenschaftlich-gemeinverständliche Betrachtung. In der Literatur jener Zeit war Willy Ley mit seinen allgemein verständlichen Beiträgen und Büchern herausragend. Darüber hinaus entstanden auch weitere Fachbücher, darunter beispielsweise von
- Walter Hohmann (Die Erreichbarkeit der Himmelskörper 1925)
- Herman Potočnik (Das Problem der Befahrung des Weltraums – der Raketenmotor 1929),
- Eugen Sänger (Raketenflugtechnik 1933)
In den Jahren von 1927 bis 1934 versammelten sich im Verein für Raumschiffahrt (VfR) die meisten deutschen Raketenexperimentatoren. Der Verein brachte die Zeitschrift „Die Rakete“ (erste Fachzeitschrift für Raketentechnik und Raumfahrt) auf den Markt. Am 11. Juni 1928 wurde der erste bemannte Raketenflug mit dem von Feststoffraketen angetriebenen Segelflugzeug, genannt die Lippisch-Ente, unternommen. Max Valier entwickelte ab 1928 zusammen mit Fritz von Opel durch Feststoffraketen angetriebene Raketenautos, -schienenwagen und -schlitten. Valier starb 1930 bei der Explosion eines Flüssigkeitstriebwerks und gilt damit als erstes Todesopfer der Raumfahrt. 1928 begann Reinhold Tiling seine Experimente mit Feststoffraketen, die als Rakete starteten und mit ausklappbaren Flügeln landeten. Bei einer Triebwerksexplosion fand er 1933 den Tod. Auch die Filmindustrie widmete sich der Raumfahrt. So drehte der Regisseur Fritz Lang mit wissenschaftlicher Beratung durch Hermann Oberth 1929 den Stummfilm Frau im Mond. Der Film und die beständige Arbeit des Vereins für Raumschiffahrt sowie die allgemeinverständlichen Bücher von Valier und Ley lösten eine Begeisterung für Idee der Raumfahrt aus.
Auf dem technischen Gebiet der Flüssigkeitsrakete wurde am 23. Juli 1930 die von Hermann Oberth erfundene Kegeldüse in Berlin erfolgreich in Betrieb gesetzt und dessen Funktionstüchtigkeit durch ein wissenschaftliches Gutachten bestätigt. Von 1930 bis 1933 wurden von Rudolf Nebel und Klaus Riedel die Flüssigkeitsraketen der Serie Mirak (Minimumsrakete) entwickelt und auf dem von ihnen gegründeten Raketenflugplatz Berlin mit Attraktion für das Publikum fliegen gelassen. 1931 gelang auch Johannes Winkler der Durchbruch, auch seine ersten Flüssigkeitsraketen stiegen auf.
Mirak (Minimumsrakete) war die Bezeichnung der zu Beginn der 1930er Jahre vom Verein für Raumschiffahrt in Berlin entwickelten ersten Flüssigkeitsrakete. Die Mirak hatte eine Startmasse von 20 kg, einen Durchmesser von zehn Zentimeter und eine Länge von 3,5 m. Die Mirak wurde etwa 100 mal gestartet, allerdings endeten die meisten Flüge in einer Explosion. Nach Zündung des Flüssigkeitsantriebes auf Basis der Treibstoffkomponenten Flüssigsauerstoff und Benzin sollte die Rakete bis in eine Höhe von 500 m steigen und dann nach einem Ausbrennen mit einem Fallschirm zur Erde zurückkehren. Am 22. Juni 1932 scheiterte auf dem Heeresversuchsanstalt Kummersdorf der Start einer Mirak II, die zwischen dreieinhalb und acht Kilometer aufsteigen sollte. Daraufhin beendete das Heereswaffenamt die Finanzierung der Gruppe um Nebel.
Das Magdeburger Startgerät (10-L), auch als Magdeburger Pilotenrakete und 10-L (für die enthaltenen 10 Liter Flüssigtreibstoff) bezeichnet, sollte den ersten bemannten Raketenflug in der Geschichte sicherstellen. Die Entwickler waren Rudolf Nebel und Klaus Riedel. Trotz erfolgreicher Tests fand der ursprünglich für März 1933 geplante Flug mit dem Piloten Hans Hüter letztlich niemals statt. Nach mehreren Verzögerungen wurde das Projekt 1934 endgültig gestoppt, als die Nationalsozialisten sämtliche privaten Raketenversuche (unter die auch das Magdeburger Experiment fiel) untersagten. Die Aktivitäten des Vereins für Raumschifffahrt und am Raketenflugplatz Berlin befanden sich seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Frühjahr 1933 unter strenger Überwachung. Ende 1933 konfiszierte die Gestapo sämtliche Dokumente, im Juni 1934 wurden die Organisation und der Raketenflugplatz geschlossen. Seitdem waren private Raketenversuche verboten – alle Aktivitäten wurden ab sofort unter Schirmherrschaft der Wehrmacht in der Heeresversuchsanstalt Kummersdorf, später in der Heeresversuchsanstalt Peenemünde, weitergeführt.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden mehrere neue Raketentypen für das Militär entwickelt. Darunter waren die Großraketen
die unter der technischen Leitung von Wernher von Braun entwickelt worden sind, der ab 1928 Mitglied im Verein für Raumschiffahrt war. Ab dem Jahr 1937 übernahm er das Amt des technischen Leiters des Entwicklungsprogramms für militärische Raketen in der Heeresversuchsanstalt Peenemünde. Auch folgende Raketentypen wurden für das Militär gebaut.
- Rheintochter (Rakete) (Flugabwehrrakete)
- Rheinbote (Rakete)
- Wasserfall (Rakete) (Flugabwehrrakete)
- Enzian (Rakete) (Flugabwehrrakete)
- Henschel Hs 117 (Flugabwehrrakete)
siehe auch: Liste der Versuchsstarts der A4-Rakete
Um all diese Raketen zu testen und zu starten, wurde in Peenemünde eine Versuchsanstalt und der Prüfstand VII (Raketenstartrampe) errichtet. Später kam als Erweiterung der Forschungsanstalt der Flugplatz Peenemünde-West hinzu. Auftraggeber war hier das Heereswaffenamt am Standort „Kummersdorf-Gut“ der Wehrmacht. Produziert wurden diese Raketen vornehmlich im Dora-Mittelbau bei Nordhausen im Kohnstein.
Außerdem waren neben vielen anderen, folgende Personen an der Entwicklung dieser Raketen beschäftigt:
- Konrad Dannenberg
- Kurt Debus
- Walter Dornberger
- Krafft Ehricke
- Helmut Gröttrup
- Klaus Riedel
- Arthur Rudolph
- Ernst Steinhoff
- Ernst Stuhlinger
- Adolf Thiel
- Walter Thiel
Außer Helmut Gröttrup und Klaus Riedel wurden sie alle im Rahmen der Operation Overcast in die USA verbracht, um dort weitere Forschungen auf dem Gebiet der Raketentechnik anzustellen.
siehe auch: Raketen und Raketenflugzeuge im Zweiten Weltkrieg, Militär und Industrie entdecken die Raumfahrt, Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt, Deutsche Forschungsanstalt für Luftfahrt
Von 1930 bis 1933 wurde der Raketenflugplatz Berlin-Tegel (Reinickendorf) für zivile Zwecke von Rudolf Nebel und Klaus Riedel betrieben. Nach den ersten Erfolgen in Heeresversuchsanstalt Kummersdorf war das Militär nicht mehr an privaten Raketenentwicklungen interessiert und verbot im Frühjahr 1934 alle zivilen Raketen-Experimente. Die Wehrmacht betrieb in Kummersdorf bis 1945 ein Entwicklungs- und Erprobungszentrum für neue Waffensysteme und Ausrüstung. So entwickelte hier unter anderem Wernher von Braun – bis zur Verlegung nach Peenemünde 1936 – die Flüssigkeitsraketentriebwerke A1 und A2. In den Jahren von 1936 bis 1945 wurde in der Heeresversuchsanstalt Peenemünde auf der Insel Usedom das Aggregat 4 (V2-Rakete) entwickelt. Die HVA Peenemünde gilt als erster Weltraumbahnhof der Welt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in Cuxhaven von 1952 bis 1964 einige Raketenexperimente durchgeführt (siehe auch: Raketenstarts in Cuxhaven).
Die deutsche Firma OTRAG nutzte zwei Testgelände im Ausland. Dies war zum einen Kapani Tonneo (Shaba/Katanga) in Zaïre von 1988 bis 1992 und zum anderen von 1977 bis 1979 im Camp Tawiwa (Oase Seba) in Libyen.
Unternehmen Adlerflug ‘Aktion Adlerflug‘
Martin Bormanns kommerzielle Nachkriegskampagne – Bormann Organisation – die von alternden Nazis manchmal als Unternehmen Adlerflug ‘Aktion Adlerflug‘ bezeichnet wird – sicherte ihnen die Kontrolle über die Industrie- und Finanzinstitute, die die neue Bundesrepublik Deutschland zurück an die Spitze der Weltwirtschaftsführerschaft führen sollten. Mit Aktion Adlerflug oder Operation Adlerflug wurde ein enormer Reichtum übertragen, der es den Deutschen Nazionalsozialisten ermöglichte, Hunderte von Unternehmen in den USA und im Ausland zu kaufen, die sie dann als Frontoperationen nutzten, um ihre Agenda der Weltherrschaft voranzutreiben.
Die Bormann-Organisation, die wirtschaftliche und politische Komponente eines in den Untergrund gegangenen Dritten Reiches, kontrolliert die deutsche Wirtschaft und weite Teile der übrigen Welt. Gegründet und geleitet von Martin Bormann, dem Organisationsgenie und Strippenzieher im Hintergrund des nationalsozialistischen Deutschland.
Spinne (SS-Fluchthilfeorganisation)
Die Spinne war eine Fluchthilfeorganisation der SS. Die Spinne wurde angeblich um die Jahreswende 1948/1949 im österreichischen Internierungslager für ehemalige Nationalsozialisten in Glasenbach gegründet. Curt Riess berichtete 1949 über die Hintergründe Der Spinne in einer Artikelserie, in dieser fungierte Johann von Leers als führendes Mitglied der Spinne. In seinen Berichten handeln die NS-Verbrecher eigenständig, ohne Hilfe von alliierten Nachrichtendiensten und karitativen Organisationen. Das Thema wurde anlässlich des Bekanntwerdens von Fluchten von Nazi-Verbrechern variiert, teilweise, um die beteiligten Organisationen nicht zu nennen.
Organisation der ehemaligen SS-Angehörigen ‘O.D.E.S.S.A.‘
Hinter der Bezeichnung Organisation der ehemaligen/entlassenen SS-Angehörigen (ODESSA, Odessa, O.d.e.SS.A oder O.D.E.S.S.A.) verbirgt sich die Vorstellung, dass es eine gut organisierte, schlagkräftige Dachorganisation unter der Führung von Otto Skorzeny (laut US-Geheimbericht von 1947) gegeben habe, unter der sich ehemalige SS-Angehörige, wie z. B. Adolf Eichmann und andere Vertreter oder Sympathisanten des NS-Regimes, kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges zusammengeschlossen hätten. Angesichts des unabwendbaren Zusammenbruchs des NS-Staates habe man das Überleben ihrer Angehörigen nach Kriegsende sichern wollen, sei es durch Flucht nach z. B. Südamerika oder durch gegenseitige konspirative Unterstützung im besiegten Deutschland. Beweise für eine derartige Dachorganisation wurden nicht gefunden, allerdings sind andere Arten der Zusammenarbeit ehemaliger SS-Angehöriger bekannt, unter anderem die sogenannten Rattenlinien ins Ausland und die HIAG.
Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Angehörigen der ehemaligen Waffen-SS e. V. (HIAG)
Die Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Angehörigen der ehemaligen Waffen-SS e. V. (HIAG) wurde 1951 als „Traditionsverband“ in der Bundesrepublik Deutschland gegründet. Die Gründer, Funktionäre und Redner waren verschiedene Offiziere der Waffen-SS. Der Bundesverband löste sich 1992 auf, regionale Organisationen existieren aber vereinzelt weiter. Die HIAG wurde zeitweilig als rechtsextremistisch vom Verfassungsschutz beobachtet und war bei der Bevölkerung und in den Medien ab den 1960er Jahren zunehmend umstritten. Eines der erklärten Ziele der HIAG war die Änderung der gesellschaftlichen und juristischen Wahrnehmung der Angehörigen der Waffen-SS hin zu normalen Soldaten.
Rattenlinien
Rattenlinien (englisch ratlines) war die von US-amerikanischen Geheimdienst- und Militärkreisen geprägte Bezeichnung für Fluchtrouten führender Vertreter des NS-Regimes, Angehöriger der SS und der Ustascha nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Aufgrund einer aktiven Beteiligung hochrangiger Vertreter der katholischen Kirche an den Fluchtrouten trugen sie bis zur Beteiligung des US-amerikanischen Geheimdienstes den Namen „Klosterrouten“.
Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa 1945–1950
Die Flucht und Vertreibung Deutscher aus den deutschen Ostgebieten und aus Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa während und nach Ende des Zweiten Weltkrieges von 1945 bis 1950 umfasst große Teile der dort ansässigen deutschsprachigen Bevölkerungsgruppen. Sie betraf rund 12 bis 14 Millionen Deutsche in den Ostgebieten des Deutschen Reiches sowie in Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa. Sie war eine Folge der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und Kriegsverbrechen in Ostmitteleuropa und Südosteuropa während der Zeit des Nationalsozialismus und der Gebietsverluste des Deutschen Reiches, die die Siegermächte (USA, Sowjetunion, Großbritannien) auf der Potsdamer Konferenz 1945 festlegten.
Círculo Español de Amigos de Europa
Der Círculo Español de Amigos de Europa (CEDADE spanisch für: Spanischer Zirkel der Freunde Europas) war eine 1966 gegründete rechtsextreme spanische Organisation. Der CEDADE wird als die seinerzeit einflussreichste und aktivste europäische Neonazi-Organisation bezeichnet. 1993 wurde der CEDADE offiziell aufgelöst.
Paladin-Gruppe (faschistische Organisation)
Die Paladin-Gruppe (spanisch: Grupo Paladín) war eine rechtsextreme Organisation, die 1970 in Spanien vom ehemaligen Waffen-SS-Oberst Otto Skorzeny gegründet wurde. Sie verstand sich als militärischer Arm des antikommunistischen Kampfes während und nach dem Kalten Krieg. Es handelte sich um einen privaten Sicherheitsdienstleister, dessen Zweck darin bestand, Sicherheitskräfte anzuwerben und zu betreiben, um antikommunistische Länder zu schützen. Die Gruppe stand in reger Kommunikation mit Netzwerken von SS-Veteranen der Nachkriegszeit und kann als eines dieser Netzwerke angesehen werden, mit dem Unterschied, dass sie auch rechtsextremen Milizen Truppen und Ausbildung zur Verfügung stellte und an der Operation Condor teilnahm, bei der Fluchtwege für ehemalige SS-Männer geschaffen wurden, die sich Kriegsverbrechen schuldig gemacht hatten.
Vierte Reich
Das Vierte Reich (english: Fourth Reich) ist eine Umschreibung für ein Reich, das auf ein Drittes Reich folgt. Der Begriff wird verwendet, um das mögliche Fortbestehen des Regimes (z. B. in Südamerika) oder dessen Wiedererstarken, wie es von Neonazis angestrebt wurde, zu beschreiben. Der Begriff wird auch von linken Kommentatoren in den Vereinigten Staaten abwertend verwendet, um den Aufstieg des Rechtspopulismus zu beschreiben, und von Euroskeptikern, um den deutschen Einfluss auf die Europäische Union anzuprangern.
Rüstungsindustrie
Die Rüstungsindustrie – in Deutschland auch offiziell Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (SVI) genannt – ist ein spezieller Wirtschaftszweig. Er besteht aus Instituten, Organisationen und Unternehmen, die militärische Erzeugnisse, Ausrüstung und Material (vgl. auch Wehrmaterial) für Streitkräfte herstellen Weitere bekanntgewordenen Bezeichnungen sind Wehrtechnikindustrie (kurz: Wehrindustrie) oder Heeresindustrie und im Ausland die englisch defense industry, englisch armaments industry. Der Fokus dieser Industrie liegt dabei primär auf konventionellen Waffensystemen. Für die wirtschaftlichen Zusammenhänge in dieser speziellen Industrie, siehe die Rüstungswirtschaft oder Militärökonomie. Diese Industrie dient im Kern der Entwicklung- und Herstellung von Waffen im Rahmen der Wehrtechnik. Dies umfasst mobile und stationäre Waffensysteme sowie Munition für die staatliche Sicherheit und zur Landesverteidigung. Rüstung soll das militärische Potenzial eines Staats verstärken und wird auch als Aufrüstung bezeichnet. Sie unterliegt manchmal einer internationalen Rüstungskontrolle mit dem Ziel der Abrüstung (Rüstungsdynamik). Ein Teil dieser speziellen Verteidigungstechnologie findet sich auch in der Zivil- bzw. Privatwirtschaft wieder, beispielsweise in Form von Kommunikationstechnik, Sicherheitstechnik, Überwachungstechnik, Schutzausrüstung und vielem mehr. Wenn Rüstungsgüter für zivile und militärische Zwecke ausgelegt sind, spricht man auch von einer Dual-Use– oder Doppelnutzung, wobei auch zivile Unternehmen mitunter Technologie für militärische Zwecke bereitstellen. Dabei ist die Rüstungsindustrie aufgrund ihrer besonderen Produkte eng mit der Politik (vgl. auch Sicherheitspolitik) verbunden. In diesem Zusammenhang spricht man deshalb vom militärisch-industriellen Komplex (MIK).
Die Rüstungsindustrie (english: arms industry), auch bekannt als Verteidigungsindustrie oder Militärindustrie, ist ein globaler Wirtschaftszweig, der Waffen und andere militärische Technologien an verschiedene Abnehmer, darunter staatliche Streitkräfte sowie zivile Einzelpersonen und Organisationen, herstellt und verkauft. Zu den Produkten der Rüstungsindustrie gehören Waffen, Munition, Waffensysteme, Kommunikationssysteme, Elektronik und zugehörige Ausrüstung. Die Rüstungsindustrie bietet außerdem verteidigungsbezogene Dienstleistungen wie logistische und operative Unterstützung an. Viele Regierungen industrialisierter Länder unterhalten oder fördern aus politischen Gründen ein Netzwerk von Organisationen, Einrichtungen und Ressourcen zur Produktion von Waffen und Ausrüstung für ihre Streitkräfte (und mitunter auch für die anderer Länder). Dies wird oft als verteidigungsindustrielle Basis bezeichnet. Die an der Rüstungsproduktion für militärische Zwecke beteiligten Einrichtungen sind sehr vielfältig und umfassen private Unternehmen, staatliche Betriebe und Organisationen des öffentlichen Sektors sowie wissenschaftliche und akademische Institutionen. Diese Einrichtungen erfüllen ein breites Spektrum an Funktionen, darunter Forschung und Entwicklung, Konstruktion, Produktion und Wartung von militärischem Material, Ausrüstung und Anlagen. Die von ihnen produzierten Waffen werden häufig in Arsenalen hergestellt, gewartet und gelagert.
In einigen Regionen der Welt gibt es einen umfangreichen legalen Handel mit Schusswaffen für den privaten Gebrauch (häufig genannte Zwecke sind Selbstverteidigung und Jagd/Sport). Der illegale Handel mit Kleinwaffen findet in vielen Ländern und Regionen statt, die von politischer Instabilität betroffen sind.
Operation Overcast alias ‘Operation Paperclip‘
Die Operation Overcast (engl. overcast = bedeckt, wolkenverhangen) war ein militärisches Geheimprojekt der USA, um nach der Niederlage Nazi-Deutschlands am Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 deutsche Wissenschaftler und Techniker vor allem im Bereich der Luft- und Raumfahrttechnik zu rekrutieren und sich deren militärtechnisches Können und Wissen zu sichern. Ab März 1946 wurde stattdessen der Codename Operation Paperclip (engl. paperclip = Büroklammer) benutzt. Bis Mai 1948 brachten die USA im Rahmen der Operation Paperclip 1.136 Personen (492 Wissenschaftler, 644 Angehörige) aus Deutschland und Österreich in den USA. Später wurde der Begriff Project Paperclip allgemeiner für die Einbürgerung der Wissenschaftler und die Fortsetzung der Operation Overcast verwendet, und auch heute werden die Begriffe oft fälschlich vertauscht. Die Zwangsenteignung deutscher Patente und Reparationsleistungen (u. a. Demontage von Produktionsmitteln) gehörten nicht zu den Operationen Overcast und Paperclip.
Aktion Ossawakim
Als Aktion Ossawakim (eigentlich „Operation Ossoawiachim“, russisch Операция Осоавиахим Operazija Ossoawiachim) wird eine sowjetische Geheimoperation unter Leitung der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) durch Iwan Serow bezeichnet, bei der im Wesentlichen ab den frühen Morgenstunden des 22. Oktober 1946 mehr als 2500 ausgewählte deutsche Fachkräfte (russisch Специалисты; also Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker, die auf Spezialgebieten tätig waren) aus militär- und wirtschaftspolitisch relevanten Betrieben und Institutionen der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands (SBZ) und dem sowjetischen Sektor von Berlin sowie weitere ca. 4000 Familienangehörige zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion verschleppt wurden. Mit ihrem Vorgehen verstieß die Sowjetunion gegen die Kontrollratsproklamation Nr. 2 (Zusätzliche an Deutschland gestellte Forderungen) vom 20. September 1945, die festgelegt hatte, dass die Auswahl der zu Reparationsleistungen ins Ausland verschickten deutschen Arbeitskräfte und die entsprechenden Maßnahmen von deutschen Behörden so, wie sie „von den Alliierten Vertretern angeordnet“ wurden, durchzuführen seien. Diese Verletzung alliierter Bestimmungen hatte am 24. Oktober 1946 einen Protest des britischen Vertreters in der Alliierten Kommandantur zur Folge, der mit Zustimmung des amerikanischen und französischen Vertreters an den Alliierten Kontrollrat weitergeleitet wurde. Die Aktion Ossawakim diente der Absicherung des Know-how-Transfers und wird in Russland als „Ausländische Experten in der UdSSR“ (Иностранные специалисты в СССР) umschrieben. Teilweise wurden die Familien der Betroffenen sowie deren Mobiliar mit verlagert. Die Jahre in der Sowjetunion verliefen ohne Arbeitsverträge und oft ohne Legitimation durch Personaldokumente.
Private Raumfahrt
Als private Raumfahrt werden Flüge im Weltraum bezeichnet, die von nichtstaatlichen Organisationen beauftragt oder durchgeführt werden. Heutzutage bieten viele kommerzielle Transportunternehmen rund um die Welt Startdienste in den Weltraum für private und staatliche Kunden an.
OTRAG
Die OTRAG (Orbital Transport- und Raketen Aktiengesellschaft) war eine deutsche Firma, die in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren an einem alternativen Raketenantriebssystem arbeitete. Das Unternehmen zählte somit zu den Pionieren der nichtstaatlichen Raumfahrt.
Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH (MBB)
Die Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH (MBB) gehörte zu den größten deutschen Luft- und Raumfahrt- sowie Rüstungskonzernen. Zu ihren bekanntesten Produkten zählen die Hubschraubertypen Bo 105 und BK 117. Im Jahr 1989 übernahm die Daimler-Benz-Tochter DASA die MBB. Die heutige MBB SE ist kein Nachfolgeunternehmen der „alten“ MBB, sondern bekam ihren Namen durch die Übernahme eines ehemaligen Tochterunternehmens (MBB Gelma Industrieelektronik GmbH).
HyImpulse
HyImpulse Technologies, kurz HyImpulse, ist ein deutsches Raumfahrtunternehmen mit Sitz in Neuenstadt am Kocher, das Raketen mit Hybridantrieb entwickelt. Das Unternehmen entstand 2018 als Ausgründung des Zentrums für chemische Antriebe des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) in Lampoldshausen. Finanziert wird HyImpulse von Rudolf Schwarz, dem Vorsitzenden des deutschen Technologieunternehmens IABG.
Airbus SE
Die Airbus SE (von 2000 bis 2013 EADS für European Aeronautic Defence and Space) ist Europas größter Luft- und Raumfahrt– sowie (nach BAE Systems) zweitgrößter Rüstungskonzern. Mit einem Umsatz von rund 52 Milliarden Euro war Airbus im Jahr 2021 das drittgrößte Luft- und Raumfahrtunternehmen der Welt. Zum Jahreswechsel 2013/14 übernahm der Konzern den Namen seiner Tochtergesellschaft Airbus S.A.S., die als Flugzeughersteller im Bereich Verkehrsflugzeuge tätig ist. Das Unternehmen beschäftigt an mehr als 70 Entwicklungs- und Produktionsstandorten in Europa sowie in 35 Außenbüros weltweit rund 157.000 Mitarbeiter (Stand 2024). Seit der Gründung im Jahr 2000 werden die Aktien des Konzerns an den Börsen Paris und Frankfurt gehandelt und in den französischen Leitindex CAC 40 sowie seit dem 20. September 2021 in den DAX einbezogen.
“Die Raketen, die einst London bombardierten, steuern heute Satelliten, die unseren Alltag überwachen“ Zitat: Spencer X
Abschiedsrede von Dwight D. Eisenhower
Die letzte öffentliche Rede Dwight D. Eisenhowers als 34. Präsident der Vereinigten Staaten wurde am 17. Januar 1961 im Fernsehen übertragen. Bekannt wurde er vor allem durch seinen Appell, die Nation vor dem potenziellen Einfluss des militärisch-industriellen Komplexes zu schützen. In dieser Rede äußerte er auch Bedenken hinsichtlich der Zukunftsplanung und der Gefahren massiver Ausgaben, insbesondere Defizitfinanzierung, der drohenden Dominanz der Wissenschaft durch staatliche Fördermittel und umgekehrt der Dominanz einer von ihm so genannten „wissenschaftlich-technologischen Elite“ in der wissenschaftsbasierten Politik. Eisenhower selbst spielte eine bedeutende Rolle bei der Entstehung dieser „Elite“ und ihrer Machtposition, weshalb seine Warnung davor eine gewisse Ironie birgt. Diese Rede und Eisenhowers Rede „Chance für den Frieden“ gelten als die Eckpfeiler seiner Amtszeit.
Militärisch-Industrieller Komplex
Der Begriff militärisch-industrieller Komplex (MIK) (english: military–industrial complex (MIC)) wird in gesellschaftskritischen Analysen zur Beschreibung der engen Zusammenarbeit und der gegenseitigen Beziehungen zwischen Politikern, Vertretern des Militärs sowie Vertretern der Rüstungsindustrie verwendet. In den USA gelten Denkfabriken, wie zum Beispiel PNAC, als mögliche weitere involvierte Interessengruppe.
Abschiedsrede von Joe Biden
Joe Bidens Abschiedsrede war die letzte offizielle Rede von Joe Biden als 46. Präsident der Vereinigten Staaten und wurde am 15. Januar 2025 im Oval Office gehalten.
Technologie-Industrie-Komplex
Biden prägte den Begriff „Tech-Industrie-Komplex“ in seiner Abschiedsrede. US-Präsident Joe Biden verwendete diesen Begriff in seiner Abschiedsrede an die Nation am 15. Januar 2025. Er spielte damit auf Dwight D. Eisenhowers Warnung vor dem militärisch-industriellen Komplex in dessen Abschiedsrede an und, wie Politico es beschrieb, auf Roosevelts Worte gegen die „Raubritter“ eines neuen dystopischen Zeitalters an. Seit Elon Musk Twitter gekauft hat, gibt es weit verbreitete Vorwürfe, das soziale Netzwerk manipuliere seinen Algorithmus, um rechte Inhalte zu fördern und linke zu unterdrücken. Ein Biden-Berater wich der Frage aus, ob Biden sich auf Elon Musk beziehe, sagte aber, der Milliardär sei „sicherlich ein Beispiel dafür“. Diese Äußerungen fielen in eine Zeit, in der große Spenden von Tech-Managern für Donald Trumps zweite Amtseinführung erfolgten und deren Verhalten als Zeichen der Unterwürfigkeit gegenüber dem designierten Präsidenten gewertet wurde. Dies geschah zudem inmitten des rasanten Kursanstiegs der Aktien der „Magnificent Seven“, sieben Technologieunternehmen, deren Gesamtwert im Jahr 2024 um 46 % stieg und damit den S&P 500-Aktienindex deutlich übertraf. Zu den weiteren führenden Köpfen der Technologiebranche, die dem Technologie-Industrie-Komplex zugeordnet werden, zählen Mark Zuckerberg, Jeff Bezos, Satya Nadella, Sundar Pichai, Shou Zi Chew, Tim Cook und Vivek Ramaswamy.
Industriekomplex
Der Industriekomplex ist ein sozioökonomisches Konzept, in dem Unternehmen in soziale oder politische Systeme oder Institutionen eingebunden sind und aus diesen Systemen eine gewinnorientierte Wirtschaft generieren oder stärken. Ein solcher Komplex verfolgt seine eigenen Interessen, oft ungeachtet und auf Kosten der Interessen von Gesellschaft und Individuen. Unternehmen innerhalb eines Industriekomplexes wurden zwar mitunter gegründet, um ein soziales oder politisches Ziel zu fördern, profitieren aber meist, wenn dieses Ziel nicht erreicht wird. Der Industriekomplex kann finanziell oder ideologisch von der Aufrechterhaltung sozial schädlicher oder ineffizienter Systeme profitieren. Nahezu alle Institutionen in Sektoren wie Landwirtschaft, Medizin, Unterhaltung, Medien, Bildung, Justiz, Sicherheit und Transportwesen begannen, sich nach kapitalistischen, industriellen und bürokratischen Modellen neu zu konzipieren und umzustrukturieren, um Gewinn, Wachstum und andere Ziele zu erreichen. Laut Steven Best sind all diese Systeme miteinander verknüpft und verstärken sich gegenseitig. Das Konzept des militärisch-industriellen Komplexes wurde mittlerweile auch auf die Unterhaltungs- und Kreativwirtschaft ausgeweitet. Matthew Brummer beschreibt beispielsweise Japans „Manga-Militär“ und wie das Verteidigungsministerium die Popkultur und die damit einhergehende „Moe“-Kultur nutzt, um die öffentliche Meinung im In- und Ausland zu beeinflussen. James Der Derian prägte den Begriff „Militärisch-Industrielles Medien-Unterhaltungsnetzwerk“, um die Wechselwirkungen zwischen dem militärisch-industriellen Komplex und der Unterhaltungsindustrie zu beschreiben. Ray McGovern erweiterte diese Bezeichnung zum „Militärisch-Industriellen Kongress-Geheimdienst-Medien-Wissenschaft-Think-Tank-Komplex“.
In vielen Fällen bezeichnet der Begriff „Industriekomplex“ einen Interessenkonflikt zwischen dem vorgeblichen soziopolitischen Zweck einer Institution und den finanziellen Interessen der Unternehmen und Regierungsbehörden, die von der Verfolgung dieses Zwecks profitieren, wenn die Erreichung des erklärten Zwecks für diese Unternehmen zu finanziellen Verlusten führen würde. Beispielsweise besteht der vorgebliche Zweck des US-amerikanischen Strafvollzugssystems darin, Straftätern zu helfen, gesetzestreue Bürger zu werden. Der Gefängnis-Industriekomplex hingegen lebt von hohen Gefangenenzahlen und profitiert somit vom Scheitern des Strafvollzugssystems bei der Erreichung seines Ziels der kriminellen Resozialisierung und Wiedereingliederung. In solchen Fällen wird oft angenommen, dass Regierungsbehörden finanziell von der institutionellen Industrialisierung profitieren, was möglicherweise ihre Motivation untergräbt, solche Institutionen auf eine Weise zu regulieren, die dem Gemeinwohl dienen könnte. Der Begriff „Industriekomplex“ wird informell auch verwendet, um die künstliche Schaffung, Aufblähung oder Manipulation des gesellschaftlichen Wertes einer Institution zu bezeichnen, um die Gewinnmöglichkeiten zu erhöhen, insbesondere durch spezialisierte Unternehmen und Nischenprodukte. Ein Beispiel hierfür ist der „Hochzeitsindustriekomplex“, in dem die Nachfrage nach Brautkleidmachern, Hochzeitslocations, Hochzeitsplanern, Hochzeitstortenbäckern, Hochzeitsverleihfirmen, Hochzeitsfotografen usw. durch die wahrgenommene soziale Notwendigkeit einer aufwendigen Hochzeitszeremonie geschaffen wird.
Militärisch-Industrielle Medienkomplex
Der militärisch-industrielle Medienkomplex ist ein Ableger des militärisch-industriellen Komplexes. Organisationen wie Fairness and Accuracy in Reporting (FAR) werfen diesem Komplex vor, seine Medienressourcen zur Förderung des Militarismus zu nutzen. Laut FAR-Theorie kommt dies den Rüstungsressourcen der Unternehmen zugute und ermöglicht eine kontrollierte Darstellung bewaffneter Konflikte. So kann die Berichterstattung manipuliert werden, um die gesteigerte Effektivität von Waffensystemen hervorzuheben und zivile Opfer zu verschweigen oder deren Bedeutung herunterzuspielen. Beispiele hierfür sind die Berichterstattung über den Golfkrieg, die NATO-Bombardierung Jugoslawiens und den Irakkrieg. Es ist gängige Praxis von Rüstungsunternehmen und Waffenherstellern, ehemalige Militärangehörige als Mediensprecher einzusetzen. Im Jahr 2008 stellte die New York Times fest, dass gegen etwa 75 Militäranalysten – viele mit Verbindungen zur Rüstungsindustrie – vom Government Accountability Office und anderen Bundesbehörden ermittelt wurde, weil sie an einer jahrelangen Kampagne beteiligt gewesen sein sollen, um sie dazu zu bewegen, in den Medien zu „Vertretern“ der Militärpolitik der Bush-Regierung zu werden.
Anarchist Marxist: Auf den Punkt.
Vagabund – Alternative Berichterstattung [The Anarchist Marxist – AM]
Es klingt wie ein schlechter Science-Fiction-Roman – doch die Fakten sind erschreckend real. Es ist eine der bestgehüteten Geheimnisse der Nachkriegszeit: Was als „Organisation der ehemaligen SS-Angehörigen“ (O.D.E.S.S.A.) und „Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Waffen-SS“ (H.I.A.G.) begann, war kein Relikt der Vergangenheit, sondern der Grundstein für ein Netzwerk, das bis heute die Fäden zieht. Nach 1945 wurden Tausende deutsche Wissenschaftler – darunter Wernher von Braun, Arthur Rudolph und Walter Dornberger – im Rahmen der Operation Paperclip in die USA und durch die Aktion Ossawakim in die UdSSR verschleppt. Offiziell, um Raketen zu bauen. Inoffiziell, um ein System zu schaffen, das Militär, Industrie und Politik auf ewig verknüpft.
Dokumente belegen, wie deutsche Raketenpioniere, SS-Netzwerke und der militärisch-industrielle Komplex im Geheimen ein interplanetares Imperium schufen – während wir auf der Erde über Klimawandel und Social Media streiten.
Doch Eisenhowers Warnung kam zu spät. Die Deutschen brachten nicht nur Raketen, sondern auch ihre Netzwerke mit. Ehemalige SS-Offiziere, Industrielle und Wissenschaftler formten in den USA und Europa eine „wissenschaftlich-technologische Elite“, die bis heute über Rüstung, Raumfahrt und globale Sicherheit entscheidet. Joe Biden warnte 2025 vor dem „Tech-Industrie-Komplex“ – doch er erkannte nicht, dass dieser Komplex längst mit dem MIK verschmolzen ist. Die gleichen Strukturen, die einst Raketen bauten, kontrollieren heute KI, Social Media und die digitale Infrastruktur unserer Welt.
Weil der MIC auch die Medien kontrolliert. Von den „Rattenlinien“ der Nachkriegszeit, über die die Nazis nach Südamerika flohen, bis zu den heutigen „Militärisch-Industriellen Medien-Unterhaltungsnetzwerken“ (MICIMATT) – die Narrative werden gesteuert.
Wir leben in einer Illusion der Demokratie
Die deutsche Raumfahrtgeschichte ist keine harmlose Erzählung von Pionieren und Fortschritt. Sie ist die Geschichte eines Systems, das überlebt hat – und sich angepasst hat. Die Frage ist nicht, ob es eine Weltregierung gibt. Die Frage ist, wer sie bildet – und warum wir sie nicht sehen.
„Sie haben uns beigebracht, nach oben zu schauen – zu den Sternen. Doch während wir träumen, bauen sie ihr Imperium.“ Zitat: Ein anonymer Whistleblower aus der Rüstungsindustrie
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