Deutsche Schrift

Deutsche Schreibschrift
Übungen in deutscher Schreibschrift in einem Schulheft des ersten Schuljahres (1953)

Die Bezeichnung deutsche Schrift wird entweder als Sammelbegriff für einige gebrochene Schriften verwendet, mit denen vom 16. bis zum 20. Jahrhundert deutsche Texte bevorzugt geschrieben und gedruckt wurden, oder dient als Name einer dieser Schriften. In Bezug auf Schreibschrift wird auch die Bezeichnung deutsche Schreibschrift, je nach Zusammenhang sowohl als Sammelbegriff als auch als Einzelname verwendet.

Runen

Der Runenstein von Rök (Südschweden), 9. Jahrhundert
Runen auf dem Taufbecken von Burseryd

Als Runen bezeichnet man die alten Schriftzeichen der Germanen. Der Sammelbegriff umfasst Zeichen unterschiedlicher Alphabete in zeitlich und regional abweichender Verwendung.

Runen können einerseits als Zeichen für jeweils einen Laut geschrieben werden (Alphabetschrift), andererseits stehen sie als Zeichen für die jeweiligen Begriffe, deren Namen sie tragen. Daneben können sie Zahlen darstellen oder als magisches Zeichen verwendet werden. Die Entwicklung der Zeichenformen zielte nicht auf eine flüssige Gebrauchsschrift ab. Abgesehen von einer kurzen Phase im hochmittelalterlichen Skandinavien wurde die Runenschrift nicht zur Alltagskommunikation verwendet.

Textura 

Textura in einer Handschrift des Sachsenspiegels, frühes 14. Jahrhundert. Heidelberg, Universitätsbibliothek, Cod. Pal. Germ.167, fol. 2r

Die Textura (von lateinisch textura „Gewebe“) oder Textualis („Textschrift“), nach ihrem gitterförmigen Aussehen früher auch Gitterschrift genannt, ist eine im Hochmittelalter entstandene nichtkursive Buchschrift. Sie ist kalligraphisch ausgeformt und zählt zur Gruppe der gebrochenen Schriften. Unter den „gotischen Schriften“, die sich im 12. Jahrhundert durchsetzten und dann das spätmittelalterliche Schriftwesen prägten, ist die Textura eine der bekanntesten. Später spielte sie auch im Buchdruck eine wichtige Rolle.

Antiqua-Fraktur-Streit

Vergleich runder und gebrochener Schriftarten

Der Antiqua-Fraktur-Streit war eine politische Auseinandersetzung im Deutschland des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts über den Stellenwert gebrochener Schriften für die geschriebene deutsche Sprache.

Im weiteren Sinne ist der gesamte etwa 200-jährige Übergangsprozess gemeint, in dem die Antiqua die gebrochenen Schriften als Alltagsschrift ablöste. In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde deutsche Sprache ausschließlich in gebrochenen Schriften geschrieben. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren die gebrochenen Schriften fast vollständig aus dem Alltag verschwunden. Bei den Buch- und Druckschriften erfolgte die Ablösung – mit gewissen Modeschwankungen – allmählich über den gesamten Zeitraum. Dagegen wurde über Schreibschriften und Schullehrpläne zwar lange gestritten, die tatsächliche Umstellung erfolgte aber beschleunigt ab dem Jahr 1941, bedingt durch den Normalschrifterlass.

Deutsches Alphabet

Buchstaben des deutschen Alphabets in Fraktur (mit Varianten und Ligaturen), etwa 1750. J wurde seinerzeit noch nicht als vom I verschiedener Buchstabe angesehen (anders als beispielsweise im englischsprachigen Bereich).

Das deutsche Alphabet ist das Alphabet, das zur Schreibung der deutschen Sprache verwendet wird. Es ist in DeutschlandÖsterreich, der Schweiz sowie in Liechtenstein und Luxemburg in Gebrauch, darüber hinaus in Ländern mit deutschsprachigen Minderheiten wie Belgien (Eupen und Malmedy), Dänemark (Nordschleswig), Italien (Südtirol), Polen (Oberschlesien) und in Namibia.

Das deutsche Alphabet ist eine Erweiterung des lateinischen Alphabets. Im heutigen standardisierten Gebrauch umfasst es die 26 Grundbuchstaben des lateinischen Alphabets, die drei Umlaute (Ä, Ö, Ü) sowie das Eszett (ß). In der Schweiz und in Liechtenstein wird das ß jedoch heute nicht mehr verwendet (stattdessen wird ss geschrieben). Das große Eszett (ẞ) wurde erst 2017 Bestandteil der amtlichen deutschen Rechtschreibung.

Sowohl in der Schreibung von Mundarten wie in historischen Dokumenten werden und wurden darüber hinaus zahlreiche Buchstabenvarianten und auch weitere Buchstaben gebraucht. Das Gleiche gilt für die Schreibung von Fremdwörtern, z. B. kommen é und è mit Akzent in französischen Fremdwörtern häufig vor.

Deutsche Kurrentschrift

Brief Goethes (1802)
Alphabet der Kurrentschrift, um 1865 (die vorletzte Zeile zeigt Umlaute, die letzte Zeile zeigt Ligaturen:
ch, ck, th, sch (ſch), ß (ſz) und st (ſt))
Gotisk skrift (dänische Kurrent) um 1800, mit Æ und Ø am Ende des Alphabets

Die deutsche Kurrentschrift (lateinisch currere „laufen“), auch und insbesondere im Ausland nur als Kurrent bezeichnet, ist eine Schreibschrift. Sie war etwa seit Beginn der Neuzeit bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts (in der Schweiz bis Anfang des 20. Jahrhunderts) die allgemeine Verkehrsschrift im gesamten deutschen Sprachraum. Sie wird auch deutsche Schreibschrift oder deutsche Schrift genannt. Der Begriff „deutsche Schrift“ kann sich jedoch auch auf bestimmte gebrochene Satzschriften beziehen.

Ausgangsschrift

Schweizer Schulschrift (von 1947)
Italienische Schulschrift (von 1970)

Eine Ausgangsschrift ist ein Schriftmuster, das der optischen Orientierung für das manuelle Schreibenlernen in der Schule dient. Im Sinne eines Leit- oder Vorbildes unterstützt es bildhaft-anschaulich den anspruchsvollen Prozess der Entwicklung von Fähigkeiten und Fertigkeiten im handschriftlichen Schreiben als Teil des Schriftspracherwerbs, einer Kulturtechnik.

Ausgangsschriften werden als Alphabete (Großbuchstaben und Kleinbuchstaben) dargestellt, die im Allgemeinen durch Ziffern und Satzzeichen ergänzt werden. Für detaillierte Angaben zur Bewegungsausführung und zur Gestaltung von einzelnen Buchstaben und deren Eingliederung in Wörter werden meist verschiedene Lernmaterialien wie Schreibübungsblätter oder entsprechende Hefte bereitgestellt.

Sütterlinschrift

Deutsche Sütterlinschrift

Die Sütterlinschrift, oft einfach Sütterlin genannt, ist eine im Jahr 1911 im Auftrag des preußischen Kultur- und Schulministeriums von Ludwig Sütterlin entwickelte Ausgangsschrift für das Erlernen von Schreibschrift in der Schule.

Dazu stilistisch entsprechend die von Sütterlin entwickelte lateinische Ausgangsschrift
Sütterlinschrift, Buchstabenformen. Letzte Zeile: die Form des Umlautzeichens über äöüÄÖÜ entspricht der des Buchstabens e; die Form des Buchstabens ß lässt die Ableitung von ſz noch erahnen; überstrichene m und n zu Schreibung von verdoppelten mm und nnSchluss-s.

Die deutsche Sütterlinschrift ist eine spezielle Form der deutschen Kurrentschrift für Schreibanfänger. Daneben entwickelte Ludwig Sütterlin auch eine stilistisch entsprechende lateinische Ausgangsschrift, die jedoch nicht als Sütterlinschrift bezeichnet wird.

Die deutsche Sütterlinschrift wurde ab 1915 in Preußen eingeführt. Sie begann in den 1920er Jahren die bis dahin übliche Form der deutschen Kurrentschrift abzulösen und wurde 1935 in einer abgewandelten Form (leichte Schräglage, weniger Rundformen) als Deutsche Volksschrift ein Teil des offiziellen Lehrplans.

In der Folge des Normalschrifterlasses wurde mit einem Rundschreiben vom 1. September 1941 das Lehren von Kurrentschrift im Schulunterricht untersagt. Zuvor war bereits am 3. Januar 1941 die Verwendung gebrochener Druckschriften (Frakturtypen) untersagt worden. Als Ausgangsschrift wurde ab 1942 in den Schulen die lateinische Schrift in einer Variante, die Deutsche Normalschrift genannt wurde (Proportionen 2:3:2, Schrägstellung, Ovalformen), eingeführt.

Nach 1945 hatte der Normalschrifterlass des NS-Regimes keine Gültigkeit mehr. Trotzdem blieb die lateinische Schreibschrift die Standardschreibschrift an Schulen. Kurrentschrift wurde an west- und ostdeutschen Schulen lediglich teilweise zusätzlich zur lateinischen Ausgangsschrift gelehrt. Dies endete in den 1980er Jahren, als die älteren Generationen, die die Kurrentschrift noch gut beherrschten und teilweise aus Gewohnheit weiter verwendeten, aus dem Berufsleben ausgeschieden waren und die Schrift so weitgehend außer Gebrauch gefallen war.

Ludwig Sütterlin (Grafiker)

Ludwig Sütterlin
Ludwig Sütterlin

Karl Ludwig Sütterlin (* 23. Juli 1865 in Lahr im Schwarzwald; † 20. November 1917 in Berlin) war ein deutscher Grafiker, Buchgestalter, Kunstgewerbler, Schriftgestalter und Pädagoge und der Entwickler der Sütterlinschrift.

Herbert Sütterlin

Der Name Herbert Sütterlin ist mit einem modernen deutschen Einzelhandelsunternehmen (HIT Sütterlin) verbunden. Die wichtigste historische Persönlichkeit, die mit der bekannten Schrift in Verbindung steht, ist jedoch Ludwig Sütterlin.

HIT Supermarkt Sütterlin Aachen

(https://www.hit.de/maerkte/aachen)

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