„Madaus Codex biologischer Heilmittel“ ist ein 1931 im Verlag Dr. Madaus & Co. (Radebeul/Dresden) erschienenes Fachbuch zur biologischen, insbesondere homöopathischen und biochemischen Arzneimittellehre. Das Werk wird in der Regel dem Apotheker Alfred Reder zugeschrieben und war Teil des breiten Verlagsprogramms der auf pflanzliche und biologische Arzneimittel spezialisierten Firma Madaus. Es ist heute ein historisches Praxis- und Nachschlagewerk für Homöopathie und Biochemie sowie ein Zeitzeugnis der biologischen Medizin der frühen 1930er Jahre.
Inhaltliche Ausrichtung
Der „Madaus Codex biologischer Heilmittel“ ist systematisch auf die Praxis der biologischen Heilkunde ausgerichtet, wie sie im Umfeld der Firma Madaus gepflegt wurde:
- Thematische Schwerpunkte:
- Homöopathische Arzneimittellehre
- Biochemische Arzneimittel (im Sinne der Biochemie nach Schüßler und verwandter Richtungen)
- Zusammenstellung von „biologischen Heilmitteln“, d. h. vorrangig pflanzlichen, mineralischen und organischen Präparaten in homöopathischer bzw. biochemischer Aufbereitung
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- Einordnung als Fach- und Praxisbuch:
- Das Werk wird bibliothekarisch und dokumentarisch den Sachgebieten Homöopathie, Biochemic Medicine und Materia medica / Therapeutics zugeordnet.
- Aus der zeitgenössischen Werbung (Dr. Madaus & Co.) geht hervor, dass der „Madaus Codex“ als Übersichtswerk für homöopathische und biochemische Heilmittel konzipiert war; ein zeitgenössischer Inserattext beschreibt es als ein Buch, in dem „die homöopathischen und biochemischen Heilmittel“ behandelt werden.
Daraus lässt sich ableiten, dass der Codex:
- eine Übersicht über wichtige Mittel der Homöopathie und der Biochemie gibt,
- Hinweise zur Anwendung, Indikation und/oder Wirkungsweise enthält,
- als Nachschlagewerk für Apotheker, Ärzte und Heilpraktiker gedacht war, die im Sinne der damaligen „biologischen Medizin“ praktizierten.
Autor: Alfred Reder
Über Alfred Reder selbst liegen nur wenige biografische Daten vor:
- Professionelle Tätigkeit:
- In antiquarischen Beschreibungen wird er als „deutscher Apotheker“ bezeichnet.
- Sein anderes bekanntes Werk „Hilfsbuch für Apotheker zum Potenzieren und Taxieren homöopathischer und biochemischer Arzneimittel“ (erste Auflage 1927) zeigt, dass er auf die Herstellung und Berechnung homöopathischer und biochemischer Präparate spezialisiert war.
- Veröffentlichungen:
- „Hilfsbuch für Apotheker zum Potenzieren und Taxieren homöopathischer und biochemischer Arzneimittel“ (1927; mehrere Ausgaben).
- „Madaus Codex biologischer Heilmittel“ (1931; eine Ausgabe nachgewiesen).
- Profil:
- Beide Werke deuten darauf hin, dass Reder sowohl handwerklich-apothekenpraktische Aspekte (Potenzieren, Taxieren) als auch die Arzneimittellehre systematisch erschlossen hat.
- Sein Profil entspringt damit der Tradition der „Homöopathischen Apotheke“ und der biochemischen Richtung innerhalb der biologischen Heilkunde.
Kontext: Verlag Dr. Madaus & Co. und „biologische Medizin“
Der „Madaus Codex“ ist vor dem Hintergrund des Unternehmens Dr. Madaus & Co. zu sehen:
- Unternehmen Dr. Madaus & Co.:
- 1919 von den Brüdern Gerhard, Friedemund und Hans Madaus in Bonn gegründet, entwickelte sich die Firma zu einem bedeutenden Hersteller pflanzlicher und biologischer Arzneimittel.
- Schwerpunkte waren Phytotherapie, Homöopathie und biologische Arzneimittel; das Unternehmen engagierte sich stark in Forschung, Standardisierung von Pflanzenextrakten und wissenschaftlichen Publikationen.
- Verlagsprogramm:
- Neben Einzelschriften wie dem „Madaus Codex biologischer Heilmittel“ gab das Haus Madaus:
- das „Taschenbuch für die biologische Praxis“ (mehrere Auflagen),
- „Jahrbücher“ mit Forschungsergebnissen auf dem Gebiet biologischer Heilmittel,
- sowie weitere Fach- und Repräsentationsschriften.
- Neben Einzelschriften wie dem „Madaus Codex biologischer Heilmittel“ gab das Haus Madaus:
- „Biologische Heilkunde“:
- In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bezeichnete „biologische Medizin“ eine Strömung, die pflanzliche, homöopathische, biochemische und teilweise organotherapeutische Verfahren integrieren wollte und bewusst in Opposition zur rein „schulmedizinischen“ Therapie mit chemisch-synthetischen Arzneimitteln stand.
- Der „Madaus Codex“ ist in diesem Sinne ein Produkt und gleichzeitig ein Werkzeug dieser biologischen Bewegung, das Wissen über homöopathische und biochemische Mittel gebündelt darbietet.
Entstehung und Edition
- Erstausgabe:
- Die erste und einzige nachweisbare Auflage erschien 1931 im Verlag von Dr. Madaus & Co. in Radebeul/Dresden.
- Es handelte sich um eine ursprünglich für den Praxisgebrauch konzipierte Ausgabe im Leinenformat; der Name „Codex“ ist im Sinne von „Sammlung / Verzeichnis“ zu verstehen.
- Spätere Nachdrucke oder Neuauflagen:
- Ein Nachdruck oder eine Neuausgabe des „Madaus Codex biologischer Heilmittel“ ist in den gängigen bibliografischen Quellen nicht dokumentiert; das Werk gilt als historischer Einzeltitel.
- Das bekanntere und wesentlich umfangreichere Standardwerk „Lehrbuch der biologischen Heilmittel“ von Gerhard Madaus (erstmals 1938 bei Thieme, Leipzig, später in mehreren Nachdrucken bei Olms und anderen Verlagen) ist davon zu unterscheiden und hatte mehrere Auflagen und Nachdrucke.
Struktur und Aufbau (wahrscheinliche Gliederung)
Da das Werk vorliegend nicht vollständig einsehbar ist, stützen sich die folgenden Punkte auf:
- bibliothekarische Sachzuordnungen,
- die inhaltliche Charakterisierung in Katalogen und Datenbanken (Homöopathie, Biochemic Medicine, Materia medica),
- sowie das historische Umfeld (Madaus-Taschenbücher, Hilfsbücher für Apotheker).
Danach ist von folgender wahrscheinlicher Struktur auszugehen:
- Allgemeiner Teil:
- Einleitung in die Prinzipien der biologischen Heilkunde (Homöopathie, Biochemie).
- Hinweise zur Herstellung, Potenzierung und Taxierung homöopathischer und biochemischer Arzneimittel – Themenbereiche, zu denen Reder bereits ein eigenes Hilfsbuch publiziert hatte.
- Spezieller Teil (Materia medica):
- Darstellung einzelner Mittel bzw. Mittelgruppen nach:
- pflanzlichen Arzneimitteln (Heilpflanzen in homöopathischer Aufbereitung),
- mineralischen Salzen (biochemische Funktionssalze),
- eventuell organotherapeutischen oder sonstigen biologischen Präparaten.
- Wahrscheinlich in Form von Kurzmonografien mit:
- Arzneimittelname (lateinisch/deutsch),
- Wirkungsrichtung („Leitbilder“),
- Hauptindikationsgebiete,
- Dosierungsempfehlungen bzw. gebräuchliche Potenzen.
- Darstellung einzelner Mittel bzw. Mittelgruppen nach:
- Praktische Hinweise:
- Das Buch dürfte – ähnlich wie das „Taschenbuch für die biologische Praxis“ – Praxisrezepte, Hinweise zur Kombination von Mitteln und Tips zur Anpassung an verschiedene Krankheitsbilder enthalten haben, die im Umfeld der Firma Madaus erprobt wurden.
Nutzung und Zielgruppe
Der „Madaus Codex biologischer Heilmittel“ wandte sich primär an:
- Apotheker:
- Aufgrund der Herstellungs- und Taxierungsfragen, die Reder bereits im „Hilfsbuch für Apotheker“ behandelt hatte.
- In den 1920er/30er Jahren war die Herstellung homöopathischer und biochemischer Arzneimittel in Apotheken verbreitet; ein solcher Codex diente als Arbeitsmittel.
- Ärzte und Heilpraktiker:
- Die Darstellung von Materia medica und Therapie entsprach dem Bedarf von Ärzten und Heilpraktikern, die homöopathisch oder biochemisch arbeiteten.
- Durch die Verknüpfung mit der Madaus-Produktpalette bot das Werk zugleich eine produktbezogene Orientierung.
- Heilkundige Laien:
- Aufgrund der relativ klaren Struktur und der Praxisnähe könnte das Buch auch von interessierten Laien genutzt worden sein; dies lässt sich jedoch nur indirekt aus der Vermarktung und dem Themenspektrum erschließen.
Wirkungsgeschichte und Rezeption
- Zeitgenössische Verbreitung:
- Der Codex wurde 1931 im Eigenverlag von Dr. Madaus & Co. publiziert und war Teil einer ganzen Serie von „biologischen“ Praxisbüchern, mit denen die Firma ihr Therapiesystem begleitet und verbreitet hat.
- Die Existenz mehrerer erhaltener Exemplare in Antiquariaten und Bibliothekskatalogen zeigt eine gewisse Verbreitung im deutschen Sprachraum.
- Spätere Wahrnehmung:
- In der fachhistorischen Literatur wird heute vor allem das „Lehrbuch der biologischen Heilmittel“ von Gerhard Madaus als zentrales Werk der biologischen Heilkunde zitiert.
- Der „Madaus Codex“ von Alfred Reder wird eher als Spezialwerk innerhalb der Madaus-Publikationen wahrgenommen, das vor allem für die Geschichte der Homöopathie und Biochemie sowie die Unternehmensgeschichte von Madaus relevant ist.
- Historischer Wert:
- Das Dokument gibt Aufschluss über:
- den Stand der Homöopathie und Biochemie in den frühen 1930er Jahren,
- die Verbindungen zwischen pharmazeutischer Industrie (Madaus), Apothekenstand und Heilpraxis,
- die Form, in der biologisches Heilwissen damals systematisiert und verbreitet wurde.
- Das Dokument gibt Aufschluss über:
Erhältlichkeit und bibliothekarische Nachweise
- Antiquarischer Markt:
- Exemplare des „Madaus Codex biologischer Heilmittel“ werden regelmäßig im deutschen und internationalen Antiquariatshandel angeboten (z. B. AbeBooks, ZVAB, Booklooker).
- Die beschriebenen Exemplare sind in der Regel:
- 240 Seiten stark,
- in Original-Leinen gebunden,
- teilweise mit Farbkopfschnitt oder Lederschildchen,
- mehr oder stark gebraucht (Papier gebräunt, Einband berieben).
- Bibliothekarische Erfassung:
- Das Werk ist in Bibliothekskatalogen (Open Library, regionale Verbundkataloge, Antiquariatsdatenbanken) nachgewiesen und dort unter den Schlagworten Homöopathie, Biochemic Medicine und Materia medica erschlossen.
- Die dortigen Titelaufnahmen stimmen weitgehend mit den von AbeBooks und Buchfreund gegebenen bibliografischen Daten überein.
Literatur und Quellen
- Primärquelle:
- Reder, Alfred: Madaus Codex biologischer Heilmittel. Radebeul/Dresden: Verlag von Dr. Madaus & Co., 1931. 240 S., Gr.-8°, OLn.
- Sekundärliteratur und Nachweiswerke:
- Madaus, Gerhard: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Leipzig: Georg Thieme, 1938; spätere Nachdrucke Hildesheim/New York: Georg Olms Verlag u. a.
lehmanns+1 - Open Library – Autoreneintrag Alfred Reder mit Zuordnung der Werke und der Sachgebiete „Biochemic Medicine“, „Homeopathy“, „Materia medica and therapeutics“.
- Firmengeschichte und Programm von Dr. Madaus & Co.: Darstellungen der Unternehmensgeschichte und des Verlagsprogramms (Jahrbücher, Taschenbücher für die biologische Praxis etc.).
- Madaus, Gerhard: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Leipzig: Georg Thieme, 1938; spätere Nachdrucke Hildesheim/New York: Georg Olms Verlag u. a.
Diese Beschreibung fasst den derzeit dokumentierten Wissensstand zum „Madaus Codex biologischer Heilmittel“ zusammen; Detailkenntnisse zum Aufbau einzelner Kapitel sind ohne direkten Zugriff auf ein Vollexemplar begrenzt und können anhand des Originalbuches noch präzisiert werden.
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