Fahrendes Volk (auch fahrende Leute oder Fahrender) bezeichnet eine Vielfalt von Bevölkerungsgruppen von niedrigem sozialen Stand. Gemeinsam waren diesen sehr unterschiedlichen vagierenden Menschen und Gruppen verschiedener Herkunft und Tätigkeit
- ihre Ausgrenzung aus der ansässigen Gesellschaft,
- ihre Armut und fehlende Schulbildung,
- eine damit einhergehende zeitweise oder dauerhafte Erwerbsmigration in ökonomische Nischen
- und der auf diesen Menschen liegende mehrheitsgesellschaftliche Verdacht der Delinquenz.
In der Regel waren die Angehörigen dieses Bevölkerungsteils unter stigmatisierenden Bezeichnungen wie „herrenloses Gesindel“ aus der Untertanenschaft ausgeschlossen. Fahrendes Volk reproduzierte sich zum einen aus sich selbst. Zum anderen erhielt es Zuzug von Absteigern aus dem sesshaften Unterschichtenmilieu. Heute bezieht sich eine folklorisierende Verwendung der Bezeichnung „fahrendes Volk“ häufig auf Nachfahren historischer Gruppen, wie sie im Schausteller-, Zirkus– und Landfahrermilieu anzutreffen sind. Diese bezeichnen sich selbst als Reisende.
Zigeuner
Zigeuner ist eine historische Fremdbezeichnung für Sinti und Roma, die aufgrund ihrer diskriminierenden Konnotation als veraltet gilt. Die Bezeichnung wurde auch auf andere ethnische oder soziale Randgruppen ausgeweitet, die aufgrund ihrer Herkunft, Kultur oder Lebensweise von der Mehrheitsgesellschaft ausgegrenzt wurden. In Deutschland und Österreich ist die Bezeichnung „Zigeuner“ seit dem Völkermord an den Sinti und Roma im Nationalsozialismus belastet. Aus diesem Grund weisen viele Sinti und Roma sowie Jenische diese Bezeichnung als sprachlichen Ausdruck des an ihnen verübten Völkermords zurück.
Sinti und Roma
Sinti und Roma ist in der Bundesrepublik Deutschland der Oberbegriff für die beiden Volksgruppen Sinti und Roma, die historisch als „Zigeuner“ bezeichnet wurden. Die Sinti sind eine eigenständige Gruppe, die seit Jahrhunderten vor allem in Deutschland, Österreich und anderen deutschsprachigen Regionen lebt. Die Roma hingegen bilden eine vielfältige Gruppe mit zahlreichen Untergruppen, die vor allem in Ost- und Südosteuropa beheimatet sind. Auch in kultureller und religiöser Hinsicht weisen die beiden Gruppen jeweils eigene Traditionen auf.
Sinti
Sinti, auch Sinte genannt, sind eine ethnische Gruppe. Sie leben in Mittel-, West- und Osteuropa und im nördlichen Italien. In Deutschland ist ihre Anwesenheit bereits seit dem Anfang des 15. Jahrhunderts belegt. Sinti sind eine der Ethnien, die im deutschsprachigen Raum unter dem Oberbegriff Sinti und Roma fallen.
Roma
Roma ist ein Oberbegriff für Bevölkerungsgruppen, denen die Sprache Romanes gemeinsam ist. Die Roma stammen mutmaßlich vom indischen Subkontinent und leben seit mindestens 700 Jahren in Europa. Sie teilen sich in Gruppen auf, die sich durch Sprache, Kultur und Geschichte unterscheiden und gehören in ihren jeweiligen Heimatländern zu den Minderheiten. In ihrer Gesamtheit bilden sie jedoch die größte ethnische Minderheit Europas. Die im deutschsprachigen Raum ehemals verbreitete Bezeichnung „Zigeuner“ gilt als diskriminierend. Viele Angehörige der Roma werden ausgegrenzt und waren antiziganistischer Verfolgung ausgesetzt.
Völkermord an den Sinti und Roma in der Zeit des Nationalsozialismus ‘geborene Asoziale‘
Der Völkermord an den Sinti und Roma in der Zeit des Nationalsozialismus bildet einen gewaltsamen Höhepunkt der langen Geschichte von Diskriminierung und Verfolgung. Die genaue Zahl der Opfer ist nicht bekannt. Die unterschiedlichen Schätzungen liegen innerhalb einer großen Spannbreite von bis zu einer Million Opfern. Wie der Völkermord an den Juden (Holocaust) war es ein Genozid des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland und den besetzten Staaten, mit dem Ziel der totalen Vernichtung der als „Zigeuner“ klassifizierten Menschengruppe. Jeder, der von den Erfassungsinstitutionen während der NS-Zeit – im Altreich ein Verbund aus pseudowissenschaftlichen und kriminalpolizeilichen Gutachtern, außerhalb oft von spontan entscheidenden Akteuren der Verfolgung – dem „Zigeunertum“ zugeordnet wurde, war grundsätzlich von Vernichtung bedroht. Dem lag die rassistische Deutung der Angehörigen der Minderheit als „fremdrassige“, „geborene Asoziale“ zugrunde. „Zigeuner“ wurden so zu Objekten eines „doppelten“, des ethnischen wie des sozialen Rassismus. Innerhalb des NS-Staates zielte erst die Verfolgung, dann die Vernichtung vor allem auf ortsfest lebende „Zigeunermischlinge“. Seit Herbst 1939 existierten zunächst nur in Teilen umgesetzte Deportationsabsichten. Ab Februar 1943 wurde eine Mehrheit der im Deutschen Reich lebenden Roma in das eigens errichtete Zigeunerlager Auschwitz deportiert. Weitere Roma wurden aus den besetzten westeuropäischen Gebieten dorthin verschleppt. Nur eine Minderheit überlebte. Außerhalb der Reichweite systematischer Erfassung, wie in den deutsch okkupierten Gebieten Ost- und Südosteuropas, waren vor allem Roma bedroht, die nach deutschem Urteil „vagabundierten“, teils allerdings tatsächlich Flüchtlinge oder Vertriebene waren. Hier fielen die Angehörigen der Minderheit vor allem Massakern deutscher militärischer und polizeilicher Formationen sowie den SS-Einsatzgruppen und der Bekämpfung des bewaffneten Widerstands gegen die deutsche Besatzung zum Opfer.
Camping
Camping (auch Kampieren, von lat. campus „Feld“) bezeichnet eine Form des Tourismus. Die Urlauber übernachten in diesem Fall in Zelten, Wohnwagen oder Wohnmobilen, in Dachzelten oder ausgebauten Vans. Wird in Zelten gecampt, so spricht man auch von Zelten. Camping wurde Anfang des 20. Jahrhunderts populär und ist mittlerweile eine weitverbreitete Urlaubs- und Reiseform. Inzwischen finden sich weltweit Möglichkeiten, auf Campingplätzen, oft in landschaftlich reizvollen Lagen (zum Beispiel auch in Natur- und Nationalparks) zu übernachten. Campingplätze stellen – wie auch manche Reisemobil-Stellplätze – sanitäre und elektrische Versorgungseinrichtungen zur Verfügung. Campingplätze gibt es für jeden Geschmack von der einfachen Wiese mit Waschhaus bis zu hoch komfortablen Einrichtungen mit Supermärkten, Restaurants, eigenem Schwimmbecken sowie Fernsehanschluss und Internetangebot (meist WLAN). Übernachtungen auf Campingplätzen sind in der Regel preiswerter als in Hotels; die Preise haben sich allerdings in den begehrten Urlaubsregionen und bei komfortablen Angeboten in der Hauptsaison angenähert. In den meisten Ländern Europas ist Kampieren außerhalb dafür vorgesehener Einrichtungen (Wildes Campen) nicht erlaubt oder unter strengen Auflagen gestattet.
Zelt
Ein Zelt ist ein vergleichsweise kleines und leichtes transportables Gebäude aus wenigen, nicht fest miteinander verbundenen Bauteilen, die ein einfaches Abbauen und Wiederaufstellen ermöglichen. In der Regel besteht ein Zelt aus einer skelettartigen Tragkonstruktion (Gerüst), über die eine wind- und wasserdichte Plane gespannt wird. Das Gerüst wird aus Zeltstangen oder Stäben aus Holz, Bambus, glasfaserverstärktem Kunststoff oder Metall zusammengefügt. Die Zeltplane besteht v. a. aus Textilien, Folien, aber auch aus Leder oder anderen Naturmaterialien. Um die Plane am Erdboden zu halten, dienten Völkern, die nicht über Metalläxte verfügten, häufig Steine oder Erde, die auf das untere Ende der Plane gelegt wurden. Später wurden verschiedene Abspannvorrichtungen entwickelt: etwa simple Holzpflöcke, die direkt durch die Plane gesteckt wurden oder sogenannte Heringe aus Metall oder Kunststoff, an denen Leinen befestigt werden, die mit der Plane verbunden sind. Zelte mit textiler Membran sind eine Form textiler Architektur. Zelte dienen dem vorübergehenden Aufenthalt von Personen, dem Lagern von Gütern, als Unterkunft auf Reisen und Expeditionen, als Versammlungsstätte oder dem Wohnen von Nomaden. Bei Großveranstaltungen kommen Festzelte als Veranstaltungssäle zum Einsatz, das Zirkuszelt ist der traditionelle Veranstaltungsort eines Zirkus. Zelte werden von Unternehmen auch bei Messen und Ausstellungen oder bei Sonderverkäufen als Verkaufsfläche verwendet. Darüber hinaus finden Zeltkonstruktionen in der zeitgenössischen Architektur vermehrt auch als dauerhafte Konstruktionen Verwendung. Zelte sind neben Hütten die ältesten Gebäude der Menschheit, die Jahrhunderttausende lang als einzige Behausung dienten.
Zeltlager
Ein Zeltlager ist ein Lager, dessen Unterkünfte, medizinische und leibliche Versorgungseinrichtungen und Vorratshaltung aus Zelten bestehen.
Glamping
Glamping (Kofferwort für Glamourous Camping) ist eine Art von Camping, wobei man zwar in der Natur übernachtet, jedoch nicht in einem gewöhnlichen Zelt, sondern in luxuriösen und komfortablen sowie gut ausgestatteten Unterkünften. Glampen beschreibt außerdem einen Modetrend der Reisebranche, der vor allem seit Beginn des 21. Jahrhunderts einen Beliebtheits-Anflug erfuhr. Das Glamping-Spektrum umfasst mittlerweile alle Kontinente, alle Klimazonen und verschiedene Erlebniskonzepte. Viele europäische Campingplätze weisen zumindest einen Teil ihres Angebotes als Glamping aus. Glamping steht für luxuriöse Formen des Campings. Alternative Bezeichnungen lauten Boutique-Camping, Luxuscamping, Komfortcamping und Nobelcamping. Von den Buchenden wird Glamping als Variante des Naturtourismus angesehen, bei dem auf Komfort nicht verzichtet werden muss. Erstmals nachgewiesen wurde der Begriff im Jahr 2005 in Großbritannien, 2016 wurde der Neologismus ins Oxford English Dictionary aufgenommen.
Wohnwagen
Ein Wohnwagen (Synonyme: Caravan, Campingwagen) ist ein Anhänger (fast immer ein Starrdeichselanhänger) für Kraftfahrzeuge, in dem sich eine Wohnungseinrichtung befindet. Wesentlicher Unterschied zu den Wohnmobilen (Reisemobilen) ist das Fehlen eines eigenen Antriebs. Anhängergespanne unterliegen in den meisten Ländern Geschwindigkeitsbeschränkungen (typischerweise 80 bis 100 km/h).
Wohnmobil
Ein Wohnmobil, in der Schweiz amtlich Wohnmotorwagen, ist ein Kraftfahrzeug mit einer zum Wohnen geeigneten Inneneinrichtung. Diese ähnelt häufig der eines Wohnwagens. Die Fahrzeugbasis ist in der Regel ein Kleintransporter. Überwiegend werden Wohnmobile als Freizeitfahrzeuge zum Camping und für Urlaube mit wechselnden Stand- und Erlebnisorten verwendet. Wohnmobile werden auch gern von Geschäftsreisenden wie Handelsvertretern, Montagearbeitern oder Schaustellern zum Übernachten oder als mobiles Büro an wechselnden Arbeitsorten genutzt. Mit Reisemobil wurde ein bewohnbares Fahrzeug (Essen zubereiten, Schlafen) bezeichnet, dessen Schwerpunkt jedoch auf dem Reisen, also dem Fahren, lag. In aller Regel waren es ausgebaute Kleinbusse und Kastenwagen, weshalb diese Fahrzeuge damals wie heute auch oft als Campingbus oder übergreifend als Camper bezeichnet werden. Heutzutage werden in Deutschland die Begriffe Reisemobil und Wohnmobil jedoch synonym verwendet, wobei in Herstellerkatalogen und Fachzeitschriften meist von Reisemobil, umgangssprachlich jedoch überwiegend von Wohnmobil gesprochen wird. Reisemobile im ursprünglichen Sinne werden unter Kastenwagen behandelt. Zulassungstechnisch ist diese Gruppe von Fahrzeugen eine eigene Fahrzeugart und wird in den Zulassungsbescheinigungen, sofern eine neue EU-Typgenehmigung vorliegt, einheitlich als Wohnmobil bezeichnet; frühere Bezeichnungen wie So.-Kfz für sonstiges Kfz fallen damit weg.
Mobilheim
Ein Mobilheim, Engl. Mobile home, ist eine transportable Wohneinheit, deren Inneneinrichtung mit einer Wohnung vergleichbar ist. Mobilheime sind eine Form mobiler Architektur. Im Gegensatz zum Wohnwagen haben Mobilheime keine Straßenzulassung und können nur per Lastkraftwagen über längere Strecken transportiert werden. Zum Bewegen auf einem Campingplatz oder in einer Wohnwagensiedlung besitzt ein Mobilheim eine einfache Achse ohne Bremse. Die begrenzte Mobilität genügt, um mit dem in Deutschland erlaubten Aufstellen von Mobilheimen auf Dauer-Campingplätzen ein Feriendomizil zu haben, ohne die sonst üblichen Bauvorschriften erfüllen zu müssen. Auf vielen Campingplätzen sind Mobilheime vorhanden; oft werden sie vermietet.
Tiny House Movement
Das Tiny House Movement (auch Small House Movement genannt, englisch Winzige-Häuser-Bewegung) ist eine gesellschaftliche Bewegung mit Ursprung in den USA, die das Leben in kleinen Häusern propagiert. Damit appelliert sie an das Umweltbewusstsein und wendet sich zugleich an Personen mit geringem Einkommen. Tiny Houses werden definiert mit einem umbauten Wohnraum von bis zu 110 m³, zwischen 15 und 45 m² Nutzfläche, einer Ausstattung mit einer Küche/-nzeile, einem Bad- und einem Schlafbereich und sie erfordern einen Anschluss an die öffentliche Ver- und Entsorgung mit Strom, Wasser und Abwasser. Die Bewegung hat sich auch in Deutschland etabliert.
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