
August Karl Engelhardt (* 27. November 1875 in Nürnberg; † 6. Mai 1919 auf Kabakon, heute Papua-Neuguinea) war ein Deutscher, der eine neue religiöse Gemeinschaft mit dem Namen Sonnenorden – Aequatoriale Siedlungsgemeinschaft gründete. Er entwickelte darin den Kokovorismus, eine Ernährungsweise, in deren Zentrum der Verzehr der Kokosnuss steht.
Ab 1909 wurde Engelhardt zu einer lebenden kuriosen Sehenswürdigkeit für Touristen, die Deutsch-Neuguinea besuchten. Die Plantage, seit 1909 betrieben als Firma Engelhardt & Co., bewirtschaftete er zusammen mit seinem Verwalter Wilhelm Bradtke. 1910 versuchte er, ein Grundstück von 50 Hektar auf der Insel Towalik (westlich von Kabakon) als sein Eigentum im Grundbuch eintragen zu lassen. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde Engelhardt zunächst 1915 in Rabaul interniert, konnte aber bald auf das nun australisch besetzte Kabakon zurückkehren. Seine Kokosplantage hatte er an Wilhelm Mirow, einen Deutschen mit australischer Ehefrau, verpachtet und widmete sich dem Studium einheimischer Heilpflanzen und der Homöopathie.
Engelhardt starb Anfang Mai 1919 abgemagert an Malaria, seine Leiche wurde am 6. Mai aufgefunden; seine Grabstätte ist unbekannt. Sein nachfolgender Pächter schüttete seine Bibliothek ins Meer. Mirow wurde am 26. Juli 1919 zum Testamentsvollstrecker ernannt, agierte jedoch unredlich. Durch das australische Enteignungsgesetz über deutsches Vermögen (expropriation ordinance) fiel das verbliebene Vermögen von sechs Pfund am 6. Mai 1920 dem australischen Staat anheim.
Kabakon
Der Bismarck-Archipel (bis 1884: Neubritannien-Archipel oder New Britain Archipelago) liegt im westlichen Pazifik und gehört zu Papua-Neuguinea. 1885 wurde er in Bismarck-Archipel umbenannt, zu Ehren des ersten Kanzlers des Deutschen Reiches Otto von Bismarck. Von 1884 bis 1914 war er ein Teil der deutschen Kolonie Deutsch-Neuguinea. Seit 1946 wurde der Archipel zusammen mit Ost-Neuguinea Treuhandgebiet der UNO und in deren Auftrag von Australien verwaltet, seit 1949 als gemeinsames Territorium Papua und Neuguinea Mandatsgebiet. Im Dezember 1973 erhielt Papua-Neuguinea die Autonomie.
Kabakon ist eine Insel der Duke-of-York-Inseln, einer Inselgruppe im zu Papua-Neuguinea gehörenden Bismarck-Archipel.
Die Insel – oder zumindest ein großes Grundstück auf ihr – wurde zur Jahresmitte 1879 durch den Naturforscher Theodor Kleinschmidt erworben. Verkäufer waren einige Stammesangehörige der Nachbarinsel Utuan, die auf Kabakon Land hielten. Als Beleg gilt ein Privatbrief an Rev. Benjamin Danks, in dem Kleinschmidt unter dem 5. Januar 1880 über den von ihm getätigten Kauf von „Kambe Kounae (Kapakon)“ berichtet. Laut anderen Quellen erwarb Kleinschmidt das nordöstliche Ulu.
Zu deutschen Kolonialzeiten befanden sich auf Kabakon ♁(Lage) Kokosplantagen. 1902 ließ sich August Engelhardt auf dem Eiland nieder und gründete eine Gemeinschaft mit dem Namen „Sonnenorden – Aequatoriale Siedlungsgemeinschaft“. Der Sonnenorden trat für den ausschließlichen Verzehr von Kokosnüssen und für Nudismus ein. Teilweise soll der Orden bis zu 30 Mitglieder gezählt haben. Der Sonnenorden und die Kokosdiät wurden in Deutschland mit Prospekten beworben: „Nackter Kokovorismus ist Gottes Wille. Die reine Kokosdiät macht unsterblich und vereinigt mit Gott.“ Viele deutsche Zivilisationsflüchtlinge, die dem Ruf Engelhardts folgten, erkrankten jedoch oder verstarben bald nach ihrer Ankunft auf Kabakon. Andere kehrten entmutigt in ihre Heimat zurück. Die letzten Sonnenanbeter verließen nach dem Ersten Weltkrieg die Insel. Engelhardt selbst starb 1919 auf Kabakon.
Flugzeug absturz auf Kabakon
Es gibt keine Berichte über Schiffbrüchige oder Überlebende, die auf Kabakon gestrandet wären, im Gegensatz zu anderen Pazifikinseln, wo solche Fälle bekannt sind. Jedoch am 11. August 2009 stürzte eine DHC-6-300 Twin Otter der Fluggesellschaft Airlines PNG (heute PNG Air) auf dem Flug von Port Moresby zum Kokoda Track in Papua-Neuguinea ab. Das Flugzeug kollidierte mit einem Berg in einer Höhe von etwa 1.700 Metern, etwa 11 Kilometer südöstlich des Flugplatzes Kokoda. An Bord befanden sich zwei Piloten und elf Passagiere, darunter neun Australier und ein Japaner. Keiner der 13 Insassen überlebte den Absturz. Das Wrack liegt seitdem im Dschungel nahe Kabakon und ist auf Satellitenbildern sichtbar.
(https://maps.app.goo.gl/zx13fPB1DWUoQvsP6)
Imperium (Kracht)
Imperium ist der Titel eines 2012 erschienenen, zwischen Persiflage und Pastiche oszillierenden Romans des Schweizer Schriftstellers Christian Kracht. Er erzählt die tragikomische Geschichte des deutschen Aussteigers August Engelhardt, der sich 1903 auf der Insel Kabakon im damaligen deutschen Kolonialgebiet Deutsch-Neuguinea ansiedelte, um dort eine Kokosplantage zu bewirtschaften und einen natur-religiösen „Sonnenorden“ zu gründen. Der fanatisch-missionarische Vegetarier und Vertreter einer alternativen Lebensweise verehrte die Kokosnuss als eine göttliche Frucht und proklamierte den Kokovorismus als die ideale Ernährungs- und Lebensgrundlage der Menschen.
Emma Kolbe ‘Queen Emma’
Emma Eliza Kolbe, geboren als Emma Eliza Coe, später durch Heirat Emma Eliza Forsayth, dann Emma Eliza Farrell, auch Queen Emma genannt (* 26. September 1850 auf Savaiʻi – nach anderen Quellen in Apia auf Upolu[1] – Samoa; † 21. Juli 1913 in Monte Carlo), war eine samoanisch–amerikanische Geschäftsfrau und Plantagenbesitzerin. Sie war eine der wohlhabendsten, aber auch skandalösesten Unternehmerinnen ihrer Zeit und speziell im Südseeraum.
Kracht lässt in seinem Roman neben Engelhard die historischen Personen Hahl, Solf und Emma Kolbe und zwei Sonnenorden-Anhänger, Heinrich Aueckens und Max Lützow, auftreten, verändert aber ihre Biographie in Verbindung mit fiktiven Personen und Handlungen: z. B. heiratete Max Lützow nicht die reiche Plantagenbesitzerin. Sie war zu diesem Zeitpunkt mit ihrem dritten Mann Paul Kolbe verheiratet. Lützow erkrankte schwer auf Kabakon und wollte im Februar 1905 das Hospital in Herbertshöhe aufsuchen; er gelangte jedoch in stürmischer See nur bis zur Insel Lamassa, wo er entkräftet starb.
Max Lützow

August Engelhardt (stehend) und Max Lützow
Lützow (früher auch Lützau) ist der Name eines alten mecklenburgischen Adelsgeschlechts mit gleichnamigem Stammhaus (heute Dreilützow, Ortsteil der Gemeinde Wittendörp im Amt Wittenburg des Landkreises Ludwigslust-Parchim (Mecklenburg-Vorpommern), nordöstlich der Ortslage der Stadt Wittenburg), das in zwei Linien – Mecklenburg/Preußen und Österreich/Böhmen – geteilt ist.
Max Lützow war ein damals sehr bekannter und erfolgreicher Musiker in Deutschland. Er wirkte als Dirigent, Violinist und Pianist. Seine Karriere war jedoch von einer tiefen Zivilisationsmüdigkeit geprägt. Er suchte nach einem Ausweg aus der als entfremdet empfundenen modernen Gesellschaft und nach einem Leben, das in Einklang mit der Natur stand. Diese Suche führte ihn zu den Ideen von August Engelhardt.
Max Lützows Geschichte ist ein warnendes und gleichzeitig faszinierendes Beispiel dafür, wie weit Menschen gehen können, um ihren Idealen zu folgen – und wie tragisch das Ende sein kann, wenn diese Ideale die Realität ignorieren. Seine briefe aus dem Paradies, das schnell zur Hölle wurde, erzählen eine Geschichte über Wahn, Sehnsucht und den menschlichen Willen zur Selbstzerstörung im Namen einer vermeintlich höheren Bestimmung.
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